Landesgericht Linz.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Chronik Österreich
09/24/2020

Viereinhalb Jahre für Juwelierüberfall in Linz

Russe wird „St. Petersburger Ring“ zugerechnet. Das Urteil ist rechtskräftig.

Elf Jahre nach einem Überfall auf ein Linzer Juweliergeschäft hat ein 52-Jähriger aus der Russischen Föderation am Donnerstag eine Zusatzstrafe von vier Jahren und sechs Monaten ausgefasst. Ein Komplize ist bereits 2015 verurteilt worden, ein weiterer noch auf der Flucht. Sie alle werden dem „St. Petersburger Ring“ zugeordnet. Bei dem Coup am 11. Dezember 2009 waren über 300.000 Euro erbeutet und die Opfer mit Kabelbindern gefesselt worden. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Angeklagte, der in seinem Leben bereits viele Jahre in Russland in Gefängnissen verbracht hat, wurde zuletzt auch in der Schweiz wegen zweier Juwelierüberfälle mit jeweils zwischen ein und zwei Millionen Schweizer Franken Beute zu fünfeinhalb Jahren verurteilt. Vor einigen Monaten wurde er in Finnland festgenommen und nach Österreich ausgeliefert.

Im Militär-Look

Am 11. Dezember 2009 kurz vor 13.00 Uhr betraten drei im Militär-Look gekleidete Männer das Geschäft in der Linzer Innenstadt, in dem zu diesem Zeitpunkt drei Mitarbeiter und ein Vertreter waren. Ein Täter bedrohte diese mit einer Spielzeugwaffe, der Angeklagte mit einem langen Militärmesser. Sie erzwangen so die Herausgabe von Markenuhren und Schmuck. Die Beute stopften sie in Rucksäcke, anschließend fesselten sie die Opfer mit Kabelbindern und flüchteten mit Preziosen im Wert von 327.000 Euro sowie 8.800 Euro Bargeld.

Laut Anklage gehören die Täter dem „St. Petersburger Ring“ an, eine in dieser Stadt ansässige kriminelle Vereinigung, auf deren Konto Juwelierüberfälle in ganz Europa, vor allem der Schweiz, gehen. Staatsanwalt Reinhard Steiner rechnet sie daher „der Oberklasse des organisierten Verbrechens“ zu.

Der Angeklagte und seine Komplizen würden zu den sogenannten Brigaden - also der ausführenden Fraktion - zählen. Alleine, dass einer der Schweizer Überfälle in genau der gleichen Besetzung und nach dem selben Muster wie jener in Linz abgelaufen sei, spreche für eine organisierte Struktur, so der Staatsanwalt. Auch habe der nun Angeklagte offenbar den Großteil der Beute abliefern müssen, denn er habe zuletzt als Dachdecker gearbeitet.

"Kenne nicht alle Auftraggeber"

Der Angeklagte, der durch DNA-Spuren auf den Kabelbindern sowie durch Aussagen seines bereits verurteilten Komplizen und der Opfer belastet wird, gab die Tat zu. Er will das Messer aber nur dabeigehabt haben „um die Vitrinen zu öffnen“. Er sprach zwar von einem Auftraggeber, Details zu den übergeordneten Strukturen verriet der 52-Jährige allerdings kaum. Er habe gehört, dass einer der Hintermänner ein ehemaliger Geheimdienst-Mann sei. „Ich kenne nicht alle Auftraggeber. Vielleicht sitzen manche in der Regierung, woher soll ich das wissen?“

Zu seinem Motiv sagte der Angeklagte, er habe Schulden bei den Auftraggebern gehabt und aus Angst um seine Familie mitgemacht. Allerdings musste er nur die Uhren abliefern, einen teuren Diamantring und die 8.800 Euro aus der Kassenlade behielt er selbst. Den Ring schenkte er später seiner Frau. Gefragt, warum er dann das Bargeld und den Diamantring nicht zur Schuldentilgung verwendet habe, wenn er doch so Angst vor den Gläubigern hatte, meinte er: „Das hätte nicht gereicht. Und ich musste auch von etwas leben.“

Geständnis mildernd

Sein Verteidiger kritisierte zunächst, dass die Opfer nicht noch einmal vor Gericht geladen worden sind, denn deren bisherigen Aussagen hätten Unterschiede hinsichtlich Details des Ablaufs aufgewiesen. Angesichts des Geständnisses des 52-Jährigen, der behauptet, nach der Haft in der Schweiz geläutert zu sein, wurde allerdings auf die Befragung aller Zeugen - auch jene des verurteilten Komplizen - verzichtet.

Das Gericht verhängte bei einem Strafrahmen von bis zu 15 Jahren eine Zusatzstrafe von viereinhalb Jahren. Mildernd wurden vor allem das Geständnis, sowie, dass er sich seit seiner letzten Haftentlassung vor einigen Jahren nichts mehr zuschulden kommen ließ, gewertet, erschwerend, dass es insgesamt - also inklusive der Schweizer Überfälle - drei Verbrechen mit recht hohem Beutewert waren sowie sein strafrechtlich relevantes Vorleben. Der Mann bedankte sich für „das milde Urteil“ und nahm die Strafe an, die Staatsanwaltschaft verzichtete ebenfalls auf Rechtsmittel.

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