Peter Seisenbacher sitzt in U-Haft

© APA/HELMUT FOHRINGER

Chronik Österreich
09/23/2019

Seisenbacher stolperte über manipulierten Pass

Dokument soll einem österreichischem Judo-Funktionär gehören. Missbrauchsprozess könnte bald starten.

von Elisabeth Holzer

Fast drei Jahre lang musste Richter Christoph Bauer auf diesen Angeklagten warten. Doch nach der Verhaftung Peter Seisenbachers zu Monatsbeginn könnte es jetzt ganz schnell gehen: Die Anklage wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs stammt zwar aus 2016, ist aber nach wie vor rechtskräftig.

Das unterbrochene Verfahren gegen den früheren Spitzensportler geht weiter, sobald Richter Bauer einen Termin festsetzt. Der Prozess könnte dem Vernehmen nach somit sogar schon Ende Oktober, Anfang November beginnen.

Im Gegensatz zum ersten Anlauf am 19. Dezember 2016 ist Seisenbachers Erscheinen diesmal fix, er wird aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt vorgeführt. Dort sitzt der 59-Jährige in Untersuchungshaft, seit er am 12. September aus ukrainischer Verwahrungshaft nach Österreich zurückgebracht wurde.

Falscher Name

Damit war die fast drei Jahre lang Flucht des Judokas beendet. Das wiederum ist aufmerksamen Grenzwachebeamten in der Ukraine zu verdanken. Zunächst stoppten zwei Beamte sechs Kilometer vor der Grenze zu Polen einen fremden Mann: Er habe versucht, abseits eines regulären Grenzüberganges von der Ukraine nach Polen zu gelangen. Dieser Mann hatte einen österreichischen Reisepass dabei, doch das ukrainische Recht ist in solchen Fällen rigoros: Ein Bezirksrichter in Turka verurteilte den Österreicher zu drei Tagen Arrest sowie die Ausweisung aus der Ukraine an weil er illegal ins Land eingereist sei.

Am 10. September wurde der Österreicher an den Grenzübergang Smilnyzja-Kroscienko gebracht, damit er von dort nach Polen ausreisen könnte und dort fiel Beamten auf, dass der Pass des Österreichers plump verfälscht war. Sie nahmen ihn fest, durchsuchten sein Gepäck und entdeckten eine Kopie eines anderen Reisepasses – ausgestellt auf Peter Seisenbacher. Das Original wurde dem Ex-Sportler 2017 von der österreichischen Botschaft in Kiew entzogen.

Woher stammte der Pass?

Als wäre das nicht schon Krimi genug, stellt sich auch die Frage: Woher hatte der Verdächtige den österreichischen Reisepass? Laut Informationen der Austria Presseagentur soll das Dokument einem Judo-Funktionär gehören und im Mai 2015 ausgestellt worden sein.

Dieser Judoka reagierte allerdings am Montag auf entsprechende Fragen verwundert: „Ich wüsste nicht, dass mir mein Reisepass abhanden gekommen wäre“, wird er in der APA zitiert. Außerdem könne er sich nicht erinnern, jemals in Polen oder der Ukraine gewesen zu sein. Er kenne Seisenbacher freilich, man habe sich „in der Vergangenheit bei Veranstaltungen gesehen“. Etwas später am Montag ging der Betroffene allerdings zur Polizei und erstattete Anzeige: Er habe festgestellt, dass er seinen Pass nicht mehr besitze, möglicherweise sei er gestohlen worden.

Keine Auskünfte

Rechtsanwalt Bernhard Lehofer vertritt den Beschuldigten seit Bekanntwerden der Vorwürfe. Der Grazer betonte am Montag auf KURIER-Anfrage, dass er nicht zu den neu bekanntgewordenen Details bezüglich des Reisepasses Stellung nehmen könne und auch generell keine Auskünfte über seinen Mandanten erteile. Nur soviel: Am Dienstag habe er wieder ein Gespräch mit Seisenbacher.

Vor dem ersten durch die Flucht des Angeklagten in die Ukraine geplatzten Prozess ließ der Olympiasieger von 1984 und 1988 wissen, dass er sich nicht schuldig bekennen werde.

Die Staatsanwaltschaft Wien wirft dem 59-Jährigen mehrfachen sexuellen Missbrauch Unmündiger sowie den Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vor, sie hat seit 2013 ermittelt. Seisenbacher habe sich als Jugendtrainer eines Judo-Vereins an Mädchen vergriffen bei einem der mutmaßlichen Opfer sollen die Übergriffe begonnen habe, als es gerade erst neun Jahre alt war.