Dringlichkeit des Klimawandels nimmt zu, Geld für Forschung ab
Der "Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel" hat 2025 dargelegt, wie stark die Erderhitzung das Land trifft. Ermöglicht wurde er, ebenso wie eine Vielzahl an Forschungsprojekten zum Klimawandel und zur Anpassung daran, über das Klimaforschungsprogramm (ACRP) des Klima- und Energiefonds. Nach je 5 Mio. Euro für das Programm in den Jahren davor verspätete sich die Ausschreibung für 2025 massiv und ist jetzt nur noch 2 Mio. Euro schwer. Forscher zeigen sich "besorgt".
Die Dringlichkeit der vom Menschen verursachten Klimaveränderung nimmt mess- und merkbar zu, die Finanzierung für einschlägige Forschung "nimmt aber ab", kritisiert der Obmann des Climate Change Center Austria (CCCA), Gerhard Wotawa, im Gespräch mit der APA.
Im CCCA hat sich die heimische Klimawandel-Forschungscommunity zusammengeschlossen - die Kürzung der ACRP-Mittel ist dort zuletzt zum "Thema des Tages" geworden. Im Dezember machte das Klimaforschungsnetzwerk auf fehlende Finanzierungszusagen für den Klima- und Energiefonds aufmerksam. Bis knapp vor Jahreswechsel war nicht klar, wie viel Geld der Fonds für die Förderschiene bekommt.
Vom "Trendsetter" in Richtung "Kahlschlag"?
Im Jänner informierte man dann per Aussendung darüber, dass die Ausschreibung gestartet wurde - allerdings mit einem um drei Mio. Euro gegenüber den Jahren davor reduziertem Budget und das rückwirkend für das vorige Jahr. Die ACRP-Mittel kommen vom Landwirtschaftsministerium unter Ressortchef Norbert Totschnig (ÖVP). Zuvor lagen diese Agenden beim Infrastrukturministerium unter Leonore Gewessler (Grüne).
Eine derartige Reduktion komme eigentlich einer Art "Kahlschlag" in den Bereich und weniger einer mehr oder weniger nachvollziehbaren Kürzung wegen klammer Budgetlage gleich, meinte Wotawa. Mit der Förderschiene an der Schnittstelle zwischen Forschung und Anwendung sei Österreich eigentlich seit Jahren ein "Trendsetter" im Europa-Vergleich. Die damit abgewickelten Projekte hätten vielfach dazu geführt, dass Teams in der Folge in international stark umkämpften EU-Förderschienen erfolgreich waren.
Programm legt Schiene Richtung Anwendung
Das Klimaforschungsprogramm war auch die Basis für den "Sachstandsbericht zum Klimawandel" (AAR2), in dessen Rahmen eine Vielzahl an Forschenden relevante Informationen für Österreich zusammengetragen und eingeordnet hat. Gezeigt wurde u.a., dass es im Vergleich zum Jahr 1900 hierzulande im Schnitt schon um 3,1 Grad Celsius wärmer ist, wie groß die Auswirkungen auf Land, Leute und Umwelt bereits sind und dass es massive Investitionen braucht, um ein Kippen wichtiger Systeme zu vermeiden.
Der Schwerpunkt dieser und ähnlicher Arbeiten liege darauf, zu zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse regional angewendet werden können, um etwa die Auswirkungen der häufiger und massiver werdenden Extremwetterereignisse möglichst gering zu halten. Aktuell arbeite man intensiv an der Entwicklung von Klimaszenarien für das ganze Bundesgebiet bis zum Jahr 2100. Diese Vorausschau sei wichtig für zukünftige Infrastrukturvorhaben. "Das wird gerade jetzt dringend gebraucht. Wir müssen uns vorbereiten", so Wotawa. Die Berechnung der Szenarien an sich sei zwar nicht gefährdet, das Ausrollen und Herunterbrechen der Erkenntnisse in Richtung breitere Öffentlichkeit allerdings schon.
Große Fragezeichen hinter Klima-Förderschienen
Auch hinter der Zukunft des jährlichen "Klimatages", dem wichtigsten Treffen der Community, stehe ein Fragezeichen. "Wir sind sehr besorgt, dass Österreich hier die Mittel zurückfährt", so der CCCA-Obmann. Ein Verschließen der Augen vor den Klimawandel-Auswirkungen ändere bekanntlich nichts an dem Problem. Daher hege man die Hoffnung, dass die einschlägigen Mittel bald wieder steigen, sagte Wotawa.
Seitens des Klima- und Energiefonds - dessen Dotation großteils aus dem Infrastruktur-, dem Wirtschafts- und dem Landwirtschaftsministerium kommt - heißt es gegenüber der APA, dass man derzeit keine Information zum Budget 2026 und damit zu den Chancen auf eine ACRP-Ausschreibung für heuer geben könne. Das "Jahresprogramm befindet sich derzeit in Abstimmung", heißt es. In den ebenfalls im Klimaforschungsbereich anzusiedelnden Programmschienen "ACRP Implementation" (ACRPI) und "StartClim" konnte bisher noch keine Vergabe von Mitteln für 2025 lanciert werden. Damit stehen einschlägig arbeitenden Forschenden nach insgesamt sieben Mio. Euro in allen drei Programmschienen zusammen im Jahr 2024 momentan lediglich zwei Mio. Euro rückwirkend für das Vorjahr zur Verfügung.
2025 hatten das Wirtschafts- und das Landwirtschaftsministerium auf Basis einer Untersuchung der Förderlandschaft Einsparungspotenziale geortet und in dem Zusammenhang auch Instrumente des Klima- und Energiefonds genannt. Gegen Ende des Jahres konnte der Fonds zahlreiche Programme aufgrund ausständiger Budgetteile aus den beiden Ressorts nicht ausschreiben. Betroffen waren vor allem Förderschienen in den Bereichen Klimaforschung, Klimawandelanpassung oder zur Vermeidung von Klimawandelfolgen.
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