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Nach schwerer Vernachlässigung: Stuten suchen neues Zuhause

Im März wurden drei Stuten in verwahrlostem Zustand von den deutschen Behörden vorgefunden. Zwei von ihnen suchen nun ein neues Zuhause.
Braunes Pferd steht auf gepflastertem Weg.

Vanessa Reichenauer

Die Pferde hatten keinen Zugang zu frischer Luft, kein Tageslicht und standen knöcheltief im eigenen Kot. Dadurch war auch ihr Fell verschmutzt und verfilzt, sodass ihre eigentliche Fellfarbe fast nicht mehr sichtbar war. Die Tiere waren zudem abgemagert und hatten kein Einstreu in ihrem Stall im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.

Einen Reha-Platz fanden die drei bei der Pferdeklappe in Reutte. Dort wurden sie einige Monate lang intensiv gepflegt und medizinisch versorgt. Auch ein Aufbautraining war nötig.

„Ich habe so etwas noch nie gesehen“, erinnert sich Nicole Mayrhofer, Leiterin der Pferdeklappe des Österreichischen Tierschutzvereins. „Erst nach stundenlanger Reinigung mit Schermaschinen und Metallstriegeln wurde das ganze Ausmaß der Vernachlässigung sichtbar.“ Neben ihrer Unterernährung hatten die Stuten auch kaputte Hufe und zudem einen aggressiven Hautpilz. Das Schlimmste sei jedoch ihre Verunsicherung gewesen.

Training zum Muskel- und Vertrauensaufbau

Die Rehabilitation war aufwendig: „Wir haben den Hautpilz erfolgreich behandelt, die Hufe fachgerecht korrigiert und die Zähne sanieren müssen“, sagt Hofleiterin Mayrhofer. Durch regelmäßiges Training in der Führanlage, Bodenarbeit und Longieren bauten die Stuten Muskulatur auf und gelangten langsam wieder zu Kräften.

Weißes Pferd steht vor Koppel-Zaun.

Lillifee ist motiviert bei der Bodenarbeit, braucht aber noch viel Sicherheit.

Nach ihren traumatischen Erfahrungen mussten die Pferde ihr Vertrauen in Menschen wieder neu aufbauen. Etwa mussten sie erst lernen, dass Nähe, Berührungen und der Umgang mit Menschen keine Gefahr darstellen. „Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen haben wir versucht, den Stuten ihre Angst zu nehmen“, erklärt Mayrhofer.

Rehabilitation braucht Geduld

Das zehnjährige ungarische Warmblut Merida braucht allerdings noch Zeit und muss weiterhin lernen, bei alltäglichen Abläufen, wie dem Striegeln oder Auskratzen der Hufe, ruhig zu bleiben.

Allgemein ist die Rehabilitation vernachlässigter Pferde ein langer und auch kostenintensiver Weg. Teil davon sind Tierarztbehandlungen, Spezialfutter, Hufpflege, Zahnversorgung und tägliches Training. So soll den Tieren wieder ein gesundes und glückliches Leben ermöglicht werden.

Happy End für zwei Stuten

Nun sind die 20-jährige KWPN-Stute Twilight und die 15-jährige Württemberger-Stute Lillifee wieder gesund und bereit für ein neues, liebevolles Zuhause. Und: Sie zeigen wieder Lebensfreude. Sie wünschen sich einen Offenstall mit Weide und Unterstand oder eine Nachtbox mit täglichem Weidegang.

Besonders Lillifee brauche einen erfahrenen Menschen, der auf sie eingeht und ihr Sicherheit bietet. Sie ist feinfühlig, verschmust und menschenbezogen sowie motiviert bei der Bodenarbeit und auch wieder reitbar. 

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