"Schneegestöber" nach Ibiza-Video: Detektiv wegen Koks-Handels vor Gericht

"Schneegestöber" nach Ibiza-Video: Detektiv wegen Koks-Handels vor Gericht
Detektiv Julian Hessenthaler präsentiert sich als Opfer einer Verschwörung. Prozess auf Oktober vertagt.

Ibiza-Detektiv Julian Hessenthaler hat am Mittwoch im Landesgericht für Strafsachen in St. Pölten viel zu erzählen. Zu viel für den Geschmack des Richters: „Bitte versuchen Sie, Ihre Nebensätze und Nebenschauplätze zu beenden.“

Nebenschauplätze gibt es in diesem Verfahren viele. Eigentlich geht es um den angeblichen Handel mit 1,25 Kilo Kokain und zwei Urkundendelikte (gefälschte Führerscheine und Personalausweise). „Man kennt den hier sitzenden Angeklagten in Zusammenhang mit einer Insel. Doch um das Video geht es hier nicht“, versucht Staatsanwalt Bernd Schneider, das Wort „Ibiza“ nur ja nicht anzustreifen. Sein Versuch fruchtet nicht.

Das Ibiza-Video, das die türkis-blaue Regierung sprengte, ist allgegenwärtig – und in den Augen von Hessenthalers Verteidigern auch der einzige Grund, warum ihr Mandant auf der Anklagebank sitzt.

Druck auf Hintermänner des Videos

„Das Verfahren beginnt mit der Veröffentlichung des Ibiza-Videos. Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek selbst hat gefordert, dass der Hersteller gefunden werden muss. Ich schäme mich als österreichischer Rechtsanwalt und Teil des österreichischen Justizsystems, ein derartiges Verfahren erleben zu müssen“, sagt Anwalt Wolfgang Auer. Und Kollege Oliver Scherbaum ergänzt: „Der Julian (so nennt er seinen Mandanten fast durchgehend; Anm.) ist aus Rache hereingelegt worden.“ Er habe sich mit mächtigen Leuten angelegt. „Nicht nur mit Strache. Auch mit Leuten aus der Glücksspiel-Branche.“ Und die, so die Verteidiger, habe die Belastungszeugen geschmiert.

"Schneegestöber" nach Ibiza-Video: Detektiv wegen Koks-Handels vor Gericht

Hessenthalers Anwälte Auer und Scherbaum

Der Richter stellt schon früh fest: „Das Biotop, in dem dieser Akt angesiedelt ist, sprengt die Erfahrungen, die ein Richter so macht.“ Der ursprüngliche Plan, das Verfahren in einem Tag zu beenden, ist somit Geschichte.

Wortgewandt

Der angeklagte Hessenthaler selbst nimmt sämtliche Ausführungen aufmerksam zur Kenntnis. Er spricht hochdeutsch, präsentiert sich wortgewandt, holt bei seinen Ausführungen weit aus. Er erzählt von angeblichen Drohungen aus dem Innenministerium unter Minister Herbert Kickl kurz vor der Videoveröffentlichung. Von seiner früheren Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt. Und von angeblichen falschen Anschuldigungen der Belastungszeugen.

Ob er das denn auch beweisen kann, hakt der Richter immer wieder ein. „Nein.“

Laut seinen Angaben sei speziell Slaven K. – ihm hat Hessenthaler laut Anklage die 1,25 Kilo Kokain verkauft – unter Druck gesetzt worden, gegen ihn auszusagen. Auch, um nach einem Schuldspruch in einem Drogenverfahren eine Fußfessel zu bekommen.

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Großer Medienandrang beim Prozess

Tatsächlich hatte der Zeuge Hessenthaler ursprünglich nicht belastet. Erst nachdem der untergetauchte Detektiv in Berlin gefasst und nach Wien ausgeliefert wurde, berichtete er den Ermittlern von den Drogenübergaben. „Ich wollte nichts sagen, bevor er nicht im Gefängnis ist. Bei meiner Mutter in Serbien sind plötzlich zwei Männer aufgetaucht. Ihr wurde gesagt, es sei besser, ich würde nichts sagen“, erklärt der Zeuge.

Der Richter möchte die Frau befragen. „Das geht nicht. Sie ist 86 Jahre und liegt im Krankenhaus“, sagt Slaven K. Doch sie sei bereits von einem Richter in Serbien einvernommen worden. Allein: Bis nach Österreich schaffte es diese Aussage nie.

Die Befragung einer anderen Zeugin muss abgebrochen werden. Sie schildert unter anderem, dass ihr Hessenthaler einst eine Pistole an den Kopf gehalten haben soll. „Es tut mir leid, ich habe eine Panik-Attacke, weil ich ihn gesehen habe“, erklärt sie in brüchigem Deutsch. „Und sie sind immer in Deutsch einvernommen werden?“, wundert sich der Richter. Das nächste Mal soll der Frau ein Dolmetsch zur Verfügung gestellt werden.

Verhandlung vertagt auf 13. Oktober.

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