Schweinekopf vor Haustür in Hall: 10.000 Euro für Hinweise
Diesen Schweinekopf fand eine türkische Familie vor ihrer Wohnungstüre.
Der Schock muss groß gewesen sein. Am 12. März traute eine Frau in der Tiroler Stadt Hall ihren Augen nicht, als sie ihre Haustüre öffnete. Auf der Matte vor dem Eingang lag ein abgetrennter Schweinekopf, an der Türe selbst klebte ein Zettel mit der Aufschrift "Happy Ramadan, ihr Affen!".
Die türkische Familie, die mit ihren Kindern in Hall lebt, hielt den rassistischen Vorfall fotografisch fest. Über Umwege - er war als Gast bei einem Fastenbrechen eingeladen gewesen - kam die Info zum Haller Bürgermeister Christian Margreiter, unabhängige Liste "Für Hall".
Der zeigte sich auf "massive Art und Weise empört. So etwas hat bei uns keinen Platz. Ich verurteile diese niederträchtige Tat zutiefst." Deshalb greift der Bürgermeister nun zu einer durchaus ungewöhnlichen Maßnahme.
Eventuell der Kopf eines Spanferkels
Wer entscheidende Hinweise zum Täter oder den Tätern liefert, bekommt 10.000 Euro. Die bezahlt der Politiker aus eigener Tasche. Auch die Polizei ermittelt. "Zu diesem Schritt habe ich mich entschlossen, weil diese anonymen Aktivitäten meist von feigen Personen ausgeübt werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich beim abgetrennten Kopf um den Körperteil eines Spanferkels handelt. Und das verspeist man normalerweise nicht alleine", so der Ortschef.
Bürgermeister Christian Margreiter
Erst im Zuge des jüngsten Vorfalls wurde Margreiter zugetragen, dass es auch davor schon Angriffe auf die Familie gegeben haben soll. Die Rede ist von aufgestochenen Autoreifen und Müll, der auf das Auto der Familie geworfen wurde.
Kinder in Angst
"Alle diese Indizien lassen die Vermutung zu, dass sich der oder die Täter eventuell im Nahebereich der Familie befinden." Aktionen wie diese dürften nicht bagatellisiert werden, "sie konterkarieren unser aller Bemühen um ein friedliches Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen", so der Politiker. Er könne sich vorstellen, wie viel Angst ein Vorfall dieser Dimension vor allem bei den Kindern der betroffenen Familie auslöse.
Prinzipiell sei man ständig mit der Aufarbeitung der Vergangenheit beschäftigt, erklärt Margreiter, denn in Hall habe es in den 1930er-Jahren sehr wohl einen großen Zuspruch zum Nationalsozialismus gegeben, "aber auch einen außerordentlich großen Widerstand gegen das Regime."
Kundgebung gegen Rassismus
Am Dienstag kommender Woche ist am Oberen Stadtplatz in Hall eine Kundgebung gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geplant. Man wolle darauf aufmerksam machen, dass dieser antimuslimische Übergriff kein Einzelfall sei, sondern rassistisch motivierte Handlungen in Hall zunehmen würden, heißt es von den Organisatoren.
Kommentare