Tödliche Kuh-Angriffe auf der Alm: "Hunde sollten daheim bleiben"
Wer das Verhalten der Kühe beobachtet, kann entsprechend reagieren.
Kühe, die Menschen töten: Vorfälle wie der Tod jener 67-Jährigen kürzlich in Tirol, die von einer Kuhherde totgetrampelt wurde, erschüttern – und werfen Fragen auf. Wie kann das Miteinander zwischen Mensch und Tier auf den heimischen Almen besser funktionieren?
Derzeit ist Almauftrieb. Herden werden auf die Grünflächen auf den Bergen gebracht, um dort den Sommer zu verbringen. Es ist eine sensible Zeit für die Tiere, die sich erst an das neue Umfeld und noch unbekannte Artgenossinnen gewöhnen müssen.
„In der ersten Woche gibt es da eine gewisse Unruhe, bis sich die Kühe angefreundet haben“, sagt Johann Feßl, Obmann des Vereins für Alm und Weide in Oberösterreich. Umso mehr gelte es, Rücksicht zu nehmen: „Wir Wanderer sind die Gäste und zweitrangig. Für die Kühe ist die Alm ihr Zuhause.“
Verhalten lässt sich nicht einschätzen
Warum es in den vergangenen Jahren gehäuft zu Vorfällen mit Kühen kommt, die teils mit dem Tod oder mit schweren Verletzungen enden, versucht der Landwirt so zu erklären: „Man darf nicht alle in einen Topf hauen, aber es gibt schon viele Leute, die in die Berge gehen und sich nicht oder zu wenig mit dem befassen, was sie dort erwartet.“ Nämlich unter anderem (große) Tiere mit Instinkten. „Das Verhalten von Kühen lässt sich nicht 100 Prozent einschätzen, ein Restrisiko bleibt immer bestehen“, so Feßl.
Immer Hunde involviert
Das Risiko, dass Kühe aggressiv werden, schnellt enorm nach oben, wenn Hunde im Spiel sind – das zeigen die jüngsten Vorfälle. Bei jedem Einzelnen war ein Hund involviert.
- Mai 2026 Eine 67-Jährige wird in Osttirol von einer Kuhherde getötet. Ihr Mann landet schwer verletzt im Spital. Ein Hund soll die Tiere erschreckt haben.
- August 2025 Ein älteres Ehepaar aus Wien mit Hund wird beim Wandern am Dachstein von einer Kuhherde attackiert und schwer verletzt. Der Mann (85) stirbt wenig später im Spital.
- Juli 2025 Eine 44-Jährige wird auf einer Alm bei Schladming von einer Kuhherde überrannt und schwer verletzt. Die Frau war mit ihrem Mann und ihrem Hund unterwegs gewesen. Dabei dürfte der Hund den Mutterkühen zu nahe gekommen sein.
- August 2024 Ein 57-Jähriger wird mit seinem Hund auf einer umzäunten Kuhweide in Tirol attackiert. Er wird durch die Hufe der Tiere verletzt.
- Juni 2024 In Bad Hofgastein wird eine 40-Jährige von einer Kuhherde getötet. Sie war mit ihren beiden Töchtern und zwei kleinen Hunden unterwegs.
Leine loslassen
„Ich mag Hunde und ich verstehe, dass man sie in der Natur dabei haben will. Bei Wanderungen auf der Alm sollten sie allerdings zu Hause bleiben.“
Es mache keinen Unterschied, ob der Hund ein Rehpinscher oder ein Schäfer sei. Unabhängig von der Größe löst er speziell bei Mutterkühen den Schutzinstinkt aus, weil sie ihn mit einem Wolf verwechseln und ihren Nachwuchs vor der vermeintlichen Bedrohung beschützen wollen. „Der größte Fehler ist dann, die Leine nicht loszulassen, wenn eine Kuh angreift“, sagt Johann Feßl. Wer seinen Hund loslässt, kann den Zusammenprall mit der wilden Mutterkuh eventuell vermeiden.
Verhalten der Tiere beobachten
Ganz allgemein sei es wichtig, Kühe beim Vorbeiwandern zu beobachten: Wenn sie schnauben oder unruhig sind, ist der Bogen, der um die Tiere gemacht wird, besser ein noch größerer. „Und füttern ist eine ganz schlechte Idee. Da kommen sie schnell dahergelaufen, wenn sie das bemerken. Und wenn so ein 600- bis 700-Kilo-Koloss mal in Bewegung ist, kann er nicht zielgerichtet bremsen - auch wenn es keine Bösartigkeit, sondern Freude ist“, sagt Experte Johann Feßl.
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