Lawinen-Gefahr: Wie man Warnsignale erkennt und sie deutet
Weiße Berge, schöne Abfahrten, strahlender Sonnenschein. Ideale Bedingungen für Wintersportler? Nicht unbedingt. Aktuell ist die Lawinengefahr besonders hoch und viele Wintersportler unterschätzen die Gefahr. Am Donnerstag ist eine Frau in Vorarlberg von einem Schneebrett mitgerissen und verletzt worden. Am Freitag ist bei einem Lawinenabgang im Bereich der Skipiste im Tiroler Ischgl eine Person gestorben.
Die Regel: Sich kopflos ins freie Gelände zu stürzen, kann Leben kosten – sich vor der Tour genau zu informieren, kann Leben retten.
Stufe drei
Fünf Lawinenwarnstufen gibt es. In der Realität besonders gefährlich sei Warnstufe drei, sagt Klaus Wagenbichler, Lawinenexperte der österreichischen Bergrettung: „Die Stufe markiert den Übergang von günstigen Bedingungen zu extremen. Die Sportler können da die Gefahr am wenigsten einschätzen.“
Am Freitag galt in der Region Ischgl laut dem Lawinen.Report Warnstufe 3. Dabei ist schwacher Altschnee die Hauptgefahr. Das heißt, dass in den oberen Teilen der Schneedecken sogenannte Schwachschichten sind. Die können von Wintersportlerinnen und Wintersportlern leicht ausgelöst werden. Die Gefahrstellen liegen oberhalb von 2.000 Metern. Besondere Gefahrenzonen sind aber Rinnen, Kammlagen und Mulden.
Die Gefahrenstellen sind laut Lawinen.report zudem zwar zahlreich aber sehr schwer zu erkennen.
Wie erkenne ich Warnsignale?
- Wummgeräusche: Ein Wummgeräusch gilt als deutliches Alarmzeichen. Es beschreibt ein markantes Geräusch, das sich beim abrupten Setzen der Schneedecke ergibt, wenn eine Schwachschicht zusammenbricht. Es entsteht durch den aus der Schneedecke herausgepressten Luftanteil der Schwachschicht. Wummgeräusche sind ein Zeichen einer instabilen Schneedecke und oft verbunden mit Rissbildung.
- Risse: Bildung von Rissen in einer spröden Schneedecke sind ein Anzeichen für Spannungen und Instabilität in der Schneedecke.
Wenn diese Warnsignale auftreten, sollte man eine andere Route wählen.
Zur Standardausrüstung gehören ein Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde. Wie man all das bedient, lehren alpine Vereine.
Aktuelle Lageberichte sind unter Lawinen.report abrufbar.
Auch Wetterlage entscheidend
Ohnehin würde ein Blick auf die Zahl allein nicht ausreichen: „In jeder Lawinenkarte gibt es einen Lagebericht für die jeweilige Region. Darin steht genau, welche Stellen man meiden sollte.“ Diesen Bericht gelte es vor jeder Tour zu studieren, die Situation kann sich schlagartig ändern.
Für Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport beim Alpenverein, ist daher ein Check der Wetterlage ein Muss. Vor allem starker Wind kann gefährlich werden. Er kann zu Triebschnee führen – verwehtem Neuschnee, der keine Bodenhaftung hat und leicht als Lawine abgehen kann. Teilweise bedingt auch das eigene Verhalten Lawinen – etwa, wenn Sportler zu eng in der Gruppe unterwegs sind.
Umso wichtiger ist es laut Lawinenexperte Wagenbichler, stets auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Neben der richtigen Ausrüstung – Schaufel, Lawinenverschüttetensuchgerät, Sonde –, die man in der Praxis bedienen können muss, braucht es im freien Gelände zudem eines, sagt Larcher: „Die ständige Bereitschaft, umzudrehen.“
Wenn Sie in eine Lawine geraten oder beobachten, wie Personen von einer Lawine erfasst werden, ist es wichtig, schnellstmöglich den Notruf zu wählen.
- In Österreich wählt man dazu den alpinen Notruf 140
- Man kann auch die europäische Notrufnummer 112 wählen
- Nur in Vorarlberg gilt der allgemeine Rettungsnotruf 144
Sollte das Handy keinen Empfang haben, kann man das Handy neu starten und statt des Pins die Nummer 112 wählen.
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