Schrebergartenpolizei

© Kurier / Juerg Christandl

Floridsdorf
10/30/2021

Einbrecher machen Schrebergärten unsicher: Unruhe im Paradies

Immer mehr Schrebergärten sind ganzjährig bewohnt. Daher sind auch Einbrecher unterwegs. Gestohlen werden Schmuck, Geld und Werkzeug.

von Markus Strohmayer

Saftig grüner Rasen, Palmen und bunte Fensterläden, wie man sie aus dem Italienurlaub kennt. Wer auf Gabriele Druckers Terrasse Platz nimmt, wird unweigerlich in mediterrane Stimmung versetzt.

Tatsächlich sitzt man in einem Schrebergarten, mitten im Kleingartenverein Strebersdorf. Von klein kann man hier aber nicht wirklich reden, da die größten Grundstücke in der Anlage mehr als 900 Quadratmeter messen. „Mittlerweile sind ja rund 150 der Parzellen ganzjährig bewohnt“, erzählt Vereinsobmann Michael Cerny.

Dass sich aus vielen ehemaligen Gartenhütten inzwischen voll ausgestattete Häuser entwickelt haben, ruft aber auch Kriminelle auf den Plan. Die Polizei ist deshalb im Rahmen der Streifentätigkeit immer wieder vor Ort.

Derzeit haben die Beamten wegen der im Herbst traditionell zunehmenden Einbrüche wieder mehr zu tun. „Zwar gibt es momentan keine nennenswerten Einbrüche in Wiener Kleingärten, aber die Serie im vorletzten Winter liegt noch nicht so lange zurück“, erzählt Bezirksinspektor Daniel R., der selbst Besitzer eines Schrebergartens ist.

Alkohol und Kupfer

Damals war es ein Obdachloser, der wiederholt in Gartenhäuser eingebrochen war. Wohnungslose und Jugendliche hätten es immer wieder auf die im Winter unbewohnten Hütten abgesehen.

Vandalismus und der Sachschaden seien dann das eigentliche Problem. Gestohlen werden meist nur Alkohol oder Lebensmittel. Anders sei das bei organisierten Verbrechern, die auch bewohnte Parzellen ins Visier nehmen. „Hier gibt es keinen Unterschied zu normalen Wohnungseinbrüchen. Die nehmen Schmuck, Bargeld, Münzen, oder auch Werkzeug und Kupfer“, weiß Polizist R.

Schrebergartenpolizei

Nachbarschaft wichtig

Auch wenn ältere Hütten durch ihre Bauspezifika einen schwächeren Schutz aufweisen, stellen die Siedlungen laut dem Beamten kein leichtes Ziel dar: „Die ganzjährig bewohnten Häuser entsprechen modernen Sicherheitsstandards.“ Zudem seien selbst die älteren Gartenhäuser im Fenster- und Türbereich häufig mit Eisenstäben gesichert.

Besser noch als Sicherheitsvorrichtungen schützt laut Cerny die gut funktionierende Nachbarschaft der rund 500 Bewohner: „Hier kennt man sich und schaut aufeinander. Wenn Leute neu sind, stelle ich sie in der Anlage vor.“

Wenn ein Fremder durch die Anlage gehe, wisse man das dementsprechend sofort, versichert auch Gartenbesitzerin Drucker. An ihrer Seite ein stattlicher Mischlingshund, bei dessen Anblick es sich die meisten Einbrecher wohl zweimal überlegen.

Das sei auch gut so, findet die Pensionistin. Denn auf der knapp 250 Parzellen umfassenden Fläche gebe es durchaus einige dunkle Winkel und Gassen. Dementsprechend froh zeigt sie sich über die Polizeipräsenz.

„Wir kündigen unsere Streifen natürlich nicht an, aber im Rahmen der Initiative ,Gemeinsam sicher’ kommen Grätzelpolizisten und geben den Bewohnern Tipps“, beschreibt der Bezirksinspektor die Strategie.

„Ein anderes Leben“

Die Anrainer nehmen die Beratung gerne an. „Einmal haben Bewohner sogar einen Polizisten gestellt. Er war zivil unterwegs und schaute in die Gärten“, erinnert er sich. „Das ist hier schon ein anderes Leben, eine eigene Community“, ergänzt Cerny schmunzelnd.

„Hier fühlen sich alle wohl. Freunde sagen, dass wir im Paradies wohnen. Und ja, ich muss sagen, sie haben recht“, stimmt Drucker mit Blick auf ihren Garten zu.

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