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„Anti-argentinische Welle“: Die Gaúchos wissen nicht, wohin mit dem WM-Frust

Das Land des entthronten Fußball-Weltmeisters erlebt wegen seiner umstrittenen Spielweise breite internationale Ablehnung. Die beleidigte Bevölkerung vermutet eine anti-argentinische Kampagne und verlangt politische Konsequenzen.
Tobias Käufer aus Buenos Aires
FIFA World Cup 2026 - Argentina players arrive in Buenos Aires after the final

Diese Botschaft auf Instagram steht stellvertretend für die Stimmung im Land: „So viel Hass gegen Argentinien, aber wenn es darum geht, sich kostenfrei an den Universitäten einzuschreiben, sind sie die Ersten in der Reihe.“ In den Tagen nach dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien steht im Land des entthronten Fußball-Weltmeisters die Trauerarbeit im Vordergrund. Und viele Argentinier fühlen sich in ihrer Enttäuschung nun vom Rest der Welt verraten.

Von einer „anti-argentinischen Welle“ ist da die Rede, von Hass auf Argentinien. Aus der ganzen Welt prasselt Kritik auf das Land am Rio de la Plata ein. Hollywood-Star Samuel L. Jackson nannte Argentinien „das rassistischste Land der Welt“, die spanische Sängerin Rosalía, Pornodarstellerin und Influencerin Mia Khalifa und UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese teilten ebenfalls kräftig aus. Rosalía entschuldigte sich inzwischen für ihren Post, doch gegen ihre geplanten Konzerte in Argentinien gibt es inzwischen Boykott-Aufrufe.

Folgen für Ausländer

Auch die Politik fordert Konsequenzen. Eine könnte sein, dass das Land künftig Ausländern kein kostenfreies Studium und keine kostenfreie Gesundheitsversorgung mehr gewährt. Medien zufolge prüft die libertäre Regierung von Präsident Javier Milei genau diese Möglichkeit. Milei hatte das schon einmal auf die Tagesordnung gesetzt, damals allerdings, um den hoch verschuldeten Haushalt zu entlasten.

Damals kam der Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit auf. Nun sind solche Forderungen tausendfach in den sozialen Netzwerken zu lesen und kommen aus der Mitte der Gesellschaft.

„Lateinamerika ohne Argentinien“

Besonders bitter ist für die Argentinier die Ablehnung auf dem Heimatkontinent. „América Latina menos Argentina“ (Lateinamerika ohne Argentinien) ist da in unzähligen Clips zu lesen oder in Sprechchören zu hören. Der Grund: die ruppige, teilweise unfaire Spielweise der Argentinier bei der WM und strittige Schiedsrichterentscheidungen bei diesem, aber auch bei vorangegangenen Turnieren, an die sich Fans in Brasilien, Mexiko oder Kolumbien erinnern.

In Argentinien macht sich deshalb eine „Einer gegen alle“-Stimmung breit, die auch die Politik erreicht. Präsident Milei veröffentlichte in den sozialen Medien eine Botschaft, in der er ein berühmtes Zitat von Winston Churchill nutzte: „Du hast Feinde? Gut. Das bedeutet, dass du irgendwann in deinem Leben für etwas eingetreten bist“. Die Nation werde dem Rest der Welt beweisen, wozu ein Land voller Argentinier fähig ist, so Milei.

Ermittlungen laufen

Zunächst aber muss sich der Präsident des argentinischen Fußballverbandes AfA, Claudia Tapia, schweren Anschuldigungen erwehren. Die Justiz in den USA und Argentinien hat ein Netzwerk von Scheinfirmen entdeckt, über die Dutzende Millionen US-Dollar ins Ausland verschoben wurden. Ob er diese Affäre im Amt überlebt, wird sich zeigen. Die WM-Aufräumarbeiten in Argentinien haben gerade erst begonnen.

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