Rückholaktion mit Hindernissen: Die ersten 151 Österreicher sind daheim

Am Mittwoch landete der erste Flieger im Rahmen der Rückholaktion aus dem Krisengebiet. Die Aktion gestaltete sich schwierig, umso größer war die Freude bei denen, die es in den Flieger geschafft hatten.
Sechs Menschen, darunter ein kleines Kind, stehen und sitzen lächelnd zusammen in einer belebten Bahnhofshalle.

Um 4 Uhr früh ist Leane K. in Puchberg am Schneeberg am Mittwoch vom Läuten ihres Handys aufgeschreckt. Ihre Tochter, ihr Schwiegersohn und ihre dreijährige Enkeltochter waren zu diesem Zeitpunkt noch in Dubai, im Kriegsgebiet. Seither hat sie kein Auge zugemacht. Knapp 18 Stunden später halten sie sich am Flughafen in Wien endlich wieder in den Armen. Tränen fließen, die Anspannung ist endlich weg, die Freude groß.

„Es war wie auf der Titanic. Im Hintergrund war Musik und Poolparty und über uns sind die Raketen geflogen“, sagt Thomas Bieber, der Schwiegersohn. Trotz der langen Reise wirkt das junge Paar glücklich. Urlaub machten sie in Dubai, jetzt wurden sie evakuiert und zurück in die Heimat gebracht. „Es hat erstaunlicherweise alles super funktioniert. Auch unsere Tochter hat alles super mitgemacht“, so Thomas Bieber. „Wir freuen uns jetzt einfach auf daheim“, fügt seine Freundin hinzu.

Die Familie aus Puchberg am Schneeberg gehört zu jenen 151 Personen, die im Zuge der ersten Rückholaktion des Außenministeriums aus dem Kriegsgebiet nach Hause geholt werden konnten. Doch gleich der erste Flug machte deutlich, wie fragil die logistische Herausforderung ist. Die Maschine kam nämlich viel später als ursprünglich geplant in Wien-Schwechat an.

Der Flug, durchgeführt von der ägyptischen Fluglinie Sky Vision Airlines, ist verspätet in Maskat (Oman) gestartet, da das Flugzeug nicht rechtzeitig eintraf. Statt um 17.30 Uhr verzögerte sich die Landung auf Punkt 21.59 Uhr. Die Route führte von der omanischen Hauptstadt über Kairo nach Wien – eine Strecke, die zwischen neun und zwölf Stunden in Anspruch nimmt.

Trotz dieser Verzögerung laufen die Vorbereitungen für weitere Rückholflüge an. Für Donnerstag hat das Außenministerium zwei zusätzliche Maschinen der Austrian Airlines (AUA) gechartert. Eine Boeing 777 mit 315 Passagieren an Bord soll von Riad in Saudi-Arabien starten, ein Airbus A320 von Maskat mit 165 Personen.

Zehn Stunden im Bus

Besonders herausfordernd gestaltet sich dabei der Transport der Betroffenen zu den Abflugorten. Viele der rund 1.400 noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten befindlichen Österreicher müssen zunächst über Land ausreisen. Das Ministerium evaluiert derzeit, wie viele Busse benötigt werden, um die Menschen von Dubai nach Riad zu bringen. Die Fahrt dauert rund zehn Stunden und sollte teils am Mittwochabend beginnen. Für die Fahrt nach Maskat braucht man etwa acht Stunden: „Am Donnerstag um 4 Uhr früh fährt sie ein Bus von Dubai nach Maskat und am späten Nachmittag fliegen sie dann nach Wien“, bestätigt eine Angehörige dem KURIER.

Was Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, die die Österreicher am Abend am Flughafen in Empfang genommen hat, nicht bestätigen kann: „Wir haben uns seit Samstagfrüh bemüht, gestrandete Österreicher in Sicherheit zu bringen. Wir sind hoffnungsvoll, dass morgen noch zwei Flüge gehen. Die Flieger sind bestellt, aber noch nicht bestätigt.“ Aber sie versichert: „Es wird so viele Charterflüge geben, wie es braucht. Wir sind an weiteren Flügen dran.“

Mehrere Menschen steigen aus einem Flugzeug aus, eine Helferin mit EU-Weste begrüßt einen Passagier per Handschlag.

Außenministerin Meinl-Reisinger und Flughafen-Chef Ofner begrüßen die heimgeholten Österreicher.

In einem ersten Anlauf hat das Außenministerium bereits 210 Personen, darunter besonders schutzbedürftige Österreicherinnen und Österreicher, aus der Krisenregion gebracht. Brisant ist, dass auf dem Schwarzmarkt in Maskat Flugtickets nach Europa mittlerweile um umgerechnet 3.000 Euro gehandelt werden.

Auf eigene Faust

Matthäus Heigl und Philipp Posch waren auf Geschäftsreise in Dubai. Am 28. Februar wäre ihr Rückflug gegangen, dann der Angriff. „Sechs Stunden haben wir versucht unsere Koffer nach dem Check-in wieder zurückzubekommen. Wir wollten einfach raus aus dem Flughafen“, so Posch. Für die beiden war klar, sie müssen sich einen anderen Rückflug suchen. „Um 500 Euro haben wir ein Taxi nach Maskat genommen. Der Fahrer ist verrückt gefahren – kurzzeitig waren wir sogar Geisterfahrer“, erzählen sie.

Zwei junge Männer stehen an einem Gepäckband am Flughafen, im Hintergrund warten weitere Reisende auf ihr Gepäck.

Matthäus Heigl und Philipp Posch am Flughafen Wien-Schwechat.

In Dubai schon haben sie zwei Mädchen kennengelernt, die Plätze im Rückholflug hatten. „Wir hatten zwar keine, haben aber auf gut Glück gefragt und sind dann Gott sei Dank heimgekommen“, erzählen die jungen Männer müde. Um 22:30 machen sie sich von Wien Schwechat noch auf den Weg nach Salzburg.

Gestrandet in Dubai

Noch immer in der Krisenregion ist hingegen das Ehepaar Silvia und Christian K., das am Freitag nach Dubai geflogen war. Die Reise war ein Geschenk für seine Frau zum 60. Geburtstag, schildert der Ehemann.

Nur rund 24 Stunden nach ihrer Landung begann der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran. Die ersten Explosionen hörte das Paar am Samstagnachmittag: „Wir bekamen eine Warnung über das Handy und wurden in der Nacht in den Keller des Hotels gebracht.“

Die Informationen seitens der österreichischen Behörden seien schleppend bis unzureichend gewesen, klagt das Paar. Auf ihren gebuchten Rückflug am 7. März wollen sie nicht warten, die beiden hoffen auf Plätze in den Rückholflugzeugen am Donnerstag: „Wir wollen so schnell wie möglich raus.“ Diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen. Denn am Mittwochabend kam die Info: „Kein Platz in den beiden Fliegern für Sie.“ Mit der Empfehlung, sich doch selbst um kommerzielle Ausreisemöglichkeiten zu kümmern, wie die Ministerin auch in Schwechat sagte.

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