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Chronik | Österreich
03/26/2019

Prozess gegen steirischen Arzt: Cannabis für die Kinder?

Bei der Neuauflage des Prozesses gegen Eduard Lopatka geht es heute um die Frage, ob er seinen Kindern Drogen verabreicht hat.

Die Neuauflage des Prozesses gegen den steirischen Arzt Eduard Lopatka wird heute, Dienstag, im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt. Dem praktischen Arzt wird vorgeworfen, jahrelang seine vier Kinder gequält zu haben, indem er mit Selbstmord drohte, sich selbst verletzte und sie beleidigte. Seit 9 Uhr wird der Mediziner einvernommen. 

Dabei geht es vorrangig um die Frage, ob er seinen Kindern Cannabis besorgt hat. "Ich wollte wissen, ob sie rauchen. Ich bin dann zu einem Bekannten mit Drogenvergangenheit gegangen und habe ihn gefragt, ob es etwas gibt, das Cannabis ähnlich schaut. Er hat gesagt, Streetworker arbeiten mit Käsepappeltee, vermischt mit Pfefferminze", so Lopatka

Diese Mischung habe er dann seinen Kindern gegeben, und betont vor Gericht: "Für mich war das eine Spaßaktion." Echtes Cannabis habe er ihnen aber nie gegeben.

Beim Prozessauftakt am 26. Februar ging es vor allem um das familiäre Umfeld, die Selbstmorddrohungen und die Selbstverletzungen, die der Arzt zugegeben hatte. Nachdem am zweiten Tag zunächst 45 Minuten lang Anträge - in erster Linie ging es um psychiatrische Gutachten - gestellt worden waren, ging es anschließend um Suchtmittel.
 

Dass er selbst Drogen genommen habe, leugnete er nicht. "Ich hatte starke Schmerzen nach meinem Radunfall", betonte er. Das "Kugerl" habe er aber nicht direkt bekommen, sein Bekannter hatte es hingelegt "und Sie haben es gefladert?", brachte es Richter Oliver Graf auf den Punkt. "Ja".

Schlafmittel für die Tochter

Ob der den Kindern Alkohol zu trinken gegeben habe, lautete eine weitere Frage. Sein Sohn habe mit fünf Jahren einen Schluck Bier getrunken, das sei alles gewesen.

Schmerz- und Schlafmittel habe er einer seiner Töchter schon verabreicht, aber "nie unkontrolliert". Vor der Matura bekam das Mädchen von ihm Schlaftabletten, "aber nur zweimal eine Packung mit zehn Stück". Die Schmerzmittel allenfalls nur, wenn ein Grund vorlag. Dass das Mädchen dann süchtig wurde, schrieb er ihrem drogensüchtigen Freund zu.

Lopatka gibt auch zu, dass er zwei seiner Töchter Zigaretten rauchen ließ, "damit sie überhaupt erst gar nicht damit anfangen". Dies sei ein Spaß gewesen. Der Richter: "Herr Doktor, bitte, Sie sind Arzt.Wo empfinden Sie da Spaß? Da fahre ich in den Tierpark."

Am Nachmittag folgt die Befragung des Sohnes. 

Der Mediziner steht im Verdacht, jahrelang seine vier Kinder gequält zu haben. Im September 2017 wurde er von den Vorwürfen freigesprochen, doch der Prozess muss wiederholt werden.

Der praktische Arzt soll seine Kinder in erster Linie verbal gequält haben, indem er laut Anklage mit Selbstmord drohte oder sie mit abfälligen Äußerungen kränkte. Lopatka fühlte sich in keiner Weise schuldig, der Richter beim ersten Prozess sah einen "verspäteten Rosenkrieg" im Zuge der Scheidung. Das Oberlandesgericht hatte nach dem ersten Verfahren entschieden, dass Beweisergebnisse nicht ausreichend erörtert wurden. Ende Februar begann die Prozess-Neuauflage mit einem neuen Richter. Der Angeklagte fühlte sich weiterhin nicht schuldig.