Österreich ist bei Verkehrsreduktion laut Fachleuten nachlässig
Besonders im Berufsverkehr gäbe es Potenzial.
Zusammenfassung
- Fachleute kritisieren, dass in Österreich zu wenige Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und -reduktion gesetzt werden, insbesondere bei Arbeitswegen.
- Der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs, bessere Infrastruktur für Gehen und Radfahren sowie gezielte Raumplanung gelten als wirksamste Mittel zur Reduktion des Autoverkehrs.
- Hauptverantwortung für Maßnahmen sehen die Expertinnen und Experten bei der Politik, wobei fehlender politischer Wille und wirtschaftliche Interessen als größte Hindernisse genannt werden.
In Österreich werden zu wenige Maßnahmen gesetzt, um Verkehr zu vermeiden und zu reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fachpersonenbefragung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ), an der 435 Expertinnen und Experten teilnahmen.
Besonders bei Arbeitswegen wird großes Potenzial für Verkehrsvermeidung gesehen, berichtet der Verkehrsclub in einer Aussendung. Fachleute sehen die Hauptverantwortung klar bei der Politik. Als wirksamste Mittel zur Verkehrsreduktion gelten der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und gezielte Raumplanungsmaßnahmen.
Zweischneidiges Schwert
Bei selbstfahrenden Fahrzeugen sehen Experten nur dann Potenzial zur Verkehrsreduktion, wenn sie auf den Öffentlichen Verkehr beschränkt werden. Selbstfahrende Privatautos könnten laut der Mehrheit der Fachleute hingegen zu einer Zunahme des Verkehrs führen.
"Zu viel Autoverkehr macht niemandem eine Freude: Anrainerinnen und Anrainer werden durch Abgase und Lärm belastet, Autofahrerinnen und Autofahrer stehen öfter im Stau und die Umwelt wird stärker verschmutzt. Umgekehrt profitieren viele, wenn es gelingt, den Verkehr zu verringern.
Die Luft wird sauberer und gesünder, weniger Lärm bringt mehr Lebensqualität und bei weniger Staus kommen jene, die aufs Auto angewiesen sind, schneller ans Ziel", betonte VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.
Zu wenig Maßnahmen
Laut Fachleuten in Österreich werden zu wenige Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung getroffen, obwohl diese zahlreiche Vorteile bieten würden. Die größten Vorteile sehen sie in der Reduktion von Schadstoffen, Lärm und CO2-Emissionen sowie der Attraktivierung von Ortskernen und der Senkung des Energieverbrauchs.
Die Befragung zeigt, dass das größte Potenzial bei regelmäßig zurückgelegten Wegen liegt, besonders bei Arbeits-, Schul- und Ausbildungswegen. Auch bei dienstlichen Fahrten und Freizeitverkehr sieht die Mehrheit großes Potenzial zur Verkehrsreduktion. Hol- und Bringdienste sowie Einkaufsfahrten bieten laut Fachleuten das geringste Potenzial.
Öffi-Ausbau hat großes Potenzial
Ein breiter Konsens besteht über den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs als effektivste Maßnahme zur Reduktion des Autoverkehrs. 82 Prozent sehen im Öffi-Ausbau sehr großes Potenzial, weitere 15 Prozent eher großes. 75 Prozent der Fachpersonen erkennen ein sehr großes Potenzial im Ausbau der Infrastruktur für Gehen und Radfahren.
72 Prozent sehen ein großes Potenzial in einer Raumplanung mit kurzen Wegen. Zwei Drittel der Fachleute erwarten weniger Autoverkehr durch bessere Nahversorgung und Reformen bei der Umwidmung von Grünland sowie der Stellplatzverordnung.
Der VCÖ hat auch gefragt, woran derzeit Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung scheitern. 70 Prozent sehen fehlenden politischen Willen und unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen als sehr großes Hindernis für Verkehrsvermeidung, 57 Prozent den Widerstand wirtschaftlicher Interessen und 56 Prozent die Umsetzung kontraproduktiver Maßnahmen, die zu mehr Verkehr führen.
Negative Effekte
Dazu zählen unter anderem der Bau neuer Autobahnen, Zersiedelung und klimaschädliche Förderungen, wie die Steuerbegünstigung für Diesel und für die private Nutzung von Dienstwagen. Die Hauptverantwortung, Maßnahmen zu setzen, sehen die Fachleute bei der Politik.
Bei der Bundespolitik sehen 78 Prozent der Expertinnen und Experten sehr hohe Verantwortung, bei Städten und Gemeinden 76 Prozent und bei den Bundesländern 74 Prozent. Am geringsten wird die Verantwortung bei Freizeiteinrichtungen gesehen.
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