© Christian Willim

Chronik Österreich
01/15/2021

Schneemengen in Vorarlberg "ungewöhnlich", Lawine in OÖ

Zwei Skifahrer wurden verschüttet, konnten sich aber selbst befreien. In Vorarlberg waren 7.400 Haushalte am Donnerstagabend ohne Strom.

Die anhaltend starken Schneefälle im Westen Österreichs sind vor allem in Vorarlberg "eher ungewöhnlich", wie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)  erklärt. Mehr Neuschnee in 24 Stunden als am Freitag gab es an der ZAMG-Wetterstation in Feldkirch seit Messbeginn im Jahr 1896 erst drei Mal. In Bregenz, wo es seit 1980 tägliche Aufzeichnungen gibt, fiel nur ein einziges Mal mehr Neuschnee als am 15. Jänner 2021, so ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik.

Die Schneefälle sorgten am Donnerstag unter anderem für eine weitere Lawine in Oberösterreich.

Zwei Skifahrer sind am Donnerstag auf der Wurzeralm in Spital an der Pyhrn von einer Lawine verschüttet worden, konnten sich aber aus eigener Kraft befreien. Ein 27-Jähriger und 28-Jähriger wollten gegen 14.00 Uhr den "Firnhang" herunterfahren. Dazu mussten sie einen kurzen Gegenanstieg nehmen. Dabei löste sich ein Schneebrett, das die Männer mitriss. Ein Skifahrer wurde komplett, der andere bis zur Hüfte verschüttet, so die Polizei. Der jüngere wurde leicht verletzt.

60 Einsätze in Vorarlberg

Vorarlberg sorgten auch am Freitag weiter für Probleme. Seit Donnerstag 19.00 Uhr musste die Feuerwehr rund 60 Mal ausrücken. Laut Angaben der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle räumten die Einsatzkräfte vor allem umgeknickte Bäume beiseite. Am Donnerstagabend kam es zudem zu einem Stromausfall, der 7.400 Anschlüsse in Höchst, Fußach und Gaißau (alle Bezirk Bregenz) betraf.

Die Schneefälle hatten im 110 kV-Netz mehrere Erdschlüsse verursacht. Dadurch wurden die beiden Zuleitungen zum Umspannwerk Höchst automatisch vom Netz getrennt. Während Techniker von vorarlberg netz mit Hochdruck an der Schadensbehebung arbeiteten, konnten durch Umschaltungen im Mittelspannungsnetz einzelne Bereiche rasch wieder mit Strom versorgt werden. Ab etwa 20 Uhr waren alle Kunden wieder mit Strom versorgt, informierten die Illwerke.

Lawinengefahr groß

Die Lawinengefahr schätzte die Landeswarnzentrale verbreitet als groß ein. Damit herrschte in allen Höhenlagen die Warnstufe 4. Die Hauptgefahr gehe vom Neu- und vom frischen und älteren Triebschnee aus. Dieser liege auf einer ungünstigen Altschneeoberfläche und sei sehr störanfällig.

Fernauslösungen und viele spontane Lawinen seien zu erwarten. Diese könnten sehr große Ausmaße annehmen, hieß es. Dadurch könnten auch exponierte Verkehrswege gefährdet sein. Die Zahl der spontanen Schneebrettlawinen werde im Tagesverlauf mit Abklingen der Niederschläge abnehmen.

Gerade ältere umfangreiche Einwehungen seien überschneit und schwer zu erkennen. Einzelne Wintersportler könnten Lawinen daher sehr leicht auslösen. Unerfahrene sollten Aktivitäten abseits gesicherter Pisten unterlassen, so die Landeswarnzentrale.

50 bis 60 Zentimeter Neuschnee

In Vorarlberg kamen über Nacht im ganzen Land weitere 50 bis 60 Zentimeter Neuschnee hinzu, in den Bergen auch mehr. Von Dienstagmittag bis Freitagfrüh fielen damit im Land 130 bis 150 Zentimeter Neuschnee, lokal auch mehr.

Laut der Prognose der ZAMG wird es auch am Freitag noch verbreitet schneien. Die Intensität soll aber im Laufe des Vormittags abnehmen, im Bodenseeraum und im vorderen Bregenzerwald dürften die Niederschläge zu Mittag aufhören, in den übrigen Gebieten soll es am Nachmittag so weit sein.

Nach den starken Schneefällen sind in Tirol Freitagvormittag nach wie vor einige Straßen wegen großer Lawinengefahr und umgestürzter Bäume gesperrt gewesen. Einzelne Orte wie Sölden im Ötztal oder St. Christoph am Arlberg waren vorerst nicht erreichbar. Auch Zugreisende sahen sich nach wie vor mit vereinzelten Einschränkungen konfrontiert. 

Im Bereich Imst und Roppen im Bezirk Imst waren zudem Freitagfrüh laut einem Bericht des ORF Tirol rund 200 Haushalte ohne Strom. Am Vormittag waren die Störungen jedoch großteils wieder behoben.

Gesperrt waren vorerst weiter unter anderem die Lechtalstraße im Außerfern, die Felbertauernstraße zwischen Mittersill und Matrei in Osttirol sowie die Ötztal Straße zwischen Zwieselstein und der Hochalpenstraße und zwischen Huben und Sölden.

Bahnstrecken gesperrt

Die Arlbergbahnstrecke bleibt wegen der anhaltenden Schneefälle weiter gesperrt. Die Sperre, die Freitagfrüh auf die Strecke von Bludenz bis Ötztal ausgeweitet werden musste, gelte für Freitag und voraussichtlich Samstag, dann erfolge eine neuerliche Lagebeurteilung, informierten die ÖBB. Am Brenner war vorerst die gesamte Strecke bis Innsbruck unterbrochen. Man sei mit allen Kräften im Räumeinsatz, so Pressesprecher Christoph Gasser-Mair.

Die Situation sei insgesamt "sehr herausfordernd" für die ÖBB. Im Arlberggebiet komme zur Lawinengefahr die große Schneehöhe hinzu. "Am Gleis liegen rund 1,30 Meter Schnee", so Gasser-Mair.

Bundesheer in Bereitschaft

Das Bundesheer steht nach Anforderung durch das Land Vorarlberg angesichts der Neuschneemengen in Bereitschaft. Ein Hubschrauber für Transport- und Erkundungsflüge werde je nach Flugwetter gegen 16.30 Uhr in der Walgaukaserne in Bludesch (Bezirk Bludenz) erwartet, zudem sei seit Donnerstagabend ein 60-köpfiger Lawineneinsatzzug in Bereitschaft. Diese Bereitschaft bleibe auch über das Wochenende bestehen, so Militärkommandant Gunther Hessel.

Die Hochgebirgssoldaten in Bludesch stünden mit ihren spezialisierten Gruppen, einem Flugretter und Rekruten für Hilfs- und Rettungseinsätze in ganz Vorarlberg parat. Rund 100 Soldaten stünden als Reserve zur Verfügung, auch in Bregenz seien weitere 40 Soldaten, darunter Pioniere, bereit für Katastropheneinsätze.

Der Hubschrauber biete im Einsatzfall eine höhere Beweglichkeit in der Versorgung und Stationierung von Einsatzkräften, zudem stehe er Lawinenexperten zur Verfügung, auch Lawinensprengungen können durchgeführt werden, betonte Hessel. Er hielt die Situation auch übers Wochenende noch für heikel. Einerseits werde das angekündigte Schönwetter am Samstag die Menschen in die Berge locken, andererseits seien für Sonntag weitere Schneefälle prognostiziert.

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