Hunde im Visier: "Wenn die Leine schleift, erschieße ich ihn"
Der Spaziergang mit einem Hund endete für eine Oberösterreicherin nach einem Sturz tödlich (Symbolbild).
Wenn Martin D. davon erzählt, was ihm und seinem Hund vergangene Woche passiert ist, ist er noch immer fassungslos.
Um etwa 9 Uhr ist er mit seinem Rüden auf einem öffentlichen Radweg in Sierndorf bei Stockerau unterwegs. Angeleint führt er den Münsterländer von der dortigen Siedlung aus auf den Weg. Nach kurzer Zeit sieht er, wie ihm mehrere Hundert Meter entfernt ein Auto auf dem Radweg entgegenkommt.
„Das Auto bleibt neben mir und meinem Hund stehen, es sitzen zwei Personen in grünem Gewand drin“, erinnert sich der HTL-Professor. Die Männer argumentieren, dass er gegen drei Gesetze verstoßen habe bei seinem Spaziergang mit dem Hund, unter anderem sprechen sie von Besitzstörung. Dann aber der Eklat: Aus dem Fenster gelehnt, sagt einer der Männer zu D.: „Wenn die Leine auf dem Boden schleift, steige ich aus und erschieße Ihren Hund!“.
„Hatte Todesangst“
„Ich hatte in diesem Moment wirklich Todesangst, hab dann auch kaum mehr was gesagt, so eingeschüchtert war ich“, ist der 56-Jährige betroffen. Er habe die Männer dann noch gefragt: „Wer sind Sie? Jäger oder Jagdaufseher?“, und bekam als Antwort nur: „Was Höheres.“
Seinen Hund Schico habe er während des Gesprächs ganz nah bei Fuß gehabt, „das ist dann ja nicht nur eine Drohung gegen meinen Hund, sondern auch gegen mich.“ Leider habe er in der bedrohlichen Situation nicht daran gedacht, sich das Kennzeichen des Autos zu merken. Anzeige wurde trotzdem erstattet und es werde sich bestimmt herausfinden lassen, um wen es sich bei den Männern im Auto handelt, so der Tierfreund. Außerdem holt sich der Niederösterreicher nun rechtliche Unterstützung von einem Anwalt.
Martin D. und der Rüde Schico beim Spaziergang.
Anwalt eingeschaltet
„Ich lege mich vermutlich mit einer großen Interessensgemeinschaft an, darauf will ich vorbereitet sein.“ Jetzt liegt es an der Staatsanwaltschaft Korneuburg zu ermitteln und herauszufinden, wer die Männer im Auto waren, die den HTL-Professor verbal bedroht haben. Sie wird dann eine Stellungnahme abgeben. Martin D. war auch beim Bürgermeister, um den Vorfall zu schildern. Der meinte, er könne sich vorstellen, um wen es sich bei den beiden handle, vermutlich um die Pächter des nahe gelegenen Ackers.
Den öffentlichen Radweg in Sierndorf meidet Martin D. ab sofort mit seinem Hund: „Dort gehe ich nicht mehr hin.“ Und abgesehen davon hat der 56-Jährige mit den Folgen der Begebenheit zu kämpfen: „Ich schlafe in der Nacht kaum, da kommt mir das alles immer wieder hoch. Vielleicht auch, weil mir als Grenzsoldat bereits ein Mal die Waffe angehalten wurde. So etwas vergisst man nicht und diese Erinnerungen werden jetzt wieder lebendig.“
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