Chronik | Österreich
04.06.2018

Vom Siegerpodest an die Parteispitze

Ex-Snowboarderin Marion Kreiner übernimmt nach 14 Monaten in der Politik Geschäftsführung der ÖVP-Graz.

„Ich bin ja nur Bürgermeister. Sie ist Weltmeisterin“, gibt sich Siegfried Nagl ganz bescheiden. „Sie wird uns ein Trainingsprogramm schaffen, bei dem wir ins Schwitzen kommen werden. Und das ist gut so.“ Damit meint der ÖVP-Stadtchef weniger den sportlichen Einsatz Marion Kreiners, sondern deren politisches Engagement: Die ehemalige Profisportlerin wird neue Geschäftsführerin der Grazer Volkspartei.

Das ist ein flotter Aufstieg der 37-Jährigen nach nur 14 Monaten in der Kommunalpolitik. Kreiner, Snowboardweltmeisterin 2009 und Olympia-Dritte 2010, wechselte erst bei den Gemeinderatswahlen im Vorjahr das Fach und ist seither Gemeinderätin.

„Als Quereinsteigerin bringe ich eine offene Sichtweise mit und bin unvoreingenommen“, beschreibt Kreiner ihren Zugang zum politischen Geschäft. „Ich will hier das Beste herausholen wie beim Leistungssport.“ Neue Themen einbringen wolle sie, betont Kreiner. Exakte Beispiele außer Schlagworte wie „Verkehr“ fallen ihr am Montag bei ihrer Präsentation noch nicht wirklich ein.

Auch Politiker und Parteien müssten regelmäßig schauen, was sie anders machen könnten, begründet Nagl die Kür Kreiners. „Es ist notwendig, Menschen in die Partei zu holen, die schon etwas geleistet haben.“ Im Parteivorstand bekam sie einstimmiges Wohlwollen der schwarzen Funktionäre, obwohl so eine Abstimmung gar nicht nötig gewesen wäre: Den Geschäftsführer kann der Parteiobmann selbst installieren. Kreiner ist somit Nachfolgerin Bernd Schöneggers, der im Zuge der Telekom-Affäre angeklagt und freigesprochen wurde.

In den nächsten Wochen plane sie eine Bezirkstour, kündigte Kreiner an. Es sei ihr wichtig, die interne Kommunikation in der Grazer VP zu verbessern. Dass eine Ex-Spitzensportlerin und Ex-Olympionikin ausgerechnet in der Zeit der Grazer Bewegung für „ Olympia 2026“ VP-Geschäftsführerin wird, ist wohl kein Zufall. „Sie hat gesagt, sie möchte sich da einbringen“, begründet Nagl.