Ausbildung in OÖ: Schülerinnen und Schüler lernen, Leben zu retten

Schülerinnen und Schüler haben ab 17 Jahren die Möglichkeit, sich zu Rettungssanitäterinnen und -sanitätern ausbilden zu lassen - mit Ehrgeiz, Interesse und Durchhaltevermögen. Drei „Neo-Sanis“ erzählen.
Vier Personen üben gemeinsam an einer Wiederbelebungspuppe mit medizinischem Equipment auf dem Boden.

Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzmassage, die richtige Lagerung, das Prüfen der Vitalfunktionen. Das alles und noch viel mehr können sieben junge Menschen des BRG Traun in Oberösterreich nun. Sie sind ab sofort fertig ausgebildete Rettungssanitäterinnen und -sanitäter – und das, noch bevor sie die Matura absolviert haben. Die steht erst in den kommenden Wochen an.

Die Jugendlichen nutzten die relativ neue Möglichkeit, im Rahmen ihrer Schullaufbahn zu Sanis ausgebildet zu werden. Das ist eine Chance für den späteren Berufsweg und gleichzeitig eine große Herausforderung. 260 Stunden – 100 davon Theorie und mindestens 160 Stunden Praxis im Rettungsdienst – müssen absolviert werden, danach folgt die kommissionelle Abschlussprüfung.

Vorteil für den Zivildienst

„Ich denke schon länger darüber nach, Medizin zu studieren. Diese Ausbildung hat mich darin bestärkt“, erzählt Esma Boz. Ähnlich geht es auch Aron Gutternigg: „Ich werde ab Juli meinen Zivildienst bei der Rettung absolvieren und kann mit dieser Ausbildung gleich losstarten“, freut sich der 18-Jährige. Natürlich sei es zwischendurch herausfordernd gewesen, die Doppelbelastung aus Ausbildung und anstehender Matura zu stemmen. „Dafür ist jetzt die Erleichterung umso größer“, sagt Aron.

14 Interessierte haben im Februar 2025 am BRG Traun mit der Ausbildung begonnen, sieben haben sie diese Woche erfolgreich abgeschlossen. Dass es das Angebot an der Schule überhaupt gibt, ist Philipp Hofmeister zu verdanken. Der Pädagoge hat selbst seinen Zivildienst beim Roten Kreuz absolviert, ist auch während des Studiums ehrenamtlich dabei geblieben, lernte das Projekt an einer Schule in Wels kennen und setzte sich ab dann ein, es auch ans eigene Gymnasium zu bringen.

Hier wird die Ausbildung als Wahlfach angeboten. Die HBLW Wels adaptierte sogar den kompletten Lehrplan, damit Unterricht und Ausbildung unter einen Hut gebracht werden können.

Neun Menschen in roten Rettungsdienst-Uniformen stehen lachend zusammen, eine Person sitzt auf den Schultern einer anderen.

Geschafft! Die sieben neuen Sanis am Trauner Gymnasium: Köse, Beganovic, Boz, Topojani, Felber, Gutternigg, Inreiter, Hemetsberger

„In Mathematik brauche ich mehr Motivation als beim Rettungssanitäter-Kurs“, erzählt Hofmeister, die Schülerinnen und Schüler seien mit viel Begeisterung bei der Sache gewesen. Viele der Einheiten hat der Pädagoge selbst unterrichtet, er ist ausgebildeter Lehrsanitäter. Künftig ist der Plan, jedes Jahr im Februar einen neuen Lehrgang starten zu lassen, sprich die nächsten Sanis in spe sind bereits am Lernen.

Begeisterung für das Ehrenamt

Damit das Projekt überhaupt in dieser Form angeboten werden kann, haben sich 2024 die Bildungsdirektion OÖ und das OÖ. Rote Kreuz zusammengetan. Ziel dabei ist es unter anderem, junge Menschen schon während der Schulzeit für den Rettungsdienst zu qualifizieren und für freiwilliges Engagement zu begeistern.

Der Mehrwert für die Jugendlichen: Sie bekommen Sicherheit für das Handeln in Notfällen. „Auch unsere Klassenkolleginnen und -kollegen bestätigen, dass sie sich voll in Sicherheit fühlen. Zum Glück ist aber noch nichts passiert“, sagt Neo-Sanitäterin Anja Hemetsberger. Auch sie weiß mittlerweile aufgrund der Erfahrungen während der Ausbildung, dass es beruflich in Richtung Notfallmedizin gehen wird.

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