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Chronik Österreich
04/17/2019

Pro und Contra: Braucht es strengere Regeln für E-Scooter?

Die Zahl der Leihscooter steigt. Das bringt auch Konflikte. Was für und was gegen eine strengere Regulierung spricht.

von Christoph Schwarz, Birgit Seiser

Pro

Der Biss in den Apfel in der U-Bahn: Verboten. Pinkelnde Hunde in Parks: Irgendwie auch verboten. Alkohol am Praterstern: Ganz streng verboten.

Bei Regeln, Beschränkungen und Verboten ist man in Wien gemeinhin ebenso erfinderisch wie freigiebig. Oftmals zu Recht, noch öfter nicht. Beim – jungen – Phänomen der E-Scooter ist die Regulierungswut der Zuständigen aber plötzlich erloschen. Dabei wären strengere Limitierungen hier überfällig.

Schade eigentlich, denn die E-Scooter selbst sind nicht das Problem. Sie sind ein umweltfreundliches, (an sich) platzsparendes, praktisches Fortbewegungsmittel, das jeder mittelmäßig Begabte unfallfrei bedienen kann.

Wären da nicht seine Nutzer. Sie gehen mit den Scootern nämlich so um, wie man gemeinhin mit Dingen umgeht, die einem nicht gehören. So verwandeln sie die Gehsteige in einen überdimensionalen Hindernisparcours. Für eine Stadt, in der jeder Quadratmeter im öffentlichen Raum umstritten ist, ist das kein Zukunftsmodell. Andere Städte sind da weniger blauäugig.

Dass die umweltbewussten Scooterfahrer vielleicht schon bald gerade daran scheitern, dass sie zu wenig auf ihre eigene soziale Umwelt achten, ist der Treppenwitz dieser Geschichte.

Contra

Nein, denn  es kann nicht genug E-Mobilität geben. In Zeiten, in denen Zehntausende Menschen auf Wiens Straßen gehen, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren, wäre es ein Hohn, E-Mobilität zu reglementieren. Vor allem, wenn die Argumente schlechte Parkmöglichkeiten und gestörte Ästhetik sind.

Natürlich stehen manche Scooter unvorteilhaft auf dem Gehsteig und natürlich ist das für den einen oder anderen Passanten kein schöner Anblick, aber diese Problemchen sollten in der aktuellen Debatte keine Rolle spielen.

Die E-Scooter haben sich in Wien rasant vermehrt und das hat einen guten  Grund – denn sie werden gerne genutzt. Statt lange auf den Bus zu warten oder sich um viel Geld  ein Taxi zu nehmen, ist schnell ein Scooter zur Hand und der Termin rechtzeitig erreicht.

Voraussetzung dafür ist es aber, dass es genügend Scooter in den Straßen  gibt.  Würde man die Anzahl der Roller einschränken und zu lange nach einem suchen müssen, würde das das System ad absurdum führen. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h braucht sich auch niemand vor „Rowdys“ zu fürchten.

Und das Beste zum Schluss: Das Fahren mit den E-Scootern macht wahnsinnig viel Spaß. Probieren Sie es aus.