Wildererdrama von Innervillgraten: Hermann Walder gestorben
Mehr als 43 Jahre nach dem "Wildererdrama" in Innervillgraten in Osttirol, bei dem der Wilderer Pius Walder von einem Jäger erschossen worden war, ist dessen Bruder Hermann Walder laut Medienberichten am Dienstag im Alter von 81 Jahren verstorben. Walder hatte jahrzehntelang Rache und Vergeltung geschworen und polarisierte mit seinen Aktionen.
Der Osttiroler starb in Deutschland und soll auch dort, in Wiesbaden im Bundesland Hessen, beigesetzt werden, berichtete die "Kleine Zeitung". Auf dem "ungerechten Boden in Österreich" wolle er nicht begraben werden, hatte Walder vor einigen Jahren in einem Interview gemeint. In Deutschland hatte der "Bergrebell" lange gelebt. Der Fall Walder hatte national wie international für viele Schlagzeilen gesorgt. Er lieferte über die Jahre Stoff für Bücher, Reportagen und Filme.
Schüsse in den Hinterkopf
Anfang September 1982 war Pius Walder zum wiederholten Male zu einem "Jagdgang ohne Jagdschein" aufgebrochen. Zwei Jäger dürften Schüsse des Wilderers gehört haben. Den Schilderungen des Wiener Soziologen Roland Girtler zufolge, der sich mit der Sozialgeschichte des Wilderns beschäftigt hat, sollen es die Weidmänner auf den "Wildschütz Pius Walder abgesehen" gehabt haben.
Einer soll ihn mit Schüssen aus seiner Deckung getrieben und der andere ihn mit acht Schüssen in den Hinterkopf "niedergestreckt" haben, erklärte Girtler den "furchtbaren Vorfall in Kalkstein (Ortsteil von Innervillgraten, Anm.) auf der Hölleiten".
Jäger verurteilt
Beim darauffolgenden Prozess in Innsbruck wurde einer der Jäger zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt - nicht wegen Mordes, sondern wegen schwerer Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Nach eineinhalb Jahren wurde er vorzeitig entlassen. Freunde und Anhänger des Wildschützen glaubten eher an die "Mordversion".
Ihre Sicht der Dinge wurde auf dem Grabstein Walders dargelegt. Dort findet sich eine Inschrift mit dem Wortlaut: "Ich wurde am 8. September 1982 in Kalkstein von zwei Jägern aus der Nachbarschaft kaltblütig und gezielt beschossen und vom 8. Schuss tödlich in den Hinterkopf getroffen." Das Grab blieb lange eine regionale Touristenattraktion, sorgte aber auch für Kritik.
Jahrzehntelanger Kampf
Aus Sicht der Walder-Brüder, die einst am offenen Grab ihres Bruders Rache geschworen hatten, war das Urteil gegen den Jäger zu milde. Hermann Walder führte daraufhin jahrzehntelang einen Kampf - und das mit nicht gerade zimperlichen Mitteln. Mit Schlägereien, Protesten und weiteren Aktionen machte er auf sich und damit auch den Fall seines Bruders aufmerksam.
Bei der Beerdigung des Todesschützen im Jahr 2012 sorgte Walder mit einer provokanten Tafel für einen Eklat. Darauf war vom "Meuchelmord" an Pius zu lesen, nun habe der Satan dafür den "Mörder an der Gurgel erfasst und in die Hölle unter die Glut befördert." Walder erhielt eine Anzeige wegen Ruhestörung einer Bestattungsfeier.
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