Chronik | Österreich
29.09.2018

Tatortermittler Zoglmann: 2000 Leichen säumen seinen Weg

Erich Zoglmann revolutionierte als Chef der ersten Tatortgruppe Österreichs die Spurensicherung.

Es wäre Dienstagabend am Landesgericht Wiener Neustadt nicht zur Verurteilung des Mörders einer 70-jährigen Neunkirchnerin gekommen, wenn Tatortermittler an der Leiche des Opfers nicht die DNA-Spuren ihres Nachbarn sichergestellt hätten. Heutzutage sind Fingerabdrücke, Fußspuren, DNA-Profile, Ballistik oder Reifenspuranalysen aus der Kriminalarbeit nicht mehr wegzudenken. Ein Name der untrennbar mit der Spurensicherung in Österreich verbunden ist, ist Erich Zoglmann. Als vor genau 55 Jahren im Jahr 1963 die erste Tatortgruppe der österreichischen Gendarmerie in Niederösterreich ihren Dienst aufgenommen hat, war Zoglmann ihr Chef. Kein anderer hat die Tatortarbeit der Polizei so geprägt, wie der Vollblut-Kieberer, der in wenigen Tagen im Bezirk Baden seinen 90. Geburtstag feiert.

Gelächter der Medien

Trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch mit einem brillanten Gedächtnis ausgestattet, kann sich Zoglmann genau an die Anfänge des Erkennungsdienstes erinnern. Es war ein Beinahe-Desaster bei einem Mordprozess 1963, dass den Auslöser lieferte. Kriminalisten hatten an einem Tatort bei Mistelbach eine Reifenspur neben der ermordeten Lehrerin Grete Kraus nicht gesichert. Das Opfer war vergewaltigt und in einer Scheune abgelegt worden, die der Täter später in Brand steckte. „Die Verhandlung war ein Albtraum. Die Medien haben uns ausgelacht und der Täter wäre fast frei gegangen. Im zweiten Rechtsgang bekam er später lebenslang“, erzählt Zoglmann.

Die Schmach veranlasste die Gendarmeriegeneräle, die Mordkommission mit einer ständigen, speziell ausgebildeten Tatortgruppe zu verstärken. Zoglmann konnte als erster Chef seine Erfahrung aus der damaligen Erhebungsabteilung der Gendarmerie und prominenter Mordfälle miteinfließen lassen. Er war das jüngste Mitglied einer Sonderkommission, die den St. Pöltner Massenmörder Max Gufler überführte. Der Killer hatte mehrere Frauen vergiftet und bei zwei Raubüberfällen seine Opfer beinahe getötet. Gufler gestand nach tagelangen Verhören. „Mit der heutigen Arbeit ist das freilich alles nicht mehr zu vergleichen. Jetzt haben die Beamten ganz andere technische Möglichkeiten, um Tätern das Handwerk zu legen“, so Zoglmann. Früher habe man in erster Linie mit Geständnissen gearbeitet und diese nur noch mit Indizien untermauert. Heute ist es eher umgekehrt, die Sachbeweise stehen im Vordergrund.

Zoglmanns jahrzehntelange Arbeit hat die Tatortarbeit jedenfalls revolutioniert und bis heute in den Polizeistuben der Spurensicherer Bestand. „Das wichtigste hab ich mir von den guten alten Untersuchungsrichtern und den Gerichtsmedizinern abgeschaut“. Der Chefinspektor und sein Team haben bestimmte Abläufe an jedem Tatort standardisiert. In Protokoll-Mappen wird von der Temperatur angefangen jeder noch so kleine Hinweis protokolliert, beschrieben und für das Gericht auch mit Fotoaufnahmen dokumentiert. „Diese Formulare haben als Grundlage bis heute noch Bestand“, erklärt der aktuelle Leiter der nö. Tatortgruppe, Chefinspektor Wolfgang Ostermann.

500 Mordklärungen

Ob erstochen, erschossen, verbrannt oder stranguliert – in seiner beruflichen Laufbahn säumten an die 2000 Leichen Zoglmanns Weg. Zusammen mit Kollegen war er an knapp 500 Mordklärungen beteiligt.