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Chronik Österreich
04/23/2020

Keine österreichischen Erntehelfer: Privater Charterflug für Rumänen

Marchfelder Spargelbauern fliegen Rumänen ein, weil Arbeitskräfte in Österreich Mangelware sind.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Spargelernte im Marchfeld ist mittlerweile voll im Gang, doch noch immer fehlen den Gemüse- und Obstbauern in Niederösterreich geschätzte 2.000 Erntehelfer. Hauptsächlich sollen nun rumänische Arbeiter diese Lücke füllen. Not macht bekanntlich erfinderisch. Mangels öffentlicher Hilfe setzen die Landwirte nun verstärkt auf Eigeninitiative.

„Wir werden 138 Schlüsselarbeitskräfte mit einem Charterflug von Sibiu nach Österreich bringen. Die rumänischen Behörden haben den Flug genehmigt, der Flieger sollte am Freitagnachmittag in Wien landen“, sagt Josef Keferböck, Geschäftsführer des Niederösterreichischen Gemüsebauverbandes zum KURIER. „Die ganze vertragliche Abwicklung hat aber ein Bauer aus dem Marchfeld übernommen.“ Der Flug und alle damit verbundenen Kosten werden von Landwirten aus Niederösterreich bezahlt. Pro Erntehelfer kostet das mehrere Hundert Euro.

Zuvor hatten die Bauern und die Erntehelfer alle notwendigen Dokumente vorgelegt: Dienstvertrag, Meldezettel, Schlüsselarbeitskraft-Bestätigung und ärztliches Attest samt Übersetzung auf Englisch.

Virus-Test

„Die Leute werden schon am Flughafen auf das Coronavirus getestet, das Ergebnis hat man dann ein, zwei Tage später“, sagt Keferböck zum KURIER. „Sie kommen dann im Betrieb in Heim-Quarantäne. Ist der Test negativ, wird die Quarantäne aufgehoben.“

Ist der Test positiv, müssen sie im Agrarbetrieb in Isolation bleiben. Auch die Covid-19-Tests werden von den Marchfelder Landwirten finanziert.

In Niederösterreich werden auf 700 Hektar Spargel angebaut. Pro Hektar benötigt man rechnerisch zweieinhalb Arbeiter, macht unter dem Strich 1.750 Erntehelfer.

Da sind Kulturen wie Erdbeeren, Salat und andere Gemüsearten wie Zwiebel, Karotten und Erdäpfel noch gar nicht berücksichtigt.

20 Erntehelfer, die per Flieger aus Rumänien kommen sollen, haben schon in den vergangenen Jahren für den Landwirt Thomas Mazzucato aus Raasdorf gearbeitet. „Das sind meine wichtigsten Arbeitskräfte, ohne die geht es nicht“, sagt Mazzucato zum KURIER. Sein Betrieb umfasst 360 Hektar, der Spargel ist aber nicht das Hauptgemüse, das angebaut wird. 50 Erntehelfer benötigt er, 16 Arbeiter hat er derzeit.

Der Spargelbauer Georg Sulzmann aus Mannsdorf an der Donau war auf dem Landweg erfolgreich.„Wir haben 25 rumänische Erntehelfer über Ungarn bekommen“, sagt Sulzmann. „Wir haben jetzt 57 Helfer und hoffen, dass wir weitere auf dem Landweg bekommen.“ Ein Rätsel ist für Sulzmann nach wie vor der Umstand, dass die Grenzbeamten teilweise „rumänische Arbeiter nach Ungarn zurückschicken, obwohl sie die nötigen Dokumente haben“.

Auch Landwirt Werner Magoschitz, der mit 200 Hektar den größten Spargelbetrieb im Marchfeld hat, hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Erntehelfer zu organisieren. „Wir haben jetzt knapp 200“, sagt Magoschitz zum KURIER. „Es war sehr schwierig.“ Über den Landweg kamen 100 Rumänen. Der Landwirt beschäftigte aber auch 30 Ukrainer.

„Die Rumänen haben ein Zeitfenster in der Nacht genutzt, um mit den notwendigen Papieren die Grenze nach Österreich zu passieren“, schildert Magoschitz. „Wir haben es aber auch geschafft, über Deutschland einige polnische Erntehelfer zu bekommen.“

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