Jäger erschoss Hund in OÖ: "Er war mein bester Freund und Therapeut"
Kann noch immer nicht glauben, dass Cooper tot ist: Fabian Pritz
„Wenn ich nicht arbeite, liege ich im Bett und schaue die Wand an. Ich komme kaum mehr außer Haus.“ Fabian Pritz ist gebrochen. Sein Hund Cooper wurde Ende Dezember bei einem Spaziergang von einem Jäger erschossen. „Ich hatte jahrelang mit Depressionen zu kämpfen. Dann bekam ich Cooper. Mit ihm musste ich das Haus verlassen, er war überall mit dabei, auch in der Therapie.“
Beim letzten Facharztbesuch im Dezember war die Depression gar nicht mehr Thema im Arztbrief, so gut ging es dem 30-Jährigen damals. „Jetzt kickt die Krankheit wieder voll. Ich muss mich zwingen, zu essen und Kleinigkeiten zu schaffen.“
Mit Fuchs verwechselt
Was ist passiert? Am 27. Dezember ist der Oberösterreicher mit seinem Border Collie in der Gegend der Seisenburg wandern. Es werden noch Fotos gemacht, dann geht es weiter Richtung Perneckerkogel. Anfangs entlang des Wanderweges, dann entlang der Forststraße.
Cooper befindet sich einige Meter vor Pritz. Etwa fünf Meter vor dem Hochstand sieht Pritz hoch und bemerkt das Gewehr eines Jägers: „Ich wollte Cooper noch abrufen, doch in dem Moment fiel bereits der Schuss.“
"Du hast jetzt aber nicht meinen Hund erschossen?"
Er habe zum Jäger hochgerufen: „Du hast aber jetzt nicht meinen Hund erschossen!?“ Der erwiderte: „Doch das habe ich, ich habe ihn mit einem Fuchs verwechselt“. Cooper trug ein gelbes Geschirr, ähnlich einer Warnweste.
Ortswechsel: Ähnliches passierte vergangene Woche im obersteirischen Mürztal. Ein Jäger am Abend auf der Lauer, er wollte Füchse jagen, die zum Teil von der Räude befallen seien. Im Zuge dessen erschoss er einen vierjährigen Husky-Australian-Shepard-Mischling, der den wenige Hundert Meter entfernten Hof alleine verlassen hatte. Auch Hündin Bailey trug eine Warnweste.
Petition mit 10.000 Unterschriften
Zwei erschossene Hunde, tausende empörte Tierfreunde – und ein Jagdrecht, das für Diskussionen sorgt. Nur acht Tage nach dem Start der Petition „Haustierabschuss stoppen – JETZT!“ haben mehr als 10.000 Menschen unterschrieben. „Wenn Hunde mit Warnwesten erschossen werden, läuft in diesem System etwas fundamental falsch. Dieses Gesetz gehört dringend reformiert ,“ so Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria.
Röntgenaufnahmen zeigen die Splitter von der Kugel im Körper des Hundes.
Zurück nach Oberösterreich: Erst nach fünf Minuten soll der 84-jährige Jäger aus seinem Hochstand gekommen und den verzweifelten Pritz gefragt haben, wie er ihm zu einem neuen Hund verhelfen könne. In der Tierklinik wurde Cooper zur Beweissicherung geröntgt. Die Bilder zeigen, dass sein Körper voller Splitter der Kugel war.
Hund hat gelbes Geschirr an
„Der Jäger hatte freie Sicht auf Cooper, es war nicht dunkel oder neblig.“
Im Nachhinein soll der Jäger bei seiner Aussage die Geschichte geändert und angegeben haben, dass Cooper angeblich auf der Fährte von einem Reh war. „Das ist Blödsinn. Cooper war ein Border Collie, ein Hütehund. Er ist noch nie eine Fährte gegangen. Er ist einfach den Forstweg entlang spaziert“, bestreitet Pritz diese Angaben. Leinenpflicht sei in diesem Gebiet nicht gewesen, deswegen habe er Cooper auch frei laufen lassen. „Ein Pfiff und er wäre bei mir gestanden.“
Die Grünen habe zu dem Fall eine aktuelle Landtagsanfrage an die Jagdlandesrätin Michaela Langer-Weninger (VP) eingebracht.
Ein neuer Hund
So etwas dürfe nie wieder passieren, deswegen kämpfe er dafür, dass der Jäger Jagdkarte und Waffenschein abgeben muss. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, diese Situation anders zu lösen.“
Hund Cooper
Für Fabian Pritz ist sein Hund Cooper nicht austauschbar. Trotzdem wird er im Februar einem ausgesetzten Hund aus Kroatien einen Pflegeplatz in seinem Zuhause geben. „Ich weiß nicht, ob ich emotional schon bereit für einen neuen Hund bin, aber ich brauche eine Aufgabe.“ Da es sich beim Neuzugang um einen Welpen handelt, dürfte dieser Wunsch wohl in Erfüllung gehen. „Cooper werde ich nie vergessen: Er war mein Freund, mein Begleiter und mein Therapeut. Ich kann noch immer nicht glauben, dass er tot ist.“
Behörde prüft: Darf Jäger den Waffenschein behalten?
.Derzeit sind zwei Institutionen mit den Ermittlungen rund um den erschossenen Border Collie Cooper befasst. Die Bezirkshauptmannschaft Gmunden muss feststellen, ob der Jäger seinen Waffenschein behalten darf. „In zwei, drei Wochen haben wir alle Fakten zusammengetragen“, sagt Alois Lanz, der zuständige Bezirkshauptmann. Natürlich könne der Beschuldigte dann noch diverse Rechtsmittel, wie etwa die Anforderung eines Gutachtens, einbringen. „Dass ein Waffenschein tatsächlich aberkannt wird, passiert sehr selten“, erzählt Lanz aus der Praxis.
Wenige Infos kommen von der Staatsanwaltschaft Steyr, bei der die Anzeige wegen Tierquälerei und Sachbeschädigung gegen den Jäger eingegangen ist: „Wir bestätigen, dass wir den Akt bearbeiten.“
Zusätzlich möchte Fabian Pritz Schadenersatz für Cooper haben, „obwohl mir natürlich keine Summe der Welt meinen Hund ersetzen kann.“ Der Fall wurde außerdem der Jagdbehörde übergeben, die entscheiden muss, ob der 84-Jährige seinen Jagdschein behalten darf.
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