Spendensumme für SOS-Kinderdorf um mehr als 4 Millionen Euro eingebrochen

SOS Kinderdorf-Schild
2025 war die Summe um 14 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Seit Herbst sind über 100 Meldungen zu möglichen Verfehlungen eingelangt.

Die vorläufigen Spendeneinnahmen von SOS-Kinderdorf Österreich für das Vorjahr liegen 14 Prozent unter jenen von 2024. Das ist ein Rückgang um 4,2 Millionen Euro. 

Ab September waren zahlreiche alte Vorwürfe gegen Betreuer in heimischen Kinderdorf-Einrichtungen bekanntgeworden. Seither kamen 107 Meldungen über mögliche Kindeswohlgefährdungen und Kinderschutzverletzungen hinzu. Zudem gibt es eine neue Sonderuntersuchung am Standort Wien, teilte SOS-Kinderdorf am Donnerstag mit.

In der Spendenbilanz sind noch keine Verlassenschaftseinnahmen enthalten, hieß es in der Mitteilung. Die endgültige Bilanz dürfte daher weniger negativ ausfallen als nach den vorläufigen Zahlen. "Wir bedanken uns herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern, die weiterhin an der Seite der Kinder blieben und bleiben, sowie bei allen neuen Unterstützerinnen und Unterstützern, die sich gerade in dieser schwierigen Zeit bewusst für SOS-Kinderdorf entschieden haben", wurde betont.

Mehr als 100 Meldungen seit Herbst

Mit Stand 12. Jänner 2026 gab es 107 neue Meldungen über mögliche Kindeswohlgefährdung oder Kinderschutzverletzung. Die Meldungen langen über verschiedene Kanäle ein, müssen zunächst geprüft und eingeordnet werden und können sich quantitativ sowohl nach oben als auch nach unten verändern, erläuterte SOS-Kinderdorf. Darunter seien allgemeinere Beschwerden oder Beobachtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen. Weniger als die Hälfte dieser Meldungen stammt von Betroffenen, die übrigen kommen aus dem Umfeld.

In älteren Fällen hatte es von 2012 bis Dezember 2025 bereits zahlreiche Opferschutzverfahren gegeben. Das gesamte Verfahren wurde insgesamt 187 Mal durchlaufen. In 176 Fällen wurde den Antragstellern und Antragstellerinnen eine Entschädigungszahlung sowie Therapieeinheiten zugesprochen. In drei Fällen kam es ausschließlich zu Therapieeinheiten. In sieben Fällen war ein Clearing nach altem Verfahren noch ausständig und in einem Fall wurde keine Entschädigung zugesprochen. Diese Zahlen blieben laut dem am Donnerstag bekannt gegebenen Update von SOS-Kinderdorf konstant.

Neue Untersuchung in Wien

Neu mitgeteilt wurde eine Sonderuntersuchung am Standort Wien, bei der es um einen bereits bekannten Fall aus den 2010er-Jahren bis 2017 geht. Damit diese Untersuchung unabhängig und ohne mögliche Interessenskonflikte erfolgen kann, wurde die bereits damals leitungsverantwortliche Person bis zur Klärung dienstfrei gestellt, heißt es auf der Webseite von SOS-Kinderdorf. Nun werde insbesondere konkret geprüft, zu welchem Zeitpunkt die Leitung von den schweren Verdachtsfällen erfahren hat und ob die Hinweise intern unverzüglich gemeldet und die erforderlichen Schritte gesetzt wurden, wurde erläutert.

Der andere - direkt beschuldigte - Mitarbeiter sei bereits seit 2017 nicht mehr bei SOS-Kinderdorf beschäftigt, das damalige Betreuungssetting wurde aufgelöst. Die Kinder- und Jugendhilfe in Wien sei zudem im Herbst 2017 informiert worden und habe eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wurde laut aktuellen Informationen von SOS-Kinderdorf nicht weiterverfolgt.

In dem Fall geht es um Gewalt gegenüber betreuten Minderjährigen, darunter körperliche und psychische Gewalt, Vernachlässigung sowie sexualisierte Gewalt und Grenzverletzungen. Diese Vorwürfe richten sich nicht gegen die leitungsverantwortliche Person, betonte SOS-Kinderdorf. Betroffene hätten Unterstützungsangebote erhalten und zur Aufklärung wurde im Frühjahr 2018 eine interne Revision für den Standort beauftragt. Die aktuelle Betreuung der Kinder und Jugendlichen am Standort sei gesichert.

Zwischenstand der Reformschritte

Die eingesetzte unabhängige Reformkommission unter dem Vorsitz von Irmgard Griss war im Dezember 2025 am Standort Moosburg und im Jänner 2026 am Standort Imst zu Vor-Ort-Terminen, informierte SOS-Kinderdorf zudem. Ziel dieser Besuche sei gewesen, sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen und zu prüfen, wie die gesetzten Reformmaßnahmen in der Praxis wirken, insbesondere in Bezug auf Kinderschutz, Betreuungskonzepte und Strukturen.

Der Aufsichtsrat von SOS-Kinderdorf habe indes nach seiner ersten formalen Arbeitssitzung im Dezember seine Arbeit aufgenommen und begleite die Aufarbeitung und Reform aktiv. Auch die Opferschutzkommission wurde mit weiteren unabhängigen Expertinnen und Experten neu aufgestellt. Außerdem wurde eine zentrale Falldatenbank zur "systematischen, internen Fallaufarbeitung" eingeführt, hieß es seitens SOS-Kinderdorf.

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