Ärztekinder im Vorteil: Wer ins Medizinstudium kommt
Ärzte kommen vorwiegend aus Akademikerfamilien. Ein gesellschaftspolitisches Pulverfass?
Wenn sich am Freitag 17.000 junge Frauen und Männer beim Medizin-Aufnahmetest um einen der österreichweit 1.950 Studienplätze bewerben, stehen die Erfolgschancen für Interessierte aus Akademikerfamilien und mit Ärzteverwandtschaft besonders gut. Mit Einführung der Aufnahmeverfahren 2006 wurde der Zugang für Bewerber ohne akademischen Hintergrund noch etwas schwieriger. Ist erst einmal ein Platz ergattert, ist ihre Aussicht auf einen erfolgreichen Abschluss aber höher als davor.
In Österreich studieren vor allem jene, deren Eltern auch schon einen Hochschulabschluss haben. Besonders hoch ist der Anteil der Akademikerkinder in der Medizin: Während laut Studierendensozialerhebung 2025 des IHS über alle Hochschultypen (Uni, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule, Privatuni) hinweg 45 Prozent der Studierenden zumindest einen Elternteil mit Hochschulabschluss hatten, waren es an den Medizin-Unis 58.
Dass ein guter Teil dieser Eltern sogar selbst ein Medizinstudium absolviert hat, hat eine 2017 veröffentlichte Untersuchung gezeigt: Für diese wurden an den drei öffentlichen Medizin-Unis Studierende im ersten Jahr zu ihrer Verwandtschaft befragt. Bei 20 Prozent war der Vater Arzt, bei sechs Prozent die Mutter. Insgesamt gaben 45 Prozent an, Ärztinnen oder Ärzte in ihrer Verwandtschaft zu haben. In früheren Studien waren es sogar noch etwas mehr.
Nachteile für Bewerber aus nicht-akademischem Elternhaus
Eigentlich hat die Bundesregierung als Ziel ausgegeben, dass bis 2025 die Hälfte der Studienanfänger in Human- oder Zahnmedizin aus einem nicht-akademischen Elternhaus kommen soll. Davon hat man sich in den vergangenen Jahren tendenziell allerdings sogar entfernt: Laut einer Evaluierung durch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) fielen 2023/24 nur knapp 43 Prozent in diese Gruppe (Kriterium ist ein Vater ohne Hochschulabschluss, Anm.), fünf Jahre davor waren es noch 47. Zumindest an der Medizin-Uni Wien wurde laut einer Auswertung für die APA die 50-Prozent-Hürde in den vergangenen beiden Jahren knapp genommen.
Die Anfang der 2000er eingeführten Aufnahmeverfahren haben die soziale Selektivität im Medizin-Studium laut einer Evaluierung des IHS von 2020 noch verstärkt. Beispiel Medizin-Uni Wien: Dort kamen 2019/20 zwar 40 Prozent der Angemeldeten aus einem nicht-akademischen Elternhaus, unter den Inskribierten waren es dann nur noch 31 Prozent. An den Medizin-Unis Graz und Innsbruck bzw. der Medizin-Fakultät Linz war der „Schwund“ teilweise etwas geringer, aber ebenfalls vorhanden. Gleichzeitig ist seit Einführung der Aufnahmeverfahren auch für Studierende, die nicht aus einem Akademikerhaushalt kommen, die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Abschluss deutlich gestiegen: Mehr als acht von zehn schaffen es zum Diplom.
Vier von zehn schaffen Test beim ersten Mal
Apropos Erfolgschancen: Nur eine Minderheit ergattert beim bundesweit einheitlichen Aufnahmetest MedAT auf Anhieb einen Studienplatz, 2018/19 waren es laut IHS-Studie gerade einmal vier von zehn Bewerbern. Ebenfalls rund 40 schafften es dann beim zweiten Versuch. Dementsprechend viele Testeilnehmende kommen mit Vorerfahrung: 2025 waren an der Medizin-Uni Wien nur die Hälfte der Testteilnehmer Neulinge. 30 Prozent sind schon zum zweiten Mal angetreten, für elf Prozent war es das dritte Mal.
Besonders selten kommen Testteilnehmer zum Zug, die gerade erst maturiert haben: Gerade einmal sieben Prozent aus dem Maturajahrgang 2025 haben im Vorjahr an der Medizin-Uni Wien sofort einen Studienplatz erhalten. Ein Drittel der Studienplätze ging damals an Testteilnehmer aus dem Maturajahrgang 2024, 28 Prozent aus dem Jahrgang 2023.
Jene, die keinen Platz bekommen, weichen vorübergehend vor allem in naturwissenschaftliche Studien aus, wo die Chancen auf Anrechnung von Studienleistungen besonders gut stehen. Dauerhafte Ausweichstudien sind laut der IHS-Evaluierungsstudie für je ein Viertel Naturwissenschaften oder auch - Stichwort Berufsprestige - Rechtswissenschaften.
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