Lawinenunglück in Salzburg: "Ein Restrisiko bleibt immer"

Ein Quad mit Ketten und ein Polizei-Hubschrauber vom Typ OE-BXN stehen vor einer verschneiten Berglandschaft.
Der Alpenverein gab weitere Details über das Lawinenunglück mit vier Todesopfern bekannt - und bittet gleichzeitig um Zurückhaltung bei Bewertungen.

Zusammenfassung

  • Bei einem Lawinenabgang am Großarl kamen vier erfahrene Tourengeher ums Leben, drei weitere wurden gerettet.
  • Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt gegen die Bergführerin wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, was als Standardverfahren gilt.
  • Der Alpenverein bittet um Zurückhaltung bei Bewertungen und betont, dass trotz Erfahrung und Vorbereitung ein Restrisiko bleibt.

Nach dem Lawinenabgang am Großarl mit vier Todesopfern am Wochenende meldete sich der Österreichische Alpenverein Dienstagabend mit einer Zusammenfassung der tragischen Ereignisse. Die Opfer des Unglücks waren Mitglieder des Vereins, die im Salzburger Pongau einen Weiterbildungskurs machen wollten und von einer Berg- und Skiführerin begleitet wurden.

"Von voreiliger Kritik absehen"

"Wir sind dabei, das Geschehene aufzuarbeiten und genau zu erheben, wie es dazu gekommen ist", betonte Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport - und bat gleichzeitig auch um Zurückhaltung: "Wir möchten dafür plädieren, das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten und von voreiligen Beurteilungen oder Kritiken abzusehen."

Demnach befanden sich die sieben Tourengeher am Samstag beim Aufstieg Richtung Throneck (2.214 Meter) im untersten Abschnitt des Gipfelhangs, als sich im oberen Bereich eine 120 bis 150 Meter breite Schneebrettlawine löste. Sie erfasste die gesamte Gruppe.

Lawine: Ein Mann befreite sich selbständig

Alle Personen wurden verschüttet; ein Mann konnte sich selbstständig und unverletzt aus den Schneemassen befreien. "Er begann umgehend mit der Kameradenrettung und setzte die Rettungskette in Gang", hieß es vom Alpenverein. Für vier Menschen  - zwei Männer aus Tirol (63 und 65 Jahre), ein Mann aus Oberösterreich (53 Jahre) und eine Frau aus der Steiermark (63 Jahre) - gab es keine Rettung mehr. Zwei weitere Personen, unter ihnen die Bergführerin, wurden leicht verletzt geborgen.

Alle Beteiligten seien erfahrene Tourengeher gewesen, die mit entsprechender Notfallausrüstung unterwegs waren, versicherte Randl. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte im Bereich der Unfallstelle Lawinenwarnstufe 2, mäßige Gefahr.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat am Montag Ermittlungen gegen die Bergführerin wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Ein Sachverständiger wurde beauftragt, zu prüfen. Das sei aber "üblich bei Unfällen mit Personenbeteiligung im alpinen Gelände" und ein "Standardablauf", erinnert Randl.

"Dieses Unglück macht uns als Alpenvereinsfamilie zutiefst betroffen. Wir werden alles daransetzen, die Umstände umfassend aufzuklären“, versicherte auch Alpenvereinspräsident Wolfgang Schnabl

"Restrisiko bleibt"

Aber "ein Restrisiko", das sich nicht kontrollieren lasse, bleibe immer, bedauert Schnabl: "Wir müssen uns eingestehen, dass trotz aller Erfahrung, bester Vorbereitung und höchstem Ausbildungsstandard solche Ereignisse nicht vollständig auszuschließen sind."

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