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Höchste Offizierin des Heeres: „Müssen krisenfester werden“

Sylvia Sperandio ist die höchstrangige Offizierin des Bundesheeres und leitet das militärische Gesundheitswesen. Mit dem KURIER spricht sie über Corona-Lehren und neue Bedrohungen.
Sylvia Sperandio und Georg Härtinger

Generalmajor Sylvia Sperandio hat in der Armee Karriere gemacht und dabei zahlreiche Herausforderungen bewältigt. Im Interviewformat „Sicher. Niederösterreich“ des Militärkommandos NÖ, das in Kooperation mit dem KURIER stattfindet, spricht Sperandio über die Lehren aus der Corona-Pandemie, die Gesundheitsversorgung des Bundesheeres und darüber, warum sich Österreich noch besser auf Krisen vorbereiten muss.

Sperandio rückte 1998 beim Panzeraufklärungsbataillon in Mistelbach ein – als eine der ersten Frauen überhaupt, die zum Bundesheer konnten. Ihre Laufbahn führte sie über Auslandseinsätze, Katastrophenhilfe und die Leitung der Sanitätsanstalt Hörsching bis ins Verteidigungsministerium.

Krisenfeste Militärkrankenanstalten

Heute hat die Generalmajorin vor allem die Krisenfestigkeit im Blick. „Die Resilienz des Sanitätsdienstes hat Luft nach oben. Wir sind gerade dabei, im Rahmen des Aufbauplans 2032+ unsere Militärkrankenanstalten krisenfest zu machen und hochmobile Sanitätseinrichtungen zu entwickeln, die dorthin verlegt werden können, wo sie gebraucht werden“, sagt Sperandio.

Ein besonderes Anliegen ist der Medizinerin auch die Stellung, bei der jährlich rund 40.000 junge Männer untersucht werden. Dabei könnten gesundheitliche Probleme frühzeitig erkannt werden. Sperandio spricht sich im Gespräch dafür aus, vergleichbare Untersuchungen auch für Frauen in diesem Alter einzuführen. „Als Ärztin würde ich es ganz klar begrüßen. Gesundheit ist einer der Resilienzfaktoren überhaupt für einen Staat. Aber derzeit ist es leider nicht möglich, weil klarerweise das Wehrgesetz die Wehrpflicht für Männer vorsieht und unsere Infrastrukturen und Ressourcen darauf ausgelegt sind.“

„Die Pandemie X, wie wir sie nennen, ist nicht eine Frage des Ob, sondern des Wann.“ 

von Sylvia Sperandio

Generalmajorin

Tausende Untersuchungen

Laut Militärkommandant Georg Härtinger finden in der Stellungsstraße in der Hesserkaserne jährlich rund 10.000 Untersuchungen statt. „Jegliche Form oder Initiative, dass wir uns hier weiterentwickeln, begrüße ich sehr. Aber das ist im Wesentlichen mit zusätzlichem Personal und auch einem Ausbau der Infrastruktur verbunden“, betont der Brigadier.

Besonders eindringlich warnt Sperandio jedoch davor, die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zu vergessen. Sie beschäftigte sich bereits vor deren Ausbruch wissenschaftlich mit dem Thema. „Ich glaube, wir haben sehr viele Dinge gelernt. Wir haben diese Dinge auch evaluiert. Wir wissen, worauf es ankommt. Jetzt ginge es natürlich darum, diese ’Lessons Learned und Lessons Identified’ wirklich auch in die Krisenpläne hineinzubringen. Denn die Pandemie X, wie wir sie nennen, ist nicht eine Frage des Ob, sondern vielmehr eine Frage des Wann.“

Das Heer bereite sich aber nicht nur auf natürlich entstandene Pandemien vor, sondern auch auf biologische Bedrohungen terroristischen Ursprungs.

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