Graz als Hotspot für Asiatische Tigermücke: Diese Maßnahmen sollen helfen
Eine asiatische Tigermücke.
Nach 2025 mit einem erfolgreichen Pilotprojekt will die Stadt Graz 2026 rund zehn Mal so viele sterile Tigermücken-Männchen aussetzen. Rund 150.000 Euro werden ausgegeben, um die Population in der Stadt, die als ein Hotspot in Österreich gilt, einzudämmen.
Hinzu kommen weitere, teils neue Maßnahmen wie etwa ein Pilotprojekt mit einem neuartigen Regeneinläufe-Deckel aus Kopenhagen. Das Um und Auf sei aber die Mithilfe der Bevölkerung, so Stadtrat Robert Krotzer (KPÖ).
"Unser Maßnahmenbündel kann nicht dick genug sein: Die Mithilfe der Bevölkerung ist entscheidend", sagte der für Gesundheit zuständige Politiker bei einem Pressegespräch am Dienstag. Eva Winter, Leiterin des Grazer Gesundheitsamts, unterstrich: "Die Asiatische Tigermücke fühlt sich hier sehr wohl." Daher müssen Maßnahmen getroffen werden, damit sie sich nicht ungehemmt ausbreitet.
Pilotprojekt mit dänischem ZikaSeal
Seit den ersten Meldungen 2021 hätten sich die Experten in der steirischen Landeshauptstadt viel Wissen angeeignet, viel ausprobiert und teilen nun auch das Wissen mit anderen. Anfragen kommen etwa aus Deutschland und der Slowakei, so Winter. Erwin Wieser, städtischer Infektionsschutz-Experte, könne mittlerweile mehrfach als Referent ausgeliehen werden, um andernorts Vorträge über Maßnahmen gegen die Tigermücke abzuhalten.
Auch die Universität Kopenhagen wurde auf Graz aufmerksam und trat für ein Pilotprojekt an die Steirer heran. Die Dänen haben ein neuartiges Verschlusssystem für Regeneinläufe entwickelt. Das sogenannte ZikaSeal verschließt den Abfluss und öffnet sich nur, wenn genug Wasserdruck die magnetischen Silikonverschlüsse aufpresst. Das Wasser verschwindet danach unter dem Deckel und die Tigermücken können ihre Eier nicht darin ablegen. Die Stadt will in den kommenden Monaten rund 50 Stück in ein oder zwei Straßenzügen testen.
Bis zu acht Millionen sterile Mücken sollen freigelassen werden
Zudem sollen professionelle Mückenfallen in mehreren Kindergärten probeweise aufgestellt werden, um den Nachwuchs vor den Plagegeistern zu schützen. Die begleitende Datenerfassung erfolge in Kooperation mit der Abteilung für Bildung und Integration. Könne der Sinn der Fallen erhoben werden, so will die Stadt deren Anwendung auch für Schulen weiterempfehlen, die solche Vorrichtungen selbstständig anschaffen könnten, schilderte Wieser.
Mücken werden aus Italien geliefert
Nach dem Erfolg im Vorjahr werden auch wieder sterile und nicht stechende Tigermücken-Männchen ausgesetzt, damit diese sich mit den Weibchen paaren und daraus unbefruchtete Eier entstehen, aus denen keine überlebensfähigen Larven wachsen. Sechs bis acht Millionen dieser sterilen Mücken will die Stadt 2026 in ausgewählten Regionen freilassen. Wo und wann das genau passiert, werde wie schon im Vorjahr die zur Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) gehörende Forschungseinrichtung im niederösterreichischen Seibersdorf empfehlen. Die Mücken will die Stadt am freien Markt kaufen, da in Seibersdorf nicht genug bestrahlt werden können. Laut Winter gibt es beispielsweise nahe Bologna eine Firma, die die Mücken relativ kurzfristig nach Graz liefern könnte.
"Unser Maßnahmenbündel kann nicht dick genug sein: Die Mithilfe der Bevölkerung ist entscheidend."
Wie schon im Vorjahr werden weiterhin Vorträge über Schutzmaßnahmen in Heimgärten und Schulen abgehalten. Kinder hätten sich als wahre Tigermücken-Detektive entpuppt und dienen als Multiplikatoren für die Bekämpfung der lästigen Insekten auf Balkonen und in Gärten. Weiters wird auch biologisches Larvizid verwendet, um nach Regenfällen bei Abflussschächten Larven zu vernichten. Krotzer betonte, dass in Graz keine chemischen Mittel und keine Pestizide verwendet werden. Weitere Maßnahmen, Tipps und Ratschläge können auch in der neu aufgelegten Broschüre zum Tigermückenmanagement nachgelesen werden.
Erster Nachweis des Dengue-Virus in Tigermücke nördlich der Alpen
Die ursprünglich aus den Tropen stammende Asiatische Tigermücke gilt als mögliche Überträgerin von über 20 verschiedenen Krankheitserregern - darunter Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Viren. Die Ausbreitung der Insekten wird vor allem durch die Temperaturen im Winter bestimmt. Die Klimaerwärmung hat in Europa die Etablierung von Populationen in immer nördlicheren Gebieten ermöglicht - vor allem in Städten, wo es meist deutlich wärmer als im Umland ist. In Städten wie etwa Triest wurde nach Fällen von Dengue-Fieber auch schon großflächig Gift gegen Stechmücken ausgebracht.
Das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt hat übrigens am Dienstag bekannt gegeben, dass bei einer Untersuchung gefangener Tigermücken erstmals das Dengue-Virus nachgewiesen wurde. Dies stellt den ersten publizierten Nachweis dieses Virus in Stechmücken nördlich der Alpen dar, wie das Schweizer Kantonslabor mitteilte.
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