Brandstiftung in Innsbrucker Kult-Lokal: Pächter vor Gericht
Einer der Angeklagten vor Gericht
Zusammenfassung
- Pächter und Helfer gestanden Brandstiftung und schweren Betrug nach Brand eines Innsbrucker Traditionsgasthauses im Juni.
- Motiv waren finanzielle Probleme, drohende Zwangsräumung und persönliche Belastungen; beide Angeklagten sitzen in U-Haft.
- Beim Brand wurden acht Bewohner gerettet, fünf davon mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.
Nach dem Brand eines Innsbrucker Traditionsgasthauses im Juni vergangenen Jahres haben sich der 37-jährige Pächter des Lokals sowie sein "Helfer" am Montag am Landesgericht Innsbruck in einem Schöffenprozess verantworten müssen.
Dem erstangeklagten "Helfer" wurde das Verbrechen der Brandstiftung zur Last gelegt, dem zweitangeklagten Pächter die Anstiftung sowie das Vergehen des schweren Betrugs. Beide bekannten sich zu Prozessbeginn schuldig.
Er sei "wegen etwas sehr Schrecklichem hier", sagte der Erstangeklagte bei seiner Einvernahme sichtlich emotional bewegt. Etwas anders "als sich absolut schuldig zu bekennen", sei somit für ihn nicht denkbar, fügte der 44-jährige Bulgare hinzu.
"Aus Solidarität"
Er habe damals unter anderem "finanzielle Probleme" gehabt und sich "aus Solidarität mit seinem langjährigen Freund" zur Tat hinreißen lassen. Dieser habe ihm dafür 5.000 Euro übergeben, um die Tat mit einer weiteren Person auszuführen, gab er vor Richterin Heide Maria Paul und den Schöffen zu Protokoll.
Der Zweitangeklagte wiederum führte an, dass ihn die drohende Zwangsräumung des Lokals seitens des Verpächters, seine Kokainsucht sowie finanzielle Nöte dazu getrieben hätten, die Brandstiftung zu beauftragen.
"Wollte es nicht wahrhaben"
"Es waren emotionale Momente und ich wollte es nicht wahrhaben, dass ich aus dem Lokal raus muss", meinte der ehemalige Gastronom, der wie der Erstangeklagte aktuell in Untersuchungshaft sitzt und ebenfalls aus Bulgarien stammt.
Der Pächter hatte die Tat im Vorfeld des Prozesses noch vehement bestritten - im Gegensatz zu seinem Landsmann. Drogensucht und diese Emotionen hätten jedenfalls im Juni dazu geführt, dass es schließlich "einfach passiert ist".
Er habe jedoch nicht gewollt, "dass jemand dabei zu Schaden kommt", auch sei kein Betrug seinerseits intendiert gewesen.
"Eine Fehlentscheidung"
"Das war schlicht eine Fehlentscheidung", meinte der 37-Jährige und räumte zugleich ein, seine Versicherung nach dem Brand mit einer Schadenssumme von 190.000 Euro behelligt zu haben. Beiden Angeklagten drohten im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.
Zwangsräumung drohte
Staatsanwältin Sabrina Tomisser hatte in ihrem Eröffnungsplädoyer die Tat sowie die Motivlage dahinter beleuchtet. Die öffentliche Anklägerin betonte dabei, dass es einen klaren zeitlichen Zusammenhang zwischen der angedrohten Zwangsräumung und dem Brand gebe. Ebenjene hätte wenige Tage vor dem gelegten Brand stattfinden sollen. "Zu dieser Räumung kam es aber aus bekannten Gründen nie", sagte sie. Auch bestehe eine Freundschaft zwischen dem Erstangeklagten und dem Zweitangeklagten. "Der Erstangeklagte war außerdem einige Monate Tellerwäscher im Lokal des Zweitangeklagten", erklärte Tomisser.
Die Verteidiger der beiden Angeklagten referierten schließlich die Tat-Beweggründe ihrer Mandanten "ohne diese jedoch zu entschuldigen", wie sie unisono betonten. "Es war der größte Fehler seines Lebens", führte der Verteidiger des Erstangeklagten, Alexander Huber, aus. Er habe sich schlicht "hinreißen lassen", unter anderem aufgrund seiner finanziellen Notlage.
"Eine menschliche Tragödie"
Der Verteidiger des Pächters, Markus Abwerzger, wiederum betonte, dass es sich bei dem Sachverhalt insgesamt "um eine menschliche Tragödie handelt". Sein Mandant, der das Lokal mehrere Jahre geführt habe, sei "sehr fleißig gewesen" und das Lokal auch "sehr gut gelaufen". Dann sei allerdings etwa "Corona gekommen" und schließlich habe "der Verpächter den Pachtvertrag gekündigt", berichtete der Rechtsanwalt von zunehmenden wirtschaftlichen Problemen. "Es war dann einfach alles viel zu viel für ihn", meinte Abwerzger vor dem Schöffengericht.
Bekanntes Lokal mit viel Prominenz
Der Brand im war damals mitten in der Nacht ausgebrochen, gewaltige Flammen schlugen in den Gastgarten im Innenhof. Acht Bewohner wurden aus den darüberliegenden Wohnungen geborgen. Fünf von ihnen, darunter zwei Kinder, wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in die Klinik eingeliefert.
Das Gasthaus unweit des Landhauses wurde über die Jahrzehnte auch ein beliebter Treffpunkt der Prominenz, vor allem aus dem politischen Bereich. Tirols legendärer, verstorbener Langzeitlandeshauptmann Eduard Wallnöfer (ÖVP) war etwa regelmäßig zu Gast. Auch Fußball-Trainer-Ikone Ernst Happel verkehrte dort während seiner Tiroler Zeit Ende der 1980er und Anfang der 1990er-Jahre gerne.
Urteil fiel rasch
Das Urteil im Schöffenverfahren fiel bereits Montagmittag: Jeweils 3,5 Jahre unbedingte Haft, nicht rechtskräftig.
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