Bundeskriminalamt zu Online-Betrugsfällen: "Sehr schwer", Geld zurückzubekommen

Betroffenen rät das Bundeskriminalamt dringend zur Anzeige. "Jede Anzeige ist hilfreich", betonte Reinhard Nosofsky.
Cyberkriminalität

Ein professionell organisiertes Betrugsnetzwerk mit hunderten Arbeitsplätzen, gefälschten Promi-Videos und Millionen-Schäden: In der "ZiB2" war dazu Reinhard Nosofsky, Leiter der Ermittlungen zu Betrug und Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt, zu Gast.

Groß angelegt und organisiert

Die Ermittler stießen in Tirana auf ein überraschend großes Setup. "Wir waren aber doch überrascht, dass es in dieser Dimension war und auch so straff durchorganisiert war", sagte Nosofsky. Insgesamt habe man "450 Arbeitsplätze vor" gefunden, mit Call Agents, IT-Experten sowie Finanz- und Personalmanagern. Vor Ort seien rund 80 Personen tätig gewesen.

Warum schlechte Fake-Videos reichen

Trotz teils offensichtlicher Mängel bei den Deepfakes funktioniere der Betrug. "Ja, das schon, es ist offensichtlich nicht notwendig", erklärte Nosofsky auf die Frage, warum die Videos technisch so schlecht seien. Es reiche, "vertrauenswürdige Menschen aus der Öffentlichkeit" zu zeigen. Die Technik werde sich aber rasch verbessern, warnte er.

150 Opfer, hoher Schaden

In Österreich gebe es aktuell 150 bekannte Opfer mit einem durchschnittlichen Schaden von 170.000 Euro. Der Ablauf sei meist ähnlich: Fake-Inserat auf Social Media, Dateneingabe, Anruf durch Call Agents. Zunächst würden kleine Beträge wie 250 Euro investiert, später immer mehr.

Plattformen und Gesetzeslücken

Aber auch Facebook und Co. würden von den Werbungen der Betrüger profitieren. Gegen die großen Plattformen gebe es derzeit kaum Handhabe. "Momentan haben wir keine andere Möglichkeit", sagte Nosofsky. Nach geltendem Recht könnten Facebook oder YouTube nicht verfolgt werden, selbst wenn dort betrügerische Werbung verbreitet werde. Nötig wäre eine gesetzliche Verpflichtung zur strengeren Prüfung.

Anzeige dringend empfohlen

Betroffenen rät das Bundeskriminalamt dringend zur Anzeige. "Jede Anzeige ist hilfreich", betonte Nosofsky. Die Chance, Geld zurückzubekommen, sei jedoch gering. "Sehr schwer, wenn ich ganz ehrlich bin." In Tirana seien rund 900.000 Euro sichergestellt worden, weitere Millionen seien vermutlich bereits gewaschen.

Kommentare