Kriminalität auf Zehnjahrestief - Kickl: "Absolute Zahlen noch zu hoch"

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Die am Donnerstag präsentierten Zahlen belegen: Österreich wird immer sicherer. Mehr als 50 Prozent Aufklärungsquote.

So gute Zahlen konnte ein Innenminister seit mehr als zehn Jahren nicht mehr präsentieren. 510.536 Straftaten - und damit rund 27.000 weniger als im Vorjahr - wurden 2017 angezeigt. Der positive Trend, über den der KURIER bereits Anfang des Jahres mit der Veröffentlichung der Rohdaten berichtete, wurde bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2017 damit offiziell bestätigt.

Und: Mehr als jede zweite Straftat wurde 2017 geklärt, die Quote stieg damit von 45,9 Prozent 2016 auf 50,1 Prozent im Vorjahr (Details zu den einzelnen Delikten finden Sie in den Grafiken unten).

"Das ist ein Ausdruck der hohen Professionalität des gesamten Sicherheitsapparates", freute sich Innenminister Herbert Kickl bei der Pressekonferenz am Donnerstag besonders über die hohe Aufklärungsquote.

Allzu überschwänglich wollte Kickl dann aber doch nicht werden. "Wir wollen noch besser werden - und Österreich zu einem der sichersten Länder der Welt machen", sagte Kickl. Ein Versprechen, das freilich relativ leicht einzulösen sein wird: Im Global Peace Index 2017 liegt Österreich bereits jetzt auf Rang vier, geschlagen nur von Island, Neuseeland und Portugal

Zwei Morde noch ungeklärt

Auch in Wien, wo zwei Messerattacken in den vergangenen Wochen für Aufregung sorgten, sank die Zahl der Anzeigen auf ein Zehnjahrestief. Um 7,4 Prozent gingen in der Bundeshauptstadt die Anzeigen zurück. Die Tötungsdelikte sind von 17 auf zwölf Fälle zurückgegangen, wobei zwei davon noch ungeklärt sind.

Anzeigen gegen Asylwerber gesunken

Der Anteil fremder Tatverdächtiger an der Gesamtkriminalität stieg in Wien von 50,9 Prozent (2016) auf 51,7. Die Anzeigen gegen Asylwerber sind hingegen von 9.441 (2016) auf 8.543 (2017) gesunken, ein Rückgang von 9,5 Prozent.  

"Bei Asylwerbern gab es den größten Rückgang", konstatierte Kickl. "Das ist eine erfreuliche Entwicklung." Die absoluten Zahlen seien aber noch immer "viel zu hoch". "Wenn wir von Asylwerbern sprechen, dann sprechen wir ja von Menschen, die sich als Schutzbedürftige ausgeben." Einen Fokus werde er deshalb in Zukunft auch auf Asylwerber legen. 

Rückgänge auch bei Gewaltkriminalität

Rückgänge gab es auch beim Wohnraum-Einbruch und beim Kfz-Diebstahl. So wurden 11.802 Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser angezeigt, mehr als 1.000 oder neun Prozent weniger als 2016. Bei Pkw, Lkw und Motorrädern ging die Zahl der Diebstahlsanzeigen gar um 11,2 Prozent zurück (von 2.994 auf 2.658).

Und auch wenn die Vorfälle der vergangenen Wochen eine neue Diskussion über das subjektive Sicherheitsgefühl neu befeuerten: Auch bei der Gewaltkriminalität gab es mit 42.079 Anzeigen um 2,4 Prozent weniger als 2016 (43.098).

Steigerungen bei Wirtschaftskriminalität

Steigerungen verzeichnete die Exekutive beim Cybercrime und bei der Wirtschaftskriminalität. Bei ersteren Delikten wuchs die Zahl der Anzeigen von 13.103 um 28,3 Prozent auf 16.804. Bei der Wirtschaftskriminalität gab es mit 55.308 Anzeigen um 2,6 Prozent mehr Strafanzeigen als 2016, als 53.905 Delikte angezeigt wurden.

( Agenturen , kob ) Erstellt am 22.03.2018