Peter Seisenbacher soll sich an Mädchen vergangen haben.

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Missbrauchsprozess
12/18/2016

Auf den Judo-Olympiasieger wartet ein strenger Richter

Das einstige Sportidol Peter Seisenbacher wird sich im Missbrauchs-Prozess nicht schuldig bekennen.

von Ricardo Peyerl

Es wird wahrscheinlich der schwerste Kampf seines Lebens: Ab Montag sitzt der Judo-Doppelolympiasieger Peter Seisenbacher auf der Anklagebank vor einem Richter, der als streng bekannt ist.

Christoph Bauer lässt bei seinen Einvernahmen Ausflüchte nicht zu. Er kann aber auch ganz anders, nämlich im Umgang mit Opfern. Bauer ist im Wiener Landesgericht einer von zehn besonders geschulten Richtern für Sexualstraftaten.

Das wird in diesem Fall auch besonders erforderlich sein, wurden die mutmaßlichen Opfer von Seisenbacher doch alle noch nicht kontradiktorisch einvernommen (abgeschirmte Befragung, die auf Video aufgezeichnet und im Prozess dann abgespielt wird).
Sie müssen deshalb nun in der Verhandlung aussagen, wobei eine schonende Befragung in einem Nebenraum vorgesehen ist, die in den Gerichtssaal übertragen wird. Die Zeuginnen werden dabei von psychosozialen Prozessbegleitern unterstützt.

Neunjährige

Dem Gewinner bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 und 1988 in Seoul wird mehrfacher sexueller Missbrauch von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses angelastet. Ex-Judoka Seisenbacher soll sich Ende der 1990er-Jahre als Jugend-Trainer an Mädchen vergriffen haben.

Ein Mädchen wurde laut Anklage zwischen dem neunten und 14. Lebensjahr missbraucht. Der damals 37-jährige Seisenbacher war mit dem Vater der Schülerin befreundet, deshalb hatte das Mädchen in dem Judo-Verein zu trainieren begonnen. 2004 soll sich Seisenbacher einem weiteren, damals 13-jährigen Mädchen zugewandt und geschlechtliche Handlungen vollzogen haben. Auf einem Judo-Sommerlager auf der Insel Krk soll Seisenbacher schließlich versucht haben, sich einer 16-Jährigen zu nähern, die ihn aber abwehrte.

Entlastungszeugen

Das 56-jährige einstige Sportidol wird die Vorwürfe bestreiten. Auf Wunsch von Verteidiger Bernhard Lehofer sollen mehrere Bekannte Seisenbachers als Zeugen aussagen, dass die Mädchen nach den angeblichen Übergriffen weiterhin freiwillig Kontakt zu dem Trainer gehalten hätten. Man weiß allerdings, dass es gerade Kindern oft jahrelang schwerfällt, sich von dem als Vaterfigur hochstilisierten Täter zu lösen. Offenbar haben die Opfer auch deshalb erst spät Anzeige erstattet.

Seisenbacher wurde im September 2015 erneut zum Judo-Nationaltrainer in Aserbaidschan bestellt. Sein Prozess, zu dem er von dort angereist ist, ist für drei Tage angesetzt. Zwei Tage vor dem Heiligen Abend soll das Urteil fallen.