Schärferes Vorgehen gegen Wolf in Salzburg

Schärferes Vorgehen gegen Wolf in Salzburg
Die Gesetzesnovelle geht in Begutachtung. Nutztier-Risse sollen in Zukunft keine Voraussetzung mehr für Abschuss sein.

Die schwarz-blaue Salzburger Landesregierung verschärft erneut ihr Vorgehen gegen den Wolf.

Mit einer Novelle des Jagdgesetzes noch vor Beginn der Almsaison im Mai soll die Tötung von Tieren erleichtert werden. Bisher musste ein Wolf für einen Abschuss als "Problemwolf" einen gewissen Schaden angerichtet haben. In Zukunft sollen Risse von Nutztieren keine Voraussetzung mehr für eine "Entnahme" sein. Neu eingeführt wird die Kategorie des "Risikotiers."

"Das sind Wölfe, die sich regelmäßig in Siedlungsnähe aufhalten, die die Scheu vor Menschen und Hunden verlieren oder die sich aggressiv verhalten", erklärte die zuständige Landeshauptmannstellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) am Montag. Die Beurteilung, ob es sich um einen Risikowolf handelt oder nicht, nehme dabei der Wolfsbeauftragte des Landes vor.

Landtagsbeschluss

Die Gesetzesnovelle geht in den kommenden Tagen in Begutachtung und soll nach Plan Ende April im Landtag beschlossen werden. Mit der Änderung sollen gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer auch Weideschutzzonen auf Almen oder in alpinen Regionen ausgewiesen werden, in denen der Abschuss von Wölfen vereinfacht wird. "Da in diesen Bereichen kein Herdenschutz möglich ist", sagte Svazek. Dies solle ebenfalls gesetzlich verankert werden.

Schutzzäune hält Svazek nur für Betriebe in Siedlungsnähe möglich. Eine vollständige oder teilweise Umzäunung von Almen im hochalpinen Gelände sei nicht verhältnismäßig und meist nicht umsetzbar. Auch ÖVP-Agrarlandesrat Josef Schwaiger betonte am Montag, dass es in Salzburg rund 300 Almen gebe, auf denen Schafe und Ziegen aufgetrieben werden. "Man würde 450 Hirten benötigen und zwischen zwei und sieben Herdenschutzhunde pro Alm. Die jährlichen Kosten dafür würden rund 21 Millionen Euro betragen", rechnete er vor.

Streng geschützte Wölfe

Das Land Salzburg ringt seit Jahren um eine Strategie im Umgang mit den EU-rechtlich streng geschützten Wölfen. Nach einem verhältnismäßig ereignislosen Jahr 2022 wurden 2023 im Bundesland rund fünf Dutzend tote und verletzte Nutztiere durch Wolfsrisse dokumentiert. Dabei soll alleine eine Wölfin mehr als 30 Schafe und Lämmer getötet haben. Das Land reagierte in der Folge mit einer eigenen Problemwolf-Verordnung, die Wölfin wurde eine Woche später von einem Jäger im Hochköniggebiet erschossen.

Weidetierhaltung

Tier- und Naturschutzorganisationen haben das Vorgehen des Landes wiederholt scharf kritisiert. Sie halten ernsthaften Herdenschutz sehr wohl für möglich. Auch mit Verordnungen würden Abschüsse EU-rechtswidrig bleiben. "Und sie lösen das Problem der Weidetierhalter auch nicht", erklärte der Verhaltensforscher und Biologe Kurt Kotrschal kürzlich.

"Für jeden getöteten Wolf wandern aus den immer stärkeren Populationen in den Nachbarländern weitere Wölfe zu." Zudem übertreffe der ökologische und ökonomische Nutzen der Wölfe den von ihnen an Weidetieren verursachten Schaden bei weitem - weil sie Wildbestände gesund halten und durch die Regulierung von Schalenwild auch einen naturnahen und klimafitten Wald fördern.

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