Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Eugen Gross: 93-jähriger Grazer Architekt promoviert an TU

Mit 90 schrieb er sich an der TU Graz ein, studierte in Mindestzeit und holte sich nun seinen Doktortitel ab: Architekt Eugen Gross schreibt Geschichte.
Eugen Gross

Mit 93 Jahren hat sich am Freitag ein Student der TU Graz seinen Doktortitel abgeholt. Es handelt sich dabei um den Grazer Architekten Eugen Gross, einen der Architekten der legendären Grazer Terrassenhaussiedlung im Osten der steirischen Landeshauptstadt. An der TU Graz ist er der älteste Doktorand, der ein Doktoratsstudium abgeschlossen hat - und wohl auch österreichweit, wie die TU Graz erhoben hat.

Sein Doktoratsstudium hat der Grazer Architekt, Architekturtheoretiker, Autor und Hochschullehrer Eugen Gross im Wintersemester 2023 gestartet - im stolzen Alter von 90 Jahren. Nach nur sechs Semestern hat er es in Mindestzeit absolviert und das Rigorosum mit Auszeichnung bestanden. Mit seinen nunmehr 93 Jahren ist Gross laut Wissenschaftsministerium der älteste österreichweit dokumentierte Promovend zumindest seit dem Jahr 2000. Für frühere Zeiträume liegen keine vollständig auswertbaren Daten vor.

Gross ist Mitbegründer der „Werkgruppe Graz“

Bereits mit 26 Jahren hatte Gross gemeinsam mit Friedrich Groß-Rannsbach, Werner Hollomey und Hermann Pichler die Architekten-Arbeitsgemeinschaft „Werkgruppe Graz“ gegründet. Das war sogar noch ein Jahr bevor er sein Studium an der damaligen Technischen Hochschule in Graz als Diplomingenieur abgeschlossen hat.

Eugen Gross

93 Jahre und ein Doktortitel: Eduard Gross holte sich seinen Doktortitel an der TU Graz ab. 

Mit der „Werkgruppe“ hat Gross zahlreiche wichtige Bauwerke der österreichischen Nachkriegsmoderne geplant - zu den bekanntesten der rund 100 Projekte zählen die Terrassenhaussiedlung in Graz, das Studentenhaus Hafnerriegel, das Studentenhaus Sonnenfelsplatz, die Erste Chirurgische Universitätsklinik am LKH Graz oder auch das Druckzentrum der Styria in Graz-Messendorf. Besonders die 1965 entworfene und 1972-1978 ausgeführte Terrassenhaussiedlung erlangte internationale Aufmerksamkeit und gilt heute als herausragendes Beispiel für den Wohnungsbau der 1970er-Jahre und zugleich als Ikone des österreichischen Brutalismus.

Terrassenhaussiedlung wurde zur Doktorarbeit

Und just um diese Großwohnanlage in Graz-St. Peter ging es nun auch in der vorgelegten Doktorarbeit „ARCHAEA URBANA - Die städtebauliche Utopie als virtuelle Stadtgründung, dargestellt an der Wechselwirkung von Insel und Struktur“ von Eugen Gross.

Mehr als 60 Berufspraxis

„Auch mit 93 Jahren möchte ich einen Beitrag zur wissenschaftlichen Entwicklung leisten und die Erfahrungen aus mehr als 60 Jahren Berufspraxis als Architekt in die Diskussion über Architektur einbringen“, begründete Gross die intensive theoretische Vertiefung nach Jahrzehnten praktischer Arbeit. „Sein Lebensweg zeigt eindrucksvoll, dass wissenschaftliche Neugier, Kreativität und der Wille zur Erkenntnis keine Altersgrenzen kennen“, so Rektor Horst Bischof anerkennend.

Gross wurde am 31. Mai 1933 in Ostschlesien geboren. Er kam 1945 nach Österreich und studierte Architektur in Graz bei Friedrich Zotter und in Salzburg bei Konrad Wachsmann. Er wurde Assistent an der Technischen Hochschule Graz bei Hubert Hoffmann und war Gastprofessor an der Washington University in St. Louis, USA und widmete sich viele Jahre lang der Lehre und Forschung an der TU Graz wie auch an der Grazer Ortweinschule.

Kommentare