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Chronik Österreich
05/04/2019

Vor der Welterbe-Tagung: Blümel macht UNESCO in Paris den Hof

Bei der Jahrestagung Ende Juni in Baku, Aserbaidschan, wird gleich über drei österreichische Projekte entschieden.

Kann sich eine Welterbestätte, die auf die rote Liste gesetzt wurde, negativ auf andere Welterbestätten derselben Nation auswirken?

Konkret hat man in Österreich die Sorge, dass die aktuelle Diskussion rund um die Stätte Historisches Zentrum von Wien (Stichwort: Geplanter 66-Meter-Wohnturm am Heumarkt) zwei Neueinreichungen gefährden könnte.

Zwei neue Einreichungen

Bei der UNESCO-Welterbekomitee-Sitzung, die von 30. Juni bis 10. Juli in Baku, Aserbaidschan, stattfindet, stehen nämlich sowohl die Großglockner Hochalpenstraße als auch der Donaulimes (als ehemalige Grenze des Römischen Reiches von Bayern über Österreich bis in die Slowakei und nach Ungarn) auf der Liste für neue UNESCO-Welterbestätten.

Aus diesem Grund nutzte Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) seinen Paris-Besuch am Freitag – er war für ein Ministertreffen anlässlich des Notre-Dame-Aufbaus angereist – , um Mechtild Rössler, die Direktorin des Welterbezentrums, am Place de Fontenoy zu besuchen.

Erster Besuch

Versprechen konnte Rössler bei dem Treffen zwar nichts: „Die Entscheidung treffe nicht ich, sondern das Komitee, und ich interveniere nicht.“ Trotzdem gab sich Blümel danach zuversichtlich. Es war der erste Besuch eines österreichischen Kulturministers im UNESCO-Zentrum seit Jahren. Man habe damit erneut die Bereitschaft signalisiert, zusammenarbeiten zu wollen.

Rössler hat im Gespräch zudem durchklingen lassen, dass die UNESCO bei Wien wohl keine Milde zeigen wird.

Zur Erinnerung: Bereits vor sieben Jahren warnte die UNESCO, dass das geplante Hochhaus am Heumarkt aufgrund seiner Masse und seines mittlerweile 66 Meter hohen Turms den Welterbetitel gefährdet. Die UNESCO fordert seitdem, die Höhe von 43 Metern einzuhalten. Doch die Stadt trieb das Projekt weiter voran, und gab 2017 im Gemeinderat grünes Licht.

Daraufhin setzte die UNESCO Wien auf die rote Liste und sprach damit eine Verwarnung aus. Seitdem gab es viele Versprechen aus Wien, das Welterbe halten zu wollen, aber wenig konkrete Zugeständnisse. Nun soll etwa ein Managementplan erstellt werden.

Der UNESCO wird das kaum reichen, die Verwarnung zurückzunehmen. Noch dazu, da derzeit ähnliche Diskussionen in Prag und Budapest aufkommen und Wien quasi zur Fallstudie geworden ist.

Umweltverträglichkeitsprüfung

Nun gilt es zwar erst einmal die Umweltverträglichkeitsprüfung abzuwarten. Sollte die Stadt das Projekt danach in der aktuellen Form nicht verhindern, werde Blümel eine Weisung aussprechen. Wird darauf nicht reagiert, schließt er auch eine Verfassungsklage nicht aus.