Kinderanwältin zu Social-Media: Neue Verbote nicht der richtige Weg
Seit Dezember gilt in Australien ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren. Die österreichische Bundesregierung wird aller Voraussicht nach bereits nächste Woche ihre Pläne für ein solches Verbot präsentieren.
Die Salzburger Kinderanwältin Johanna Fellinger sieht in der ZiB2 ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendlich kritisch. Zwar müsse digitaler Kinderschutz oberste Priorität haben, neue zusätzliche Verbote seien aber nicht der richtige Weg.
"Uns (Anm: den Kinder- und Jugendanwälten) liegt ein effektiver und wirksamer digitaler Kinderschutz sehr am Herzen und das hat oberste Prämisse", sagte Fellinger. Man könne daher nicht sagen, "dass wir prinzipiell gegen ein Social-Media-Verbot sind". Für unter 14‑Jährige gebe es bereits Regelungen im Datenschutzrecht, weshalb man "gegen neue zusätzliche Verbote" sei. Stattdessen brauche es eine konsequentere Umsetzung: "Wir sind dafür, dass die bestehenden Regelungen gestärkt werden."
"Digitale Welt ist auch Schutzraum"
Ein Blick nach Australien zeige laut Fellinger, dass Verbote leicht umgangen werden können. "Studien zeigen und Experten betonen auch immer wieder, dass wirksamer Schutz geht vor allem auch Hand in Hand mit effektiver Medienbildung und Befähigung und nicht mit Ausgrenzung." Digitale Medien seien nicht mit Alkohol oder Nikotin vergleichbar: "Die digitale Welt, die ist eben zugleich Risikoverstärker und aber auch Schutzraum für Kinder und Jugendliche."
Rolle der Eltern
Fellinger betonte die Rolle der Eltern, räumte aber Überforderung ein. "Ganz klar ist, wir brauchen einfach eine massive Verstärkung der Medienbildung, die eben auch bei Eltern ansetzt." Auch Schulen müssten stärker eingebunden werden. Zudem verwies sie auf neue Entwicklungen: "Es ist so, dass erstmals das Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen bei Social Media leicht rückgängig ist."
Zugleich sprach sich Fellinger dafür aus, junge Menschen stärker einzubinden. "Was uns abgeht, in dem politischen Prozess jetzt hier eine Regelung zu entwerfen ist, dass man auch die Kinder und Jugendlichen selber zu Wort kommen lässt." In Österreich hätten sie sogar "verfassungsrechtlich das Recht, dass sie zu Themen, die sie betreffen, gehört werden".
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