Chronik | Österreich
04/10/2019

Nach Razzien: Neonazi-Konzert war als Geburtstagsparty getarnt

Der Bürgermeister von St. Barbara im Mürztal und gleichzeitig Vermieter der Location wusste nichts vom rechten Treiben.

Im März 2018 feierte eine Gesellschaft im Veitscherhof den Geburtstag ihres Freundes. Was im ersten Moment harmlos klingt, entpuppte sich als Fall für den Verfassungsschutz. Die Gäste waren nämlich allesamt Neonazis und als Überraschungsgast, trat ein einschlägig bekannter Sänger auf.

Elf Durchsuchungen in der Steiermark

Die Veranstaltung war Ausgangspunkt für 32 Razzien, die am Dienstag in allen Bundesländern, außer Tirol, durchgeführt wurden. Die Staatsanwaltschaft Leoben hat am Mittwoch noch Details zu den 32 Hausdurchsuchungen in der rechtsextremen Szene genannt: Unter den 32 verdächtigen Österreichern, bei denen Datenträger und Waffen sichergestellt wurden, befinden sich 26 Männer und sechs Frauen. Sie sind im Alter von 24 bis 50 Jahre. Elf und damit die meisten der Hausdurchsuchungen erfolgten in der Steiermark.

Die Polizei durchsuchte nur wenige Tage später die Location. Der Bürgermeister von St. Barbara erfuhr erst dadurch, was in seinem Veranstaltungszentrum los gewesen ist. „Ich bin gerade vom Skigebiet Nachhause gefahren und habe die Polizei gesehen. Der Veranstaltungsort war früher ein Gasthof und gehört jetzt der Gemeinde“, sagt Jochen Jance (SPÖ) zum KURIER. Die Miete für den Saal kostete die Neonazis nur 60 Euro.

Mieter aus dem Nachbarort

Dass nicht genauer geprüft wurde, was da im Veitscherhof eigentlich veranstaltet wird, lag daran, dass der Mieter aus der Nachbarortschaft kam. „Wenn jemand aus Niederösterreich oder Wien mieten will, fragen wir schon genauer nach. Aber der Mann kam aus dem Nachbarort, da haben wir nicht weiter nachrecherchiert“, sagt Jance. Nun stünde er aber auf einer Sperrliste.

Von einer rechten Organisation im Ort oder der Umgebung, weiß Jance nichts.