Brennerroute vor Totalsperre: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Die Luegbrücke auf der Brennerautobahn A13 in Tirol, die derzeit aufwändig saniert wird. (Symbolbild)
„Ich kann zuhause wegen des Lärms die Fenster kaum öffnen. Und wenn wir mit dem Auto fahren wollen, stehen wir ewig im Stau.“ Was Sabine Spari-Gaupp aus Matrei am Brenner da im ORF schildert, wird am Samstag geplagte Anwohner auf die A13 treiben.
Von 11.00 bis 19.00 Uhr soll die Transitstraße, auf der sonst 2.000 motorisierte Fahrzeuge pro Stunde, also bis zu 46.000 Autos und Lkws pro Tag durch Tirol brettern, dicht sein. Komplett dicht.
Die Brennerautobahn ist eine der wichtigsten Verkehrsrouten auf der europäischen Nord-Süd-Achse. Für den Warenverkehr zwischen Italien und Deutschland. Und für die deutschen Urlauber. Deutsche Medien waren deshalb ob der Ankündigung von Karl Mühlsteiger, dem Bürgermeister der 1.300-Seelen-Gemeinde Gries, der die als Kundgebung angemeldete Sperre organisiert hat, einigermaßen alarmiert.
Selbst das deutsche Auswärtige Amt sah sich noch am Freitag zu einem Reisehinweis veranlasst und riet dazu, Tirol weiträumig zu umfahren oder Reisezeiten anzupassen.
Aber geht das überhaupt so ohne Weiteres? Und was genau ist geplant? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie lange dauert die Sperre? Und welche Strecke(n) genau sind gesperrt?
Die Komplettblockade der A13 dauert am Samstag von 11.00 bis 19.00 Uhr. In der Zeit können keine Autos über die Brennerautobahn fahren. Das Wochenend-Fahrverbot für Lkws beginnt bereits um 9 Uhr. Aus Sicherheitsgründen werden neben der Sperre der A13 auch Umfahrungsrouten geschlossen. Konkret die Brennerstraße (B182) und die Ellbögener Straße (L38) für den gesamten Durchzugsverkehr. Der sogenannte Ziel- und Quellverkehr - von Urlaubern vor Ort oder eben Anrainern - ist von der Sperre der Landesstraßen (B182, L38, B183) nicht betroffen. Auch die Stubaitalstraße (B183) ist am Samstag nur für den Ziel- und Quellverkehr nutzbar. Dadurch soll verhindert werden, dass Verkehrsteilnehmer versuchen, über diese Route die Mautstelle Schönberg zu umgehen.
Tiroler Behörden - und zuletzt eben sogar das deutsche Auswärtige Amt - mahnen deshalb bereits seit Wochen, das Bundesland großräumig zu umfahren.
Womit rechnen Autofahrerclubs und Asfinag?
Die Demo fällt laut Asfinag-Prognose auf einen der „verkehrsstärksten Tage“, da in drei deutschen Bundesländern Pfingstferien sind; zudem findet in Innsbruck mit dem Bogenfest eine Großveranstaltung statt. Die Sperre der Brennerroute werde unweigerlich auf anderen Strecken spürbar, heißt es, auf der A9 in Oberösterreich und der Steiermark sowie der A10 in Salzburg. Bereits am Freitag kam es aufgrund Überlastung auf der Strecke zu 50 Minuten Verzögerung.
Wer genau ist von der Sperre betroffen?
Die Sperren betreffen den gesamten motorisierten Durchgangsverkehr. Also Autos, Wohnwägen, Busse, auch Motorräder, die auf dem Weg in den Süden oder zurück sind, können während dieser Zeit nicht über den Brenner fahren. Selbst Fahrradfahrer müssen mit Einschränkungen rechnen. Sie können die Brennerstraße im Abschnitt zwischen der Stefansbrücke und der Auffahrt Schönberg im Stubaital zwischen 11 und 19 Uhr nicht passieren.
Zudem gilt ab 9 Uhr ein Fahrverbot für Transit-Lkw über 7,5 Tonnen.
Wo kann man die Sperre umfahren?
Der Tipp der Asfinag an Kfz-Lenker aus dem Ausland ist deutlich: „Vermeiden Sie Reisen via Österreich an diesem Tag im Idealfall komplett“, hieß es im Vorfeld. Alternativrouten führen von Deutschland aus gesehen über den Reschenpass, das Timmelsjoch, den Gotthardtunnel und den San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz. Für das Timmelsjoch gelten Beschränkungen für Wohnmobile.
Die Tauernroute über Salzburg ist schon an normalen Reisetagen ebenfalls staugeplagt, zudem plant Salzburg am Samstag Abfahrtssperren entlang der A10.
Eine echte Alternative bietet die Bahn. Die Züge zwischen Deutschland und Italien fahren regulär. Für die Strecke von Innsbruck bis nach Franzensfeste auf der italienischen Seite benötigt der Zug 80 Minuten. Wenn der Brenner Basistunnel 2032 nach über 20 Jahren Bauzeit eröffnet wird, sollen„s überhaupt nur noch 25 Minuten sein.
Können Urlauber ihr Geld bei einer Buchung zurückverlangen?
Ist das Urlaubsziel grundsätzlich erreichbar, also zum Beispiel auch mit der Bahn, hat man keinen Anspruch auf die Erstattung für den ausgefallenen Tag im Hotel oder in der Ferienunterkunft. Wer wegen der Brenner-Blockade einen Tag früher abreist oder einen Tag später als gebucht anreist, bleibt vermutlich auf den Kosten für die ungenutzte Nacht sitzen. Oder muss auf Kulanz von Vermieter oder Hotel angewiesen sein. “Einfach nachfragen“, rät der Spiegel. Bei Pauschalreisen ist die Anreise meist Teil eines Pauschalreisepakets. Für den entgangenen Urlaubstag könnten Betroffene - laut Spiegel - anteilig die Kosten zurückfordern.
Wieso darf auf so einer vielbefahrenen Straße überhaupt eine Demo stattfinden?
Die Brenner-Demo bei Matrei am Brenner war vom Grieser Bürgermeister Karl Mühlsteiger als Privatperson vor allem wegen der überbordenden Verkehrsbelastung beantragt worden. Sie war von der Bezirkshauptmannschaft zweimal nicht erlaubt worden. Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gab dann jedoch einer Beschwerde gegen den entsprechenden Bescheid wegen Rechtswidrigkeit bzw. Verletzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit statt. Daraufhin wurde die Demonstration von der Behörde nicht untersagt.
Mühlsteiger und seine Amtskollegen aus dem Wipptal übergaben der Tiroler Landespolitik einen Forderungskatalog. Darin verlangen sie unter anderem einen modernen Lärmschutz und höhere Transitgebühren für Lastwagen, damit die Nutzung des Brenners für den Warentransport künftig weniger attraktiv werde.
Dass die Demo ausgerechnet an einem laut Asfinag so starken Reisetag wie dem Samstag stattfindet, kommentierte Mühlsteiger zuletzt nur trocken: „Wenn man nach der Asfinag geht, scheint es aber ohnehin, als würde es 365 Spitzenreisetage im Jahr geben.“
Die Daten
- Jährlich werden Güter im Wert von rund 90 Milliarden Euro über den Brenner transportiert.
- 73 Prozent davon über die Straße. Rund 2,5 Millionen Lkw sind dafür nötig.
- Seit 2010 hat der Lkw-Verkehr hier um rund 40 Prozent zugenommen.
- Seit Inbetriebnahme der Brennerautobahn in den Sechzigerjahren hat sich das Verkehrsaufkommen laut Asfinag fast versiebenfacht.
Die Demo
- Das Lkw-Wochenend-Fahrverbot beginnt um 9 Uhr.
- Die Sperre der A13 (inklusive Bundesstraße) zwischen Schönberg und Brenner dauert von 11 bis 19 Uhr.
- Rund dreieinhalb Stunden wird die Demo am 30. Mai dauern.
- Besonders betroffen sind rund 15.000 Bewohner und Bewohnerinnen des Wipptals. Viele leben in unmittelbarer Nähe von Autobahn und Bundesstraße. Sie sind im Alltag mit Lärm, Feinstaub und häufigen Staus auf allen Strecken konfrontiert.
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