Erfroren am Großglockner: Viele Fragen um das Bergdrama
Als die Helfer eintrafen, war die junge Frau bereits tot (Archivbild)
Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Innsbruck sind deutlich: "Schutzlos, entkräftet, unterkühlt" habe der 37-Jährige seine Freundin zurückgelassen – die 33-Jährige erfror auf dem Großglockner, 50 Meter vom Gipfel entfernt.
Die vielen offenen Fragen
Seit die Salzburgerin Mitte Jänner 2025 derart tragisch ums Leben kam, beschäftigt sich die (mediale) Öffentlichkeit mit vielen Fragen: Was hätte ihr Begleiter am Berg tun können? Oder tun müssen? Und warum hat er es nicht getan?
Antworten wird es wohl am Donnerstag geben, wenn der Prozess gegen den 37-Jährigen am Straflandesgericht Innsbruck beginnt.
Strafrahmen: bis zu 3 Jahre Haft
Er ist wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung angeklagt, der Strafrahmen beträgt im Fall einer Verurteilung bis zu drei Jahre Haft. Angesetzt ist die Verhandlung nur für einen Tag, doch angesichts der Menge an Zeugen und Sachverständigen – 15 Personen – scheint eine Vertagung wahrscheinlich.
50 Journalistinnen und Journalisten haben sich akkreditiert, um direkt von dem Verfahren zu berichten. Die Staatsanwaltschaft sieht im Tod der 33-Jährigen ein Unglück, das zu verhindern gewesen wäre, beginnend schon bei der Planung für die Glocknerbegehung am 18. Jänner 2025.
Es fühlte sich an wie minus 20 Grad
Der Angeklagte habe außer Acht gelassen, dass seine Freundin zuvor noch keine hochalpine Tour in dieser Dimension absolviert hatte. Außerdem sei das Paar um gut zwei Stunden zu spät losgegangen. Als es aufgrund "konditioneller und technischer Schwierigkeiten" langsamer vorankam als geplant, hätte es umkehren müssen: Minus acht Grad hatte es zum Unglückszeitpunkt – bei Windgeschwindigkeiten von rund 70 km/h fühlte sich das wie minus 20 Grad an.
Die Alpinisten dürften den Punkt überschritten haben, an dem Umkehren überhaupt noch möglich war. Also gingen sie weiter, doch die 33-Jährige war am Ende ihrer Kräfte.
Was war mit dem Biwaksack?
An dem Punkt tauchen neue Fragen auf: Die Salzburgerin hatte einen Biwaksack dabei – doch er wurde nicht benützt. Auch das wirft die Staatsanwaltschaft nun ihrem Begleiter vor; zudem, dass der 37-Jährige die erschöpfte Frau nicht an eine windgeschützte Stelle gebracht habe. Auch bei den Notrufen soll es zu Ungereimtheiten gekommen sein.
18. Jänner 2025
Die Alpinisten brechen von Kals in Tirol aus zu einer Tour auf den Großglockner auf und wählen den Weg über das Stüdlgrat.
19. Jänner 2025
Bergretter finden die erfrorene Frau 50 Meter unterhalb des Gipfels.
4. Dezember 2025
Die Staatsanwaltschaft Innsbruck bringt Anklage wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung ein.
19. Februar 2026
Im Straflandesgericht Innsbruck ist der Prozess angesetzt.
Der 37-Jährige stieg allein ab; als Einsatzkräfte die Frau fanden, war sie tot. Der Angeklagte wies im Vorverfahren jegliches Fehlverhalten von sich, auch die Familie der 33-Jährigen steht hinter ihm.
"Eine Hexenjagd"
Die Darstellung ihrer Tochter als Opfer und "kleines Dummerchen" mache sie "wütend", betonte ihre Mutter gegenüber der deutschen Zeit: "Sie war top trainiert und hat auch schwierigere Klettertouren gemeistert." Das Paar habe immer alles gemeinsam entschieden, versicherte die Salzburgerin: Die mediale Kritik am 37-Jährigen gleiche einer "Hexenjagd".
Kommentare