Buckelwal Timmy liegt noch immer in der Bucht: "Er war nicht so aktiv"
Zusammenfassung
- Der gestrandete Buckelwal vor Poel wird rund um die Uhr überwacht, zeigt aber nur geringe Aktivität.
- Das Rettungskonzept wird überarbeitet, da Experten einen aktiven Eingriff für riskant halten und auf palliative Versorgung setzen.
- Ein Sender wurde am Wal befestigt, private Helfer und das Land arbeiten gemeinsam an Maßnahmen, wobei das Tierwohl im Fokus steht.
Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal liegt weiter in einer Kuhle am Ende der Kirchsee.
Die Wasserschutzpolizei hat das Tier in der Nacht rund um die Uhr beobachtet. "Wir waren die ganze Nacht vor Ort. Er war nicht so aktiv", sagte ein Sprecher Donnerstagfrüh. Auf den Livestreams war zu erkennen, dass der Meeressäuger sich gelegentlich leicht bewegt und buckelt. Auch sein Atem war aufgrund der kleinen Wasserfontäne regelmäßig zu erkennen.
Neues Konzept für Timmys Rettung
Jetzt soll das Rettungskonzept für den Wal erneuert werden. Die private Hilfsinitiative arbeitet Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zufolge unter Hochdruck an einer Überarbeitung des Plans. Weitere Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden.
Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme jedenfalls nicht infrage, sagte Backhaus am Mittwochabend bei einer Stellungnahme vor der Presse. „Wir müssen das Konzept überarbeiten.“
Retten oder nicht retten?
Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. „Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war“, sagte er.
Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten.
Sender am Wal befestigt
Nach drei Wochen an derselben Stelle war der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus versuchten Helfer, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.
Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt. So könnte sein Weg verfolgt werden, sollte es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen. Der Wal sei mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus. Die Rettungsbemühungen konzentrierten sich nach Angaben der Initiative zuletzt darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Schon am Dienstag hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet.
Inzwischen liegt der Wal in einer Mulde im Wasser, so soll möglichst wenig Eigengewicht auf ihm und seinen Organen lasten. Wegen der Sonneneinstrahlung wurde sein Rücken mit nassen Tüchern bedeckt. Zweieinhalb Kilogramm Fisch, die dem Wal am Dienstag angeboten wurden, fraß er nicht.
Ministerium duldet privaten Rettungseinsatz
„Wer nichts macht, macht auch keine Fehler“, sagte Backhaus am Mittwoch auf Poel. Aber Tatenlosigkeit sei trotzdem keine Option. „Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.“ Der Umgang mit dem Tier wurde immer wieder von verschiedenen Seiten kritisiert, auch Backhaus selbst sah sich Vorwürfen ausgesetzt. Mit Blick auf das Vorgehen der Privatinitiative sagte der Minister: „Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung - sondern eine rechtlich gebotene Duldung.“ Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Maßstab für das staatliche Handeln sei ausschließlich das Tierwohl. Das Land begleite die Maßnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort. Backhaus kündigte an, die Ereignisse politisch aufzuarbeiten. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Großwalen einsetzen.“
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