Chronik | Österreich
01.11.2018

Noch während Aufräumarbeiten: Regen lässt Gefahr wieder steigen

Neuen Schäden durch Starkregen in Kärnten befürchtet. Sturm beschädigte am Attersee bis zu 100 Boote.

Johann Windbichler war Donnerstagmittag zwischen Erleichterung und Sorge hin- und hergerissen. „Dank Bundesheer und Feuerwehr ist das Lesachtal wieder für Versorgung zugänglich. Aber es beginnt gerade wieder stark zu regnen. Und die Hänge sind bereits vollgesogen“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Lesachtal.

Das Tal im Bezirk Hermagor wurde durch Unwetterschäden von der Außenwelt abgeschnitten, die Infrastruktur stark beschädigt. „Die Straße zwischen Maria Luggau und Sankt Lorenzen ist auf einer Länge von 150 Metern abgerutscht“, erzählte Windbichler, der bei zu heftigen Niederschlägen weitere Hangrutschungen befürchtet.

Eine Sorge, die nicht nur der Ortschef hatte. Während im ganzen Bundesland die Aufräumarbeiten nach den schweren Unwettern liefen, verschärften erneute starke Regenfälle in Oberkärnten die Lage wieder. Um 13 Uhr wurde Zivilschutzwarnung für die Mölltaler Gemeinde Mörtschach (Bezirk Spittal) wegen drohender Hangrutschungen gegeben.

Im Gailtal konzentrierten sich die Arbeiten auf die Schäden an angebrochenen Dämmen. „Wir haben 80 Kilometer an Dämmen, da kann an jeder Ecke was passieren“, sagte Heinz Pansi, Bezirkshauptmann von Hermagor. Für Freitag ist im Süden Österreichs neuerlich Regen prognostiziert.

Bis zu 100 Botte am Attersee beschädigt

Das Tief, das in der Nacht auf Dienstag nicht nur mit Starkregen, sondern auch mit  Föhnsturm über Österreich gezogen ist, hat auch in anderen Bundesländern große Schäden angerichtet. Im oberösterreichischen Seengebiet wurde das ganze Ausmaß erst am Donnerstag sichtbar. Allein am Attersee sind laut Wasserrettung 50 bis 100 Boote vollgelaufen, gesunken oder an Ufer und Stege geschleudert worden.

Unwetter am Attersse: Boote zerstört

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Die Bestandsaufnahme der Schäden im am stärksten betroffenen Kärnten und dem benachbarten Osttirol wird noch Tage dauern. Nachfragen bei Experten zu Schäden an Wald, Landwirtschaft, Forst oder Schutzbauten zu ihren Bereichen werden fast durchwegs mit demselben Satz beantwortet: „Das geht in die Millionen.“

Katastrophenjahr

2018 wird jedenfalls als das Jahr der Wetterextreme in Erinnerung bleiben, Frühjahr und Sommer waren sehr launisch: Dürre von Vorarlberg über Oberösterreich bis Niederösterreich, während in Kärnten und der Steiermark Starkregen prasselte oder Hagel niederging. Auffällig waren heuer auch die ortsfesten Gewitter: Weil es zeitweise wenig Wind gab, bewegten sich die Unwetterzellen kaum weiter und regneten sich über einem Fleck aus. Die Folgen waren lokale, aber heftige Überschwemmungen oder Murenabgänge.

Das hat auch eine finanzielle Seite. Die Hagelversicherung kalkuliert heuer Schäden für die Landwirtschaft in Höhe von 270 Millionen Euro, 85 Prozent davon als Folge der Dürre. Das ist verglichen mit dem Vorjahr ein Plus von 20 Millionen. Auf die Versicherungswirtschaft scheint ein Rekordjahr zuzukommen. So rechnet allein die Wiener Städtische Versicherung, dass sie für bisher gemeldete Schäden von 50 Millionen Euro aufkommen muss.

Darin sind die jüngsten Fälle noch längst nicht berücksichtigt: Die Sturmschäden vom Wochenbeginn beziffert die Versicherung vorerst mit fünf Millionen Euro.

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