Textilfärberei schlittert in Konkurs

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Chronik Österreich
01/11/2019

Garnfabrik Borckenstein reißt der Faden - Schließung befürchtet

Die Gewerkschaft Proge und der Neudauer Bürgermeister kritisieren fadenscheinige Vorgangsweise des italienischen Eigentümers.

von Kid Möchel

Die Leidensgeschichte der Mitarbeiter des oststeirischen Garnherstellers Borckenstein ist überaus lang. Waren es im Jahr 2002 noch 550 Beschäftigte, so sind es nach mehrmaligen Rationalisierungen derzeit nur noch 124 Dienstnehmer – und auch die müssen jetzt um ihre berufliche Existenz bangen.

Der Betrieb mit Sitz in Neudau, der seit 2013 mit der Fil Man Made Group eine italienischen Eigentümer hat, musste gestern, Donnerstag, Insolvenz in Graz anmelden.

Und das schon zum zweiten Mal seit 2016. Denn Borckenstein konnte die letzten Ratenvereinbarungen mit den Gläubigern aus dem ersten Verfahren nicht mehr bedienen. „Ich wünsche mir eine Fortführung, aber ich befürchte das Schlimmste“, sagt Hubert Holzapfel von der Produktionsgewerkschafter Proge zum KURIER. „Ich glaube nicht, dass der Masseverwalter den Betrieb weiterführen kann, weil so viel Geld wird nicht zu erwirtschaften sein.“

Laut den Gläubigerschutzverbänden AKV und Creditreform hat der Betrieb rund 21,4 Millionen Euro Schulden angehäuft, aber nur 8,45 Millionen Euro Vermögen. Alleine bei der Steirischen Gebietskrankenkasse steht das Unternehmen mit 1,53 Millionen Euro in der Kreide.

Die Betriebsliegenschaft und die Maschinen sind an zwei Banken verpfändet. In den vergangenen Monaten waren die Lieferanten, die Krankenkasse, der Energieversorger und die Gemeinde dem Unternehmen noch einmal außergewöhnlich weit entgegenkommen. Man stimmte einer neuerlichen Planänderung bei der Ratenzahlung zu, zugleich wurden 50 Mitarbeiter inklusive Leiharbeiter gekündigt.

Massiver Ärger

„Sie haben immer wieder Raten gezahlt und dann wieder nicht“, sagt Holzapfel zum KURIER. „Die Anweisungen sind zum Schluss nur noch aus Italien erfolgt, auch die Lohnverrechnung erfolgte dort.“

Auch der Neudauer Ortschef spart nicht mit Kritik am Eigentümer des Betriebs. „Es haben sich alle bemüht, es gab auch mit der Gemeinde Ratenvereinbarungen“, sagt SPÖ-Bürgermeister Wolfgang Dolesch zum KURIER. „Es haben alle die Vereinbarungen gehalten, nur der Eigentümer nicht. Daher kann das auf Dauer nicht funktionieren.“ Der Gemeindechef macht sich schon Gedanken darüber, was sie aus der künftigen „Industrieruine“ machen kann. Die Gewerkschaft will nun eine bestehende Insolvenzstiftung für die Borckenstein-Mitarbeiter ausbauen, um das Schlimmste abzufedern. Holzapfel: „Aber ohne Pendeln werden diese Personen keinen Arbeitsplatz finden.