Beim Hausgnost schmeckt das Herrengulasch auch den Damen

Wo Peter Turrini sein Salzstangerl verlangt, das Menü unter zehn Euro kostet und das Herrengulasch auch Damen schmeckt.
Manfred und Martina Hausgnost mit einem Glaserl Wein in der Hand.

Von Achim Schneyder

Wenn ein Landgasthaus „Gasthaus an der Kreuzung“ heißt, ist’s meist recht einfach, dieses Gasthaus auch auf Anhieb zu finden. Sofern man weiß, wo sich diese Kreuzung befindet. Die, um die es hier geht, befindet sich im Weinviertel. In Guntersdorf. Und zwar dort, wo Unterort, Oberort und Thayatalstraße in die Kirchengasse münden. Ganz in der Nähe des örtlichen Schlosses übrigens.

„Seit wann es ein Gasthaus ist, ist nicht ganz klar, Hauschronik gibt’s nämlich keine“, sagt Manfred Hausgnost, der Chef. „Vielleicht seit hundert Jahren, vielleicht auch schon länger.“ 

Manfreds Familie hat es jedenfalls 1964 übernommen. Erst der Opa, dann ein Onkel, schließlich der Vater und nach dessen Tod 1980 die Mutter. „Es war von Anfang an ein typisches Dorfwirtshaus mit einfachen Gerichten wie Würstel mit Saft oder Schnitzel und Hochzeitsfesten und Leichenschmaus.“

1993 aber war’s der Mutter endgültig zu viel, also übernahm der damals 25-jährige Manfred gemeinsam mit seiner 20-jährigen Freundin und heutigen Frau Martina das Familienwirtshaus gewissermaßen über Nacht. 

Nach Hause kommen

„Wir haben uns im Golfklub Schönborn kennengelernt, wo er gekocht hat und ich als Aushilfe tätig war, und obwohl wir erst ziemlich frisch zusammen waren, bin ich gleich mit Sack und Pack und mit ihm nach Guntersdorf, als seine Mutter ihn gebeten hat, nach Hause zu kommen“, sagt Martina, die sich im Lauf der Jahre zu einer ganz besonders charmanten Gastgeberin gemausert hat, während er, der einst im Restaurant Tuttendörfl in Korneuburg die Lehre absolvierte und danach drei Jahre auf Saison in der Schweiz recht gutes Geld verdiente, endlich sein eigener (Küchen-)Chef war.

Gabi und Barbara vom Hausgnost-Personal.

Gabi und Barbara vom ganz besonders netten Personal.  

„Einfach war’s nicht, das Ziel hieß erst einmal überleben“, sagt Manfred. „Wir mussten Schulden machen, um umbauen zu können, und am Anfang waren wir nur zu viert. Meine Mutter hat mir in der Küche g’holfen, der Bruder im Service. Das war’s. Aber ich hab trotzdem vom ersten Tag an versucht, die Küche auf ein neues Niveau zu heben.“ 

Das letzte Wirtshaus

So gab’s im Hause Hausgnost plötzlich Dinge wie Beef Tatar, Kalbszüngerl, g’schmorten Lammschlögel, allerbestes Herrengulasch, also ein Rindsgulasch mit Gurkerl, Spiegelei und Würstel, und Nachspeisen ebenfalls vom Feinsten. 

Das klassische Herrengulasch angerichtet auf einem weißen Teller.

Ein Dauerbrenner seit Tag eins: das klassische Herrengulasch. 

Manfreds Marillenknödel beispielsweise genießen Kultstatus. „Und was früher ganz wichtig war, war das tägliche Menü. Gut und kostengünstig. Das haben wir bis heute beibehalten, auch wenn wir uns nicht mehr darüber definieren. Aber ein Menü braucht’s in einem Ort wie diesem.“ 

Speziell, wenn es, wie’s in der 1.150-Einwohner-Gemeinde Guntersdorf inzwischen leider der Fall ist, nicht mehr drei Gasthäuser gibt wie noch 1993, sondern nur noch eines.

Wohnen im Milchhaus

Zu dem inzwischen auch vier äußerst großzügige Appartements gehören, die die Hausgnosts im sogenannten „Milchhaus“ haben bauen lassen, dort also, wo die örtlichen Bauern früher die Milch ablieferten. „Das macht zwar zusätzlich Arbeit“, sagt Martina, „aber das war es uns wert.“

Manfred Hausgnost hat sich seine Gäste über die Jahre auch ein Stück weit erzogen. „Gebackenen Fisch etwa gibt’s ja fast überall“, sagt er, „und fast überall ist’s Tiefkühlware. Die gibt’s bei uns auch, wenn der Fisch Menü ist, aber bei uns gibt’s immer gebackene Filets vom Waldviertler Karpfen, weil frischer Karpfen aus einer wirklich guten Zucht ein herrlicher Fisch ist. Und das sehen viele unserer Gäste inzwischen auch so.“

Ein frisches Salzstangerl muss im Haus sein

Umgekehrt gibt’s aber auch Gäste, die sich die Wirtsleut’ erziehen oder, wie in diesem Fall, erzogen haben. „Wir müssen immer schauen, dass zumindest ein frisches Salzstangerl im Haus ist. Es könnt ja sein, dass der Turrini kommt“, sagt Manfred.

Der Schriftsteller Peter Turrini ist nämlich ein Stammgast, und das seit bald zwei Jahrzehnten. Der gebürtige Kärntner lebt nicht weit von Guntersdorf in Kleinriedenthal bei Retz, und wenn er sich anschauen lässt, besteht er auf einem frischen Salzstangerl als Vorspeise vor der Vorspeise. 

Und über das „Hausgnost“ sagte er einst in einem Buch, in dem Prominente ihre liebsten Wirte vorstellten, Folgendes: „Solche Wirtshäuser mag ein Proletenbub wie ich, weil sie mir kein feines Verhalten abverlangen. Luxus ist nämlich nichts für mich, was ich brauch, sind ein Holztisch, eine Holzbank, mehr oder weniger hässliche Vorhänge und eine ehrliche Küche.“

Einspruch, Herr Dichter! Hässlich sind die Vorhänge nicht, aber das mit der Küche, das stimmt. Ehrlich und so richtig gut. Und jetzt, da endlich Frühling ist, sollte man diese Küche im wunderbaren Gastgarten im Hinterhof genießen.

Prost, Mahlzeit!

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