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Matura in Hartberg: Erschummelte Noten von 20 Schülern trotzdem zulässig

Bildungsdirektion und Direktor beschließen gemeinsame Lösung; Schüler verschaffte sich online Zugang zu Schularbeitenaufgaben und leitete diese an andere weiter.
Mehrere Kartons liegen auf einem Rollwagen im Vordergrund, im Hintergrund sitzen Menschen an Tischen in einem hellen Raum.

Es ist ein Vorfall, der weiterhin hohe Wellen schlägt. Vor der schriftlichen Zentralmatura am BRG Hartberg in der Steiermark wurde bekannt, dass beim Abschluss des Schuljahres bei weitem nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Ein Schüler ist zu einem sogenannten Keylogger-Zugang gekommen - wie genau, ist bis dato ungeklärt. Das ermöglichte ihm einen Zugang zu einem digitalen Lehrer-Account des Gymnasiums, wo er Zugriff auf alle künftigen Prüfungsaufgaben erhielt.

Die Schularbeitenaufgaben von verschiedenen Fächern hat er daraufhin fotografiert und via Social Media an einige Mitschüler weitergeleitet. Als die Schulleitung unter Direktor Reinhard Pöllabauer den Betrug bemerkte, wurden die betroffenen Klassen zur Befragung gebeten. Mehr als 20 Schülerinnen und Schüler gaben dabei zu, die gestohlenen Daten verwendet zu haben.

Zeugnisse müssen ausgeteilt werden

Die Schule nimmt dazu öffentlich folgendermaßen Stellung: "Die Bildungsdirektion und die zuständigen Juristen teilten uns mit, dass schulrechtlich aufgrund der zeitlichen Vorgaben alle Noten Bestand haben und die Zeugnisse auszuteilen sind. Selbstverständlich halten wir uns an diese Vorgaben, möchten aber zum Ausdruck bringen, dass unser moralisches und persönliches Empfinden ein gänzlich anderes ist."

Die Bildungsdirektion erklärt, dass gemeinsam an einer guten Lösung gearbeitet wurde, um einen "Kollateralschaden vom gesamten Maturajahrgang abzuwenden." Die schriftliche Matura startet morgen, Dienstag, ob jener Schüler, der die Daten gestohlen hat, überhaupt antreten dürfe, war aus rechtlichen Gründen nicht zu erfahren. Nur so viel: Anzeige wurde bereits erstattet, mit strafrechtlichen Konsequenzen hat der Maturant auf jeden Fall zu rechnen.

Schulgebäude mit Flachdach und großen Fenstern an einem bewölkten Tag in Hartberg.

Die mündliche Matura steht kurz bevor.

Eltern, Schülerinnen und Schüler des BRG Hartberg sind aufgebracht über den Vorfall und wie damit umgegangen wurde. Sie machen ihrem Unmut in diversen Online-Foren Luft.

Die Schule reagiert darauf: "Allen, die auf ehrliche Weise ihren Jahresabschluss erhalten haben, möchten wir gratulieren, wohlwissend, dass sich viele aufgrund fehlender Konsequenzen unfair behandelt fühlen."

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