Handy- und Drogenschmuggel: Justizwachebeamtin vor Gericht

Eingang mit Aufschrift "Verhandlungssaal"
Die Frau soll zumindest Mobiltelefone, Cannabis und Kokain in die Grazer Karlau geschleust haben. Die Beschuldigte ist voll geständig.

Eine Justizwachebeamtin der Grazer Karlau hat sich am Montag wegen des Schmuggels von Mobiltelefonen, Drogen und anderen illegalen Gegenständen verantworten müssen. 

Die Frau soll von Mai 2022 bis Jänner 2024 zumindest 79 Handys und rund 500 Gramm Cannabiskraut sowie geringere Mengen Kokain in die Haftanstalt geschleust haben. Sie erhielt dafür Geld von Insassen, die die Schmuggelware großteils im Gefängnis weiterverkauften. Sie gestand zum Prozessauftakt alles.

Auch Ehemann angeklagt

Neben der zweifachen Mutter haben mehrere Häftlinge sowie auch ihr Ehemann auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Die Insassen, die teilweise in der Zwischenzeit schon wieder entlassen worden sind, sollen die Frau beauftragt haben, die Mobiltelefone samt Ladekabel hineinzuschmuggeln. 

Der Ehemann gab an, dass er vom gesamten Ausmaß nichts gewusst habe, aber er ahnte etwas und gestand auch, dass er zwei Mobiltelefone für den Schmuggel in Geschäften gekauft und dann seiner Frau weitergegeben hat. Außerdem habe er ihr den Tipp gegeben, die Handys samt Kabel in Frischhaltefolie zu wickeln und so in der Hose versteckt in die Anstalt zu bringen. Justizwachebeamte werden am Eingang im Gegensatz zu Besuchern nicht durchsucht.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft errechnete, dass die Justizwachebeamtin mehr als 41.000 Euro Gewinn mit dem Schmuggel erwirtschaftet haben dürfte. Wegen der bevorstehenden Hochzeit mit dem Mitangeklagten sowie einer eigenen Firmengründung habe sie das illegal erwirtschaftete Geld wohl gut gebrauchen können. Angeklagt ist der Missbrauch der Amtsgewalt sowie Suchtgifthandel.

"Habe mich gezwungen gefühlt"

Die Beschuldigte beteuerte vor Gericht, dass sie nie den Plan gehabt habe, in diesem Umfang zu schmuggeln. Je länger sich die Situation hingezogen habe, desto höher sei der Druck geworden, weiterzumachen. Immer mehr Häftlinge hätten gewusst, dass sie schmuggelt und sie damit zu immer weiteren Handlungen aufgefordert. Ein Insasse habe konkret nach ihren Kindern gefragt, und wie es ihnen gehe. Er wusste sogar deren Wohnort: "Ich habe mich dazu gezwungen gefühlt." Der Richter erwiderte: "Sie haben sich die Suppe aber selbst eingebrockt." "Ich weiß. Ich bereue es sehr. Mein ganzes Leben hat sich auf den Kopf gestellt", sagte sie unter Tränen. Ihren Mann nahm sie in Schutz. Er habe erst nach der Festnahme von der Vielzahl an Mobiltelefonen erfahren.

Der Großteil der mitangeklagten ehemaligen Häftlinge gestand, bei der Beamtin Mobiltelefone, Drogen, SIM-Karten oder auch Potenzmittel bestellt zu haben. Eine Vielzahl an Chat-Verläufen auf sichergestellten Handys und andere Beweise machten ein Leugnen sinnlos. 

Geständig war auch ein Komplize der Frau, der seinen Briefkasten als Übergabeort für Geld zur Verfügung gestellt hatte. Zudem belieferte er sie mit Cannabiskraut. Zwei der Angeklagten, sie sitzen immer noch wegen anderer Delikte in Haft, leugneten die Vorwürfe. Der Prozess ist für zwei weitere Tage anberaumt. Ein Urteil könnte am Donnerstag fallen.

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