Steirereck-Ableger: Das macht das Wirtshaus am Pogusch so anders
Von Achim Schneyder
Wer hierzulande „Wirtshaus“ sagt, kommt nicht umhin, irgendwann auch „Wirtshaus am Pogusch“ zu sagen. Ich tue es hier und heute. Wobei schon klar ist, dass die steirische Zweigstelle von Birgit und Heinz Reitbauers österreichischem Vorzeigerestaurant „Steirereck im Stadtpark“ kein gewöhnliches Wirtshaus ist. Von Geheimtipp ganz zu schweigen. Sollten Sie jedoch – Stichwort Geheimtipp – Appetit auf die vermutlich beste Blunzen weit und breit haben, sei Ihnen der Ausflug in die Hochsteiermark dringend ans Herz gelegt.
Das „Wirtshaus am Pogusch“ – Heinz Reitbauer nennt es „meine zweite Heimat“ – ist Herzstück einer über die Jahre gewachsenen Welt, die in dieser Form wohl einzigartig ist. Gelegen auf einer Seehöhe von 1.050 bis 1.100 Metern, erstreckt sie sich über eine Gesamtfläche von gut 60 Hektar, wobei aktuell allein 20 der Land- und Viehwirtschaft gewidmet sind. Kräuter- und Gemüsebeete, Äcker voller Erdäpfel aller nur erdenklichen Sorten, weite Streuobstwiesen, dazu zwei imposante Glashäuser mit weiteren essbaren Gewächsen – Zitrusfrüchte inklusive –, und im großen Glashaus finden sich für Gäste des Hauses überdies zehn Kabanen, sprich Schlafkojen.
Wo man am Pogusch außerdem nächtigen kann, und das traumhaft schön und sehr exklusiv: in den Zimmern im alten Stall, im nahen Wald in den sogenannten Baumhäusern, in den Vogelhäusern hinten am Hang und in der Jagd- und in der Rehleinhütte. Tja, 60 Hektar Grund und Boden eben …
Viel Platz im Schafstall. Und auf den Weiden noch viel mehr.
„Insgesamt haben wir drinnen und draußen inzwischen mehr als 500 verschiedene Pflanzensorten, die in der Küche Verwendung finden“, sagt Heinz. „Und was die Tiere betrifft, gibt’s in unseren Ställen Lämmer, Schweine, Hühner und Ziegen. Und von befreundeten Bauern bekommen wir Kälber, die täglich mit bis zu zwölf Litern lauwarmer Milch und zwei Eiern aufgezogen werden. Geschlachtet wird einmal die Woche hier bei uns im eigenen Schlachtraum.“
Fast könnte man sagen, die Reitbauers sind Selbstversorger, die ihre Gäste einfach gleich mitversorgen.
Aus eins mach neun
Heinz Reitbauers Vater Heinz sen. und Mutter Margarethe haben den Betrieb, damals eine Jausenstation inklusive Landwirtschaft, 1992 erworben, von Grund auf saniert, vergrößert und 1996 neu eröffnet. Heinz jun. sollte die Küche auf entsprechend standfeste Beine stellen und, so war’s geplant, ein Jahr bleiben. Geworden sind neun draus. „Dann aber haben Birgit und ich 2005 das von der Rasumofskygasse in den Stadtpark übersiedelte Steirereck aufgesperrt und uns parallel – und mit den Eltern – um den Pogusch gekümmert“, sagt Heinz. „Aber dort war zu diesem Zeitpunkt ohnehin längst mehr als bloß ein Fundament gelegt.“
Seit Tag eins fix im Angebot: der Wildkarpfen mit Püree.
2021 haben die Reitbauers im davor generalüberholten und inzwischen zu rund 75 Prozent energieautarken Gesamtkunstwerk Pogusch schließlich die neue Schankkuchl eingeweiht. Eine offene Schauküche mit eindrucksvollem Ofen samt offenen Feuerstellen, einer eigenen, jener des Steirereck partiell nicht unähnlichen Speisekarte, und einem langen Hochtisch, an dem man mitten im Geschehen sitzt – großes kulinarisches Theater unter der Regie von Küchenchef Manuel Weißenböck.
Jürgen Schneider wiederum, seit 21 Jahren am Pogusch an Bord, ist heute Küchenchef der an die Schankkuchl angrenzenden Wirtshausküche. Und als solcher hat Jürgen das von Heinz erdachte Küchenkonzept mitzuverantworten, das so aussieht: Am Mittwoch lautet das Motto „Garten. Feld. Wald.“, da steht also Gemüse, sprich grüne Küche, im Mittelpunkt. Am Donnerstag heißt’s „O’gstochen hamma“, da dreht sich alles um Innereien von Lamm, Schwein und Milchkalb. Der Freitag wiederum bringt als „Süßwassertag“ heimischen Fisch auf den Tisch, während am Samstag der „Tag des steirischen Kalbes“ begangen wird.
- Wo?
8625 Pogusch 21, 03863/2000, steirereck.at/pogusch. - Wann?
Mi. ab 17, Do. bis Sa. ab 11 Uhr. - Was und wie viel?
Abgesehen von den Thementagen Fisch, Gemüse, Innereien und Kalb gibt’s u. a. das folgende immer: Ochsentatar 22,50 €, Backhendl 19,50 €, Wildkarpfenfilet mit Püree 22,50 €, Lammschlögel und Lammleber 33,50 €, Rindsroulade 30,50 €, gebackenes Schweinsschnitzel 20,50 €, gedämpfter Waller 29 €; Süßes von Fedlkoch (7,50 €) über Schokoknödel (10,50 €) bis Tag & Nacht-Pudding für zwei (35 €); große Käseauswahl. - Warum?
Weil’s kaum wo so schön ist wie hier, und weil ein Besuch mehr bedeutet als bloße Nahrungsaufnahme. Ein Erlebnis ist auch der begehbare Wein-Kühlraum zum Aussuchen und dann im Freien genießen. Vieles auch im Shop: die Blunzen etwa.
Jeder Tag ein anderer Tag also, und jeder Tag ein guter. Aber freilich gibt’s auf der Karte auch Klassiker wie gebackenes Schweinsschnitzel, Wiener Schnitzel, Backhendl, gebratenen Lammschlögel und Wildkarpfen. Oder eben die erwähnte Blunzen. Und all diese und andere Klassiker gibt’s von Mittwoch bis Samstag.
Heinz Reitbauer ist – von seinem seit Jahren gesattelten Steckenpferd Nachhaltigkeit abgesehen – angetrieben und beseelt von seiner Lebensaufgabe und Lebensidee, nur allerbeste Produkte zu verarbeiten. Nicht nur geschmacklich perfekte, sondern in jeder Hinsicht außergewöhnliche und besondere. „Das Essen“, sagt er, „soll die Gäste nicht sättigen, das Essen soll sie im besten Sinne des Wortes nähren. Dafür sind gesunde Lebensmittel nun einmal die Grundvoraussetzung. Und zwar ausschließlich gesunde.“
Willkommen am Pogusch!
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