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Interview
10/10/2020

Ischgls Bürgermeister im Fadenkreuz der Justiz

Werner Kurz im Interview über die Ermittlungen gegen ihn und die neuen Vorwürfe gegen Tirols Behörden.

KURIER: Neue Recherchen deuten darauf hin, dass die Lage in Ischgl heruntergespielt werden sollte. Hat man versucht, den Ort „aus dem Schussfeld“ zu halten, wie es der Bezirkshauptmann am 5. März formuliert hat?

Werner Kurz: Glaube ich nicht. Es hat eine Expertenkommission und einen Krisenstab beim Land gegeben. Die haben uns die Vorgaben gegeben, die wir nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber gegen Sie, weil Sie eine Verordnung nicht sofort angeschlagen haben.

Die Bezirkshauptmannschaft hat uns die Verordnung gegen 14.30 Uhr – also am Nachmittag (Anm.: des 12. März) – zugesandt. Unter anderem war dort die Einstellung des Skibetriebs verfügt. Der Landeshauptmann hat am Tag davor verkündet, dass der letzte Skitag der 13. ist und die Schließung des Skigebietes der 14. März ist.

Das war in der Verordnung nicht genau kundgemacht. Wenn wir das am 12. 3. ausgehängt hätten, wäre die Schließung des Skigebiets am 12. 3. gewesen. Nach Rücksprache mit der BH hieß es, dass es so, wie der Landeshauptmann es kommuniziert hat, auszuhängen ist.

Dieses Zuwarten soll aber nicht mit der Gemeindeordnung zusammengehen.

Laut meinem Wissensstand stimmt das nicht.

Noch einmal zurück zu den Anfängen. Es gibt nun Hinweise, dass sich das Land rasch bewusst war, dass in Ischgl der Hut brennt. Wann war für Sie dieser Moment?

Der erste Infizierte war mir am 7. März bekannt. Das war dieser Barkeeper im Kitzloch. Für alles andere ist die Behörde zuständig. Das waren die BH, das Land und die Bundesregierung. Die Gemeinde hatte in dieser Phase keine Kompetenz.

Es soll aber unter anderem am 9. März eMails von Urlaubern an den Tourismusverband gegeben haben, die nach ihrem Ischgl-Urlaub infiziert waren. Hätte die Gemeinde nicht proaktiv etwas unternehmen müssen?

Wir sind in dieser Epidemiezeit nicht die zuständige Behörde. Wir haben alles nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt, was uns die Behörde vorgegeben hat.

Aber es wurde immer wieder betont, dass einem die Gesundheit von Gästen, Mitarbeitern und Einheimischen sehr wichtig ist. Hätte man dann nach solchen Warnungen nicht in Eigenverantwortung was tun können?

Es tut uns sehr leid, dass sich Gäste bei uns infiziert haben. Es waren nicht nur Gäste und Mitarbeiter, es war auch die einheimische Bevölkerung. Das Virus ist nicht bei uns entstanden. Irgendwer wird es hereingebracht haben. Wir sind in dieser Zeit nicht die Behörde.

Wie erklären Sie sich, dass es dem Bezirkshauptmann am 8. März offenbar ein Anliegen war, dass man Ischgl aus dem Schussfeld bekommt?
Da müssen Sie ihn selbst fragen. Das weiß ich nicht.

Sehen Sie im Nachhinein Schwachstellen bei Bund, Land oder BH, wo Sie sagen, das hätten die besser machen müssen?
Ich bin kein Experte. Die haben uns das alles vorgegeben. Und das haben wir nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt.

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