Erntehelfer in Aktion: Foto stammt nicht von dem Betrieb, wo die Razzia stattfand

© elmar gubisch

Chronik Österreich
09/13/2020

Razzia bei Gemüsebauer: Hungerlohn für 100-Stunden-Woche

Die Finanzpolizei deckte im niederösterreichischen Marchfeld einen eklatanten Fall von Lohn- und Sozialdumping auf.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

"Das Marchfeld wird als die Kornkammer Österreichs bezeichnet, in den vergangenen Jahren hat sich verstärkt der Gemüseanbau etabliert", wirbt der Verein Genussregionen Österreich für das Marchfeld.

Doch mitunter wird das Gemüse unter widrigen Umständen von Landarbeitern aus Rumänien oder Serbien geerntet. Am vergangenen Sonntag hat die Finanzpolizei bei einem namhaften Marchfelder Gemüsebauern (Name der Redaktion bekannt) eine Razzia durchgeführt. Dabei haben die Beamten laut eigenen Angaben "eine unfassbare Ausbeutung von Erntehelfern" ans Tageslicht gefördert.

4,20 Euro die Stunde

Über die Entlohnung staunten selbst die erfahrenen Beamten. "Die Frauen haben 4,20 Euro pro Stunde erhalten, die Männer 4,40 Euro", sagt Wilfried Lehner, Chef der Finanzpolizei. "Das ist ein absoluter Hungerlohn." Das sei ein massiver Verstoß gegen das Lohn- und Sozialdumpinggesetz. Der Mindestlohn laut Kollektivvertrag liegt bei acht Euro.

Die Finanzpolizisten stellten vor Ort auch die Stundenlisten der Dienstnehmer sicher. Aus diesen geht hervor, dass die Arbeiter offiziell nur 40 Stunden beschäftigt waren. Tatsächlich haben besagte Erntehelfer aber zum Teil "mehr als 100 Stunden in der Woche" gearbeitet, wie die Einvernahmen der betroffenen Arbeiter ergaben. "Wir wissen aus dem Erntehelferbereich, dass das Gemüse möglichst schnell verarbeitet werden muss", sagt Lehner. "Dort sind kurzfristig sehr hohe Stundenleistungen normal, aber mehr als 100 Stunden pro Woche ist sehr heftig."

Auch Finanzminister Gernot Blümel lässt dieser Fall nicht kalt. "Keiner der Erntehelfer wurde gerecht bezahlt. Diese schwarzen Schafe beuten Arbeiter aus, schädigen den Ruf aller redlichen Unternehmer und bereichern sich auf Kosten der Steuerzahler", sagt Blümel. "Ich habe null Toleranz für Lohndumping und Sozialbetrug. Wir werden hier weiter hart durchgreifen." Dem betroffenen Bauern kommt das Lohn- und Sozialdumping teuer zu stehen. Das Finanzamt und die Gesundheitskasse werden nun eine Betriebs- und Lohnsteuerprüfung durchführen. "Es ist ja ein Teil des Geldes schwarz an die Arbeiter ausgezahlt worden", sagt Lehner. "Es wird gewaltige Nachforderungen geben – auch bei der Sozialversicherung." Zugleich drohen dem Landwirt saftige Geldstrafen. Lehner: "Wir reden insgesamt von mehreren Hunderttausend Euro." Wird auch Sozialbetrug angezeigt, droht sogar eine Haftstrafe.

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