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Ein Fischlokal am See: Wie der Wirt seinen Kindheitstraum rettete

Gerhard Satran und sein Sohn Florian haben in der alten Esse der Ossiacher „Stiftsschmiede“ neues Leben entfacht. Es gibt Fisch.
Gerhard (li.) und Florian Satran auf ihrer Seeterrasse mit zwei Saiblingen

Niemand würde eine Augenbraue heben, wenn 16-Jährige davon träumen, einmal den Eurovision Song Contest zu gewinnen. Oder eine App zu entwickeln, mit der man steinreich wird. Alles ganz normal, man wird ja noch träumen dürfen. Und jetzt: Augenbrauen hoch! „Ka Schmäh“, sagt Gerhard Satran, heute 55 Jahre alt, „aber ich hab’ mit 16 davon geträumt, einmal ein Fischlokal an einem See zu haben.“ 

Entscheidend ist aber, wo er das sagt.

Gerhard Satran steht auf einer weitläufigen, mit feinem Kies bestreuten Terrasse und blickt über einen um diese Jahreszeit noch ährenfarbenen Schilfgürtel hinaus auf das dunkelsmaragdene Wasser des Ossiacher Sees.

Es ist seine Terrasse, und sie gehört zu seinem Lokal am See. Seit 26 Jahren führt er die „Stiftsschmiede“ neben dem Stift Ossiach. Und es ist natürlich in erster Linie ein Fischlokal. Süßwasserfisch, sagt Gerhard Satran. „Das hat damals, wie ich angefangen hab’, in Kärnten kaum wer gemacht außer dem Sicher in Tainach, der eine eigene Saiblingszucht hat.“ Es gab nicht mehr als gebackenen Dorsch, und in den Forellenstationen an den Teichen konnte man sich seinen Fisch mit einem Wurm selbst aus dem Wasser holen und verbrutzeln lassen.

Wiederaufbau

Heute ist die „Stiftsschmiede“ eine landesweite Institution in Sachen Fisch, vor allem dank der recht ungewöhnlichen Möglichkeit, ihn zuzubereiten. Das alte Gemäuer, nachweisbar bis ins Jahr 900 und somit eines der ältesten Gebäude am Ossiacher See, beherbergt immer noch eine stattliche Esse, in der man mit offenem Feuer kochen kann.

Die historische Esse in der Stifrsschmiede.

Die historische Esse: Früher wurden Schlösser geschmiedet. 

Es ist beinahe erstaunlich, dass hier über all die Jahrhunderte keine Gastronomie betrieben wurde – weder eine Ausspanne, wo Reiter und Pferde sich laben konnten, noch ein Klosterbräu, wo Mönche – in Ossiach waren es Benediktiner – ihr Bier ausschenkten. „Das war immer der Baucontainer vom Stift“, sagt Gerhard Satran in der für ihn typischen pointierten Art, „da haben sie den Krempel gelagert und die Beschläge und Schlösser fürs Stift geschmiedet.“

Und dann, 1980, kam Satrans Vater Gerhard senior mit großen Plänen für das Haus. Er wollte es zu einem Veranstaltungsort ausbauen – nicht in Konkurrenz, sondern in Kooperation mit dem 1969 gegründeten renommierten Kulturfestival „Carinthischer Sommer“.

Aber das kam nicht besonders gut an in Ossiach

Der Vater verlor die Lust und etablierte stattdessen die Burgarena Finkenstein. Die Schmiede, sagt Sohn Gerhard, „ist dann, auf gut Deutsch, vergammelt.“ Im Jahr 2000 kaufte er sie dem Vater ab – und erfüllte sich jenen Traum, den er mit 16 hatte. Und den ein Kabelbrand im Jahr 2012 wieder zu vernichten schien. Die Schmiede brannte nieder.

Aber als die Glut erloschen war und Gerhard Satran durch die Brandruine stapfte, „hab’ ich aus der schwarzen Asche kleine grüne Triebe kommen gesehen, und in dem Moment hab’ ich mir gedacht, es geht weiter“. Ein halbes Jahr später stand sie wieder, originalgetreu nachgebaut.

Währenddessen trieb Satrans Sohn Florian in den besten Häusern seine Kochkarriere voran. Er lernte im Salzburger Ikarus und bei den Brüdern Obauer. Aber er vermisste Ossiach. „Schickt’s mir ja keine Fotos vom See“, sagte er zum Vater. 

Manchmal fuhr er nach Küchenschluss von Werfen heim, schwamm am nächsten Tag zeitig in der Früh eine Runde im See und machte sich wieder auf den Weg nach Salzburg. „Im Lockdown 2020 hab’ ich den Papa angerufen und gesagt, ich würde gern wieder heimkommen“, erzählt Florian. Und der Vater sagte: „Okay, die Kuchl g’hört dir.“

Rares aus Fluss und See

Florian Satran liebt es, mit Buchenholz auf der Esse zu kochen. Er braucht diesen ganzen elektrischen Küchenkram längst nicht mehr. „Bei uns piepst nix, blinkt nix, und wenn du dort jeden Tag stehst, hast du die richtigen Temperaturen bald im kleinen Finger.“ 

Saibling  und Schmorgemüse in der Rein.

Kochen ohne Strom: Saibling  und Schmorgemüse in der Rein. 
 

Es sind vor allem Fische abseits des Kanons, die ihn reizen: die seltene Aalrutte, ein mit dem Dorsch verwandter Süßwasserfisch, dessen Leber eine rare Delikatesse ist, die oft unterschätzte Schleie, oder der Forellenbarsch, den es seit einem Hochwasser im Wörthersee gibt, weil einige Barsche aus einer Zuchtanlage in den See gespült wurden. Vom Wörthersee – und aus Markus Payrs nachhaltiger Fischzucht in Sirnitz – kommt ein Großteil der Ware; am Ossiacher See gibt es keine Berufsfischer mehr, seit dort nur noch die Sportfischerei erlaubt ist.

Jetzt rüstet sich die neue alte Schmiede wieder für den Sommer, auch den „Carinthischen Sommer“, mit dem die Satrans eine wertschätzende Beziehung pflegen. „Vor allem seit dort Nadja Kayali die künstlerische Leitung hat“, wie Gerhard Satran betont. Dann gibt es nach den Konzerten im Stift einen „kulinarischen Nachklang“. Und der hallt oft bis spät in die Nacht über den See, von dem der „Fischeschmied“ schon als Teenager geträumt hat.

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