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Chronik Österreich
11/29/2021

Salzburg: Zehn Jahre Haft für Missbrauch an Stieftochter

Laut Anklage habe der 51-Jährige das Mädchen ab dessen zwölften Geburtstag auch mehrfach vergewaltigt.

Mit massiven Vorwürfen ist ein 51-Jähriger am Montag bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg konfrontiert worden. Der Salzburger soll seine Stieftochter ab ihrem zwölften Lebensjahr fast sieben Jahre lang sexuell missbraucht und mehrfach vergewaltigt haben. Er soll auch Fotos von den Übergriffen angefertigt haben. Der geständige Angeklagte wurde zu zehn Jahren unbedingter Haft verurteilt. Das nunmehr 19-jährige Opfer leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Das Urteil des Schöffensenates ist nicht rechtskräftig. Weder der Staatsanwalt noch die Verfahrenshelferin gaben eine Erklärung dazu ab. Die Strafdrohung für den bisher unbescholtenen Mann betrug fünf bis 15 Jahre Haft.

Opfer wurde „trainiert“

Der Angeklagte soll die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin auf das hintrainiert haben, was er haben wolle, sagte der Staatsanwalt. Ab einem gewissen Zeitpunkt sei Gewalt nicht mehr notwendig gewesen. Der Fall flog auf, nachdem die Betroffene einem Internetfreund aus Schweden davon erzählt hatte und dieser sie davon erfolgreich überzeugten konnte, den Salzburger anzuzeigen.

Auf die Frage der vorsitzenden Richterin, ob er geständig sei, nickte der Angeklagte. Dann entschuldigte er sich für sein Verhalten. Es tue ihm schrecklich leid, er könne es nicht mehr gut machen, und er wisse nicht, warum das alles passiert sei. „Ich möchte mich aufrichtig entschuldigen.“

Fotos und Videos von Übergriffen gemacht

Zu den ersten gewaltsamen geschlechtlichen Übergriffen kam es laut Anklage zwischen November 2014 bis November 2015. Die Zahl der Angriffe lag in diesem Zeitraum bei zwei bis drei Mal pro Woche. Obwohl das Kind auch versucht habe, ihn wegzudrücken, soll er von November 2015 bis Juni 2021 immer wieder den Beischlaf und gleichzusetzende Handlungen vorgenommen und dabei auch Fotos und Videos angefertigt haben.

Tatort soll eine Wohnung im Tennengau gewesen sein, wo der Salzburger mit seiner Lebensgefährtin wohnte. Während die Frau zweimal in der Woche am Abend auswärts arbeitete, habe sich der Mann immer wieder an ihrer Tochter vergangenen, erklärte der Staatsanwalt. Bereits ab dem Jahr 2009, als das Mädchen sieben Jahre alt war, soll er Aufnahmen von ihrem Geschlechtsbereich gemacht und mit ihr dann auch Strip-Poker gespielt haben.

Lange Liste von Vorwürfen

Die Palette der vorgeworfenen Delikte ist lang: Sexueller und schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen, Vergewaltigung, geschlechtliche Nötigung, pornografische Darstellungen Minderjähriger, Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses.

Die Verfahrenshelferin erklärte zu Beginn der Verhandlung, dass sich der Angeklagte schuldig bekenne. Da gebe es auch nichts schön zu reden. Der Mann leide an Minderwertigkeitsgefühlen, er habe eine schwere Kindheit erlebt und sei nahezu täglich geschlagen worden. Später, in seinem Beruf, sei er gemobbt worden.

30.000 Euro Schmerzensgeld

Einem Gutachten zufolge leidet das Opfer an Angststörungen und Zwangssymptomen. „Es ist emotional zerstört“, sagte Opferanwalt Stefan Rieder. Er forderte für das erlittene Martyrium ein Teilschmerzensgeld in Höhe von 40.000 Euro. Das Gericht sprach dem Mädchen 30.000 Euro zu.

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