Nach Hilfe für Kollegin: Grazer droht Prozess in der Ukraine
Daniel Kollnig (Hintergrund) mit Lisa Rücker und Wolfgang Kühnelt
Zusammenfassung
- Ein Grazer Informatiker steht in der Ukraine wegen versuchter Kindesentführung vor Gericht, nachdem er einer Kollegin helfen wollte, ihre Tochter zurück nach Österreich zu holen.
- Trotz vorliegendem Sorgerechtsurteil wurde er nach einer gemeinsamen Aktion mit der Mutter festgenommen und darf die Ukraine nicht verlassen; ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft.
- Österreichische Behörden ermitteln ebenfalls gegen ihn. Er hofft auf öffentliche Hilfe und eine mögliche Auslieferung.
Seit 6. Jänner sitzt ein Steirer in der Ukraine fest, er steht unter Hausarrest: Daniel Kollnig wollte einer Arbeitskollegin helfen - und wurde verhaftet.
Ex-Mann verschwand mit Tochter
Die Ukrainerin - sie kam 2022 mit der damals siebenjährigen Tochter nach Österreich - versuchte, ihr Kind zurück nach Graz zu holen: Obwohl sie ein vom ukrainischen Höchstgericht bestätigtes alleiniges Sorgerecht für das Mädchen besitzt, brachte es der Vater nach einem Urlaub nicht mehr zurück zu seiner Ex-Frau. Er nahm das Kind mit in die Ukraine.
Nachdem die Versuche, die Tochter mit Hilfe der ukrainischen Behörden wieder zurückzubekommen, scheiterten, machten sich Kollnig und die betroffene Mutter selbst auf die Suche nach der mittlerweile Elfjährigen.
Von der Polizei gestoppt
Tatsächlich entdeckten sie sie vor dem Hotel in Lwiw, in dem sie mit dem Vater Urlaub machte: "Wir haben sie ins Auto gesetzt, sind zu dritt weg", erinnert sich Kollnig. "40 Minuten später hat uns die Polizei aufgehalten."
Der Informatiker aus Graz wurde festgenommen, kam für zwei Tage in Haft und wurde letztlich unter Auflagen freigelassen: Er darf die Ukraine nicht verlassen, sein Pass wurde ihm abgenommen. Nun wartet ein Prozess wegen des Verdachts der Kindesentführung auf ihn, die Anklage ist bereits fertig. Strafdrohung: bis zu fünf Jahre Haft.
Helfer braucht selbst Hilfe
Kollnig meldet sich am Montag mittels Videokonferenz aus dem Hotel in einem Ort in der Westukraine. Unterstützt von Freunden in Graz - der ehemaligen Vizebürgermeisterin Lisa Rücker und Wolfgang Kühnelt - hofft er, dass mehr öffentliche Unterstützung dazu führt, dass er die Ukraine verlassen darf und die Anklage fallen gelassen wird.
"Wir haben alle Dokumente vorgelegt, auch die vom Höchstgericht", beschreibt Kollnig. Doch die Staatsanwaltschaft blieb dabei, es handle sich um versuchte Entführung.
Keine Auslieferung nach Österreich
Mittlerweile ermittelt auch die österreichische Justiz gegen ihn. Eigentlich ein Pluspunkt, wie Kollnig befindet, denn: Als österreichischer Staatsbürger müsste er dann eigentlich ausgeliefert werden. Und könnte zumindest die Ukraine so verlassen. "Das habe ich sogar selbst angeregt. Aber das Justizministerium hat sich dagegen entschieden."
Montagnachmittag findet die nächste Anhörung in der Ukraine statt; die Chancen, dass die Anklage fallen gelassen werde, beziffert Kollnig mit höchstens zehn Prozent. Von den österreichischen Behörden habe er "bisher eher wenig wirksame Unterstützung erhalten", merkt er an.
"Alles sehr fordernd"
Generell sei die Situation für ihn, der nur helfen wollte, schwer. "Das ist jetzt schon ein sehr langer Zeitraum. In der Ukraine herrscht Krieg, auch wenn es hier im Westen vielleicht etwas ruhiger ist", schildert er. "Aber der Winter war sehr kalt, es gab oft Stromausfälle. Mental und emotional ist das auch alles sehr fordernd."
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